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Umstrittenes Thema

Binnen-I, Sternchen und Co: Wie die Hardt-Gemeinden mit dem Thema Gendern umgehen

Sternchen, Binnen-I oder mit Gap - oder gar nicht? Ob und wie in amtlichen Schreiben gegendert wird, ist ein viel diskutiertes Thema. Wir haben uns in verschiedenen Verwaltungen im nördlichen Landkreis Karlsruhe umgehört - und festgestellt: Eine eindeutige Favorit*in gibt es nicht...

Sternchen, Binnen-I oder mit Gap - oder gar nicht? Ob und wie in amtlichen Schreiben gegendert wird, ist ein viel diskutiertes Thema. Foto: Sebastian Gollnow picture alliance/dpa

Eigentlich ist es längst selbstverständlich, Frauen werden nicht nur mitgemeint, sondern auch direkt angesprochen: TV-Talkerin Anne Will gendert, die Fernsehmoderatorin Petra Gerster auch. Und zwar beide recht kreativ, mal benutzen sie das Sternchen, machen eine winzige Pause, den Gendergap, manchmal heißt es „Bürgerinnen und Bürger“.

Das Sternchen hat es jetzt sogar in den Duden geschafft. Viele Menschen haben den Eindruck, die deutsche Sprache würde damit verhunzt, sind verunsichert, regen sich auf.

Auch in der Region ist man (und frau) einfallsreich, was das Gendern angeht. Feste Regelwerke gibt es in den dazu befragten Gemeinden nicht. Aber man wisse, dass es wichtig ist, mit der Sprache verantwortlich umzugehen, sagt Lukas Lang, Pressesprecher der Großen Kreisstadt Stutensee: „Sprache ist ein wichtiges und unsere plurale Gesellschaft prägendes Element – umso wichtiger ist es auch, gleichstellend und damit zeitgemäß zu kommunizieren. Wir bleiben stetig im Gespräch, gilt es doch gerade in Fragen der Gendergerechtigkeit auf kreative Wortwahl zu setzen. Auch die Lesbarkeit findet dabei Berücksichtigung, denn gleichstellende Sprache wirkt nur, wenn sie verständlich formuliert nachvollziehbar wird.“

Auch in Walzbachtal achtet man auf gendergerechte Formulierungen. Bürgermeister Timur Özcan (SPD) meint, das sei nicht kompliziert: „In den meisten Schreiben hat sich das automatisch durch regelmäßiges Anwenden etabliert.“ Vehement betont Pressesprecherin Katja Stieb aus Linkenheim-Hochstetten: „Es versteht sich von selbst, dass jeder darauf achtet.“

Dabei ist die konkrete Anwendung durchaus noch im Fluss: „In der Gesellschaft hat sich noch keine allumfassende, einheitliche Praxis durchgesetzt, die allen Menschen gerecht wird“, sagt die Weingartener Pressesprecherin Vanessa Graf: „Analog dazu sind auch wir noch nicht zu einer finalen Lösung gekommen.“

In direkten Anreden verwende sie die ausgeschriebene Variante („Bürgerinnen und Bürger“), im Fließtext habe sich diese Form nicht durchgesetzt. „Allerdings verwenden wir neutrale Nomen, wo immer möglich“, wie Studierende oder Ähnliches.

In Pfinztal fällt Pressesprecher Christian Bauer auf, „dass das Gendersternchen immer mehr gebraucht wird“. In Satzungen würden allerdings keine weiblichen Formen verwendet, sondern zur besseren Lesbarkeit die männliche Form, das generische Maskulinum. In Eggenstein-Leopoldshafen wird mal das Sternchen, mal das Binnen-I benutzt, wie Regine Hauck, Referentin des Bürgermeisters, sagt.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dessen Campus Nord auf der Gemarkung von Eggenstein-Leopoldshafen liegt, hat schon seit Jahren Leitfäden für gendergerechte Sprache und Bildsprache, zurzeit wird ein allgemeingültiger Leitfaden erarbeitet. Pressesprecherin Monika Landgraf sagt: „Dabei lassen wir uns von dem Gedanken leiten, dass wir alle einen Anteil daran haben, wie Sprache in unserer Gesellschaft benutzt, gepflegt und reflektiert wird.

Fairer Umgang untereinander soll sich auch in Sprache ausdrücken. Sprache soll daher genau, aber auch clever formuliert sein und Sprachgewohnheiten müssen an der einen oder anderen Stelle reflektiert werden.“ Die Lesbarkeit ist für sie ein wichtiges Kriterium, was auch Katja Stieb als Problem sieht: „Es kann nicht im Interesse von uns Frauen sein, wenn man den Text nicht mehr versteht. Ein guter Text ist das wichtigste für mich.“

Wir haben zurzeit andere Probleme, das rettet die Welt nicht.
Birgit Jennerjahn-Hakenes, Autorin aus Stutensee

Die in Stutensee wohnende Autorin und Lektorin Birgit Jennerjahn-Hakenes sagt zu diesem Thema: „Ich finde das ein bisschen albern.“ Für sie ist Gendern eine Äußerlichkeit, die Idee findet sie gut, aber ob es funktioniert, bezweifelt sie. Und außerdem: „Wir haben zurzeit andere Probleme, das rettet die Welt nicht.“

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