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Feldvogelschutz in Dettenheim

Diese Vereine im nördlichen Kreis Karlsruhe kümmern sich um den Naturschutz

Aktiver Naturschutz wird im nördlichen Landkreis Karlsruhe von vielen Vereinen in den Gemeinden betrieben. Wir nennen einige Beispiele.

Udo Metz vom Anglerverein Linkenheim zeigt die Strecke am Rhein-Niederungskanal in Linkenheim, an der Buhnen eingebracht und Wildkarpfen eingesetzt wurden.
Udo Metz vom Anglerverein Linkenheim zeigt die Strecke am Rheinniederungskanal, an der Buhnen eingebracht und Wildkarpfen eingesetzt wurden. Foto: Pia Frei

Die großen Naturschutzverbände in Deutschland arbeiten lokal in Ortsgruppen mit Ehrenamtlichen. In Stutensee gibt es die Ortsgruppe des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie setzt sich für den Erhalt ökologischer Lebensräume ein.

„Wir pflegen Streuobstwiesen, unterstützen örtliche Naturschutzprojekte oder arbeiten gemeinsam mit befreundeten Umweltgruppen“, so Helga Terlinden-Steinig, die Vorsitzende der Ortsgruppe.

Früheres Kiesabbaugelände in Graben-Neudorf ist heute Naturschutzgebiet

In diesem Jahr fanden mit dem Förderverein Gnatschko aus Graben-Neudorf Pflegeaktionen im Kohlplattenschlag statt. Das frühere Kiesabbaugelände wurde 1984 zum Naturschutzgebiet erklärt und bietet heute auf einer Fläche von 50 Hektar Raum für gefährdete Pflanzen- und Tierarten.

In Staffort ist der Obst- und Gartenbauverein aktiv. Auf 1,5 Hektar werden rund 200 Obstbäume gepflegt. „Die Stadt stiftet zur Geburt eines Kindes einen Obstbaum. Wir bieten den Familien an, den Baum auf einer unserer Streuobstwiesen zu pflanzen“, so der Vorsitzende Matthias Rieke.

„Die Bäume werden von den Familien gepflegt und geerntet.“ Ältere Bäume, die von den Paten nicht mehr betreut werden, versuche man wieder neu zu vermitteln. Das Handwerkliche kann bei einem der angebotenen Schnittkurse erlernt werden.

Am Schloss Stutensee werden Steinkäuze ausgewildert

Der Ökologe Hans-Martin-Flinspach aus Weingarten fördert den Steinkauz. Aus seiner Zeit bei der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Karlsruhe kennt er die Brennpunkte. „Der Steinkauz gehört zu den gefährdeten Vogelarten. Gemeinsam mit dem Vogel- und Naturschutz Dettenheim haben wir Ende September am Schloss Stutensee zwei Steinkäuze ausgewildert, in Dettenheim waren es sogar 14. Der dortige Vogelpark widmet sich zunehmend auch dem Feldvogelschutz“, so Flinspach.

Wichtig für den Steinkauz sind die Streuobstwiesen, denn das ist sein Refugium. Auch Höhlen in alten Obstbäumen werden als Brutplätze genutzt.

Zu den gefährdeten Arten zählen in Weingarten Amphibien. Im Weingartener Moor ist der Moorfrosch ausgestorben. Auch Kammmolch und Schlingnatter sind sehr gefährdet. Gefährlich wird es für die Tiere vor allem, wenn sie zu ihren Laichplätzen im Moor wandern.

Krötenzäune entlang der B3 bei Weingarten

„Jedes Jahr im Dezember stellen wir entlang der B3 auf einer Länge von rund 800 Metern Krötenzäune auf. Die Hinwanderung beginnt um Weihnachten, die Rückwanderung endet im Mai“, so Flinspach. „An einem Samstag haben 16 Helfer in zwölf Stunden 4.150 Tiere eingesammelt. Die Tage zuvor war es kalt, dann wurde es warm und es regnete. Ideale Bedingungen für die Amphibienwanderung.“ Unterstützung erhalten die Tierschützer von der Straßenmeisterei, die die Zäune abbaut und bis zur nächsten Wanderung einlagert.

In Linkenheim-Hochstetten setzt sich der Anglerverein Linkenheim für umfangreiche Naturschutzvorhaben ein. Im Rheinniederungskanal wurden 2.017 Buhnen eingebaut. Nach einem Jahr wurde der Fischbestand mit einer Elektrobefischung überprüft.

„Wir hatten 15-mal so viele Fische wie an Strecken ohne Buhnen. Wir fanden 18 verschiedene Fischarten. In den Buhnen standen Aale, vor den Buhnen auf Kies gab es die auf der Roten Liste stehenden Steinbeißer und Gründlinge, hinter den Buhnen Schlammpeitzger und Bitterlinge. Aber auch andere gefährdete Arten wie Rotfedern, Schleie, Aalquappen fanden wir vor“, berichtet Udo Metz, Gewässerwart vom Anglerverein.

Um gefährdete Arten gezielt zu vermehren, wurde 2018 mit einem Wildkarpfenprojekt begonnen. Unter Leitung des Linkenheimer Anglervereins beteiligten sich auch die Anglervereine Hochstetten, Leopoldshafen, Eggenstein und Daxlanden. Aus dem Rheinniederungskanal wurden Wildkarpfen gefangen und über Jahre in einer Fischzucht vermehrt. Seither sind mehrmals Wildkarpfen in den Gewässern der beteiligten Ortschaften eingesetzt worden, zuletzt Anfang November.

Pro Jahr vertilgt ein Kormoran rund 150 Kilogramm Fisch.
Udo Metz
Anglerverein Linkenheim

„Wildkarpfen sind stark gefährdet. Die Bestände werden vor allem von den zugewanderten Kormoranen dezimiert“, sagt Metz. „Auch mit Fischen wie Barsch, Rotauge, Rotfeder und Bitterling, die im Winter in Schwärmen zusammenstehen, haben die Kormorane leichtes Spiel. Pro Jahr vertilgt ein Kormoran rund 150 Kilogramm Fisch.“ Artenschutz bedeute für ihn auch, heimische Tiere vor eingewanderten Tieren zu schützen und im Falle des Kormorans ein ökologisches Gleichgewicht wiederherzustellen.

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