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Aufatmen und ein Schock hinterher

Überlegungen der Bahn sorgen für Aufregung in Stutensee und Karlsdorf-Neuthard

Die Deutsche Bahn will ihre Kapazitäten für den Güterverkehr ausbauen und sucht nach einem Streckenverlauf. Nördlich von Karlsruhe sind einige Gemeinden möglicherweise betroffen.

Kein Platz: Bei ihren Überlegungen, wo neue Gleise für zusätzlichen Güterverkehr zwischen Mannheim und Karlsruhe gebaut werden können, steht die Bestandsstrecke der Bahn nördlich von Karlsruhe – hier die Durchfahrt am Bahnhof Blankenloch – für Ausbauplanungen nicht mehr auf der Agenda. Foto: Rake Hora

So manch einer hatte darüber gelacht, so manch einer hat sie schon vor sich gesehen: Enteignungen in Friedrichstal und Blankenloch. Entlang der Bahnstrecke stehen Häuser, die da nicht bleiben könnten, wenn die Bahn dort ihre Gleise ausbauen möchte.

Diese Schreckgespenst scheint seit Freitag vom Tisch zu sein. In ihrem Dialogforum konkretisierte die Bahn ihre Ausbaupläne für die Strecke von Mannheim nach Karlsruhe – die Option über Friedrichstal und Blankenloch ist dabei nicht mehr vorgesehen.

Die Bahn sucht Raum für zwei neue Gleisstränge zwischen Mannheim und Karlsruhe. Sie reagiert damit auf die erwartete Zunahme des Güterverkehrs auf der Schiene. Der betreffende Abschnitt ist Teil der länderübergreifenden Achse Rotterdam – Genua.

Läuft die Bahnstrecke an Stutensee-Staffort vorbei zur A5?

Eine weitere Belastung der direkten Anwohner sei damit nicht zu befürchten, sagt Oberbürgermeisterin Petra Becker (parteilos) auf BNN-Anfrage. Eine der möglichen Optionen ist aber dafür eine Neubaustrecke, die nördlich von Friedrichstal über Staffort Richtung A5 führt. Dadurch wäre Stutensee „massiv betroffen“, betont Becker.

„Die Durchtrennung der Gemarkung mit dem einhergehenden Eingriff in die Umwelt und einer neuen Belastung der Anwohner ist kaum vorstellbar.“ Inwiefern dieser Korridor für eine durchgehende Verbindung in Frage komme, sei derzeit noch völlig offen. Und auch eine Lösung entlang der Autobahn 5 betreffe Stutensee.

„Die Verwaltung wird sich mit Nachdruck für Stutensee und auch gemeinsam mit den umliegenden Kommunen und Interessenvertretern als Teil der Region weiterhin für die verträglichste Lösung einsetzen“, sagt Becker.

Zerschneidet Neubaustrecke der Deutschen Bahn Karlsdorf und Neuthard?

Dass die Bestandsstrecken bei Friedrichstal und Blankenloch aus der Planung fallen, ist für Daniel Metz plausibel. Der Sprecher der Bürgerinitiative Gütertrasse macht sich aber Sorgen um die Zerschneidung von Karlsdorf-Neuthard.

Metz ärgert sich, dass ein Linienkorridor durch einen Grünzug der Gemeinde führt. Seit der Präsentation am Freitag gebe es Fragen der Bürger. „Wie soll man das den Bürgern erklären? Ich bin überrascht worden.“

Es brauche die Gleise und die Planer hätten eine schwierige Aufgabe, betont Metz. „Aber die Bahn hat den Pfad des Dialogs verlassen.“ Auf seine Nachfrage hin hätten die Bahnvertreter nicht erklären können, warum ein Linienkorridor durch den Grünzug bei Karlsdorf-Neuthard führen darf.

Zweispuriger Ausbau ist laut Gutachtern „bedarfsrelevant“

Im Zusammenhang mit den Untersuchungen, wo zwei neue Gleise für die erwartete Zunahme des Güterverkehrs auf der Schiene gebaut werden könnten, finden auch die Bahnhofssituation in Graben-Neudorf und die Strecke nach Germersheim Erwähnung.

Für den geplanten Deutschland-Takt, der im gesamten Land verlässliche Taktzeiten verfolgt, haben die Gutachter des Bundes sogenannte „bedarfsrelevante Maßnahmen“ identifiziert. Eine davon ist der zweigleisige Ausbau zwischen Germersheim und Graben-Neudorf. Die Strecke selbst wurde vor gut zehn Jahren elektrifiziert.

Den Anlass bot der Start der S-Bahn zwischen Bruchsal und Germersheim als Nachfolger der alten Regionalbahn R9 auf der sogenannten „Bruhrainbahn“. Bezüglich Graben-Neudorf ist in der Präsentation des Dialogforums von „Ertüchtigung“ für den Schienengüterverkehr die Rede.

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