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Heimleitung prüft strengere Besucherregelung

Altenheimbewohner in Linkenheim-Hochstetten wollen lieber Schutz als Nähe

Trotz aller Einschränkungen im Frühling ist das Votum im Altenheim Stiftung Geschwister Nees einstimmig: Bevor Corona ins Haus kommt, wollen Bewohner und Heimleitung lieber wieder auf Freiheit und Besuch verzichten.

Vorteil Garten: Die großzügige Außenanlage ermöglichte den Heimbewohnern auch während des Lockdowns immer den Kontakt zu ihren Lieben. Foto: Catrin Dederichs

Vergessen haben sie nichts. Nicht die Zeiten ohne Besuch, nicht die Tränen, nicht die zweiwöchige Quarantäne nach einem Arztbesuch. Nur zu gut erinnern sich Bewohner, Heimleiter und Betreuungsleiter im Altenheim Stiftung Geschwister Nees in Linkenheim-Hochstetten an die bedrückende Zeit Anfang des Jahres. Damals, als der Sohn nicht ins Haus kommen durfte. Als der Speisesaal tabu war und die Bewohner ihre Nudeln und Brötchen ziemlich einsam in der Wohnküche essen mussten.

Wieder steigen die Corona-Zahlen. Ein Schutz der Bewohner scheint nur mit erneuten Kontaktbeschränkungen möglich. Was aber wünschen sich ältere Menschen? Mehr Schutz oder mehr Nähe? Die BNN haben im Hochstettener Pflegeheim nachgefragt. Einstimmig sagen die Bewohner: „Die Sicherheit geht vor. Was haben wir davon, wenn wir Freiheiten haben und dann tot sind?“

An allererster Stelle steht die Gesundheit. Wenn ich dafür nochmal drei, vier Wochen ohne Besuch sein muss, bin ich nicht beleidigt.
Inge Seidel / Heimbewohnerin

Zum Pressegespräch rollen gut eine Handvoll Senioren mit Gehhilfen oder im Rollstuhl heran. Sie erzählen, wie sie die Wochen ohne Körperkontakt und ohne Ausgang erlebt haben. Und sie sagen, was sie von der Regierung erwarten.

Für Inge Seidel ist die Sache klar. „An allererster Stelle steht die Gesundheit“, sagt sie. „Wenn ich dafür nochmal drei, vier Wochen ohne Besuch sein muss, bin ich nicht beleidigt.“ Während des Lockdowns sah sie ihre Tochter regelmäßig durchs Fenster. „Das war für mich viel besser, als wenn ich diese Krankheit gekriegt hätte. Ich nehm das dafür in Kauf.“

Fernbesuch im Garten während des Lockdowns

Günter Gerspacher teilt sich ein Zimmer mit seiner Frau. Alleine war er daher nie und mit seinen Söhnen telefonierte er während der Schließung täglich. Ein guter Weg für ihn. „Mit dem bisschen Einschränkung kann ich gut leben“, sagt er. „Falls nötig, brauchen wir noch strengere Maßnahmen.“

„Zumachen“, fordert Ilse Seith. „Solange Corona ist, können wir nicht ganz öffnen.“ Sie sagt, ihr sei es „egal“, wenn ihre Tochter sie dann nicht besuche. „Wenn sie kommt, ist es natürlich recht. Aber wir müssen nicht so zusammenhocken wie andere Leute.“

Glücklich, bisher alles gut überstanden zu haben, ist Gertrud Lamm. Trotz des Lockdowns sah sie ihren Sohn jede Woche: Er stand im Garten, sie am Fenster. „Richtig ist natürlich schöner, da kann ich ihn mal drücken“, sagt sie. „Aber das war besser als gar nichts.“ Im Fall der Fälle sei auch sie fürs „Zumachen“.

Der einzige in der Runde, der nicht uneingeschränkt fürs Schließen stimmt, ist Werner Obländer. „Gleich wieder zumachen, wäre schade“, sagt er. „Denn das Angenehme ist immer schöner.“ Angenehm findet er zum Beispiel, dass seine Frau wieder jeden Tag vorbeikommt. Dass sie sich in den Arm nehmen und richtig unterhalten können. „Dies ist eine feine Sache.“

Winter könnte Kontakte erschweren

Während der Schließung stand seine Frau täglich unten an der Hecke, er oben am Fenster. Über zwei Handys unterhielten sie sich. Ein Modell, das mit Blick auf den kommenden Winter wackelt. „Ich wünsche mir wirklich sehr, dass wir den Zustand wie jetzt halten können. Andererseits muss man den Tatsachen ins Auge sehen und Corona bremsen“, sagt Obländer.

Das Heimpersonal sieht es ähnlich. Jürgen Klenk, Leiter der Betreuung, sagt, er hoffe, dass Besuche auch im Winter noch möglich sind. Dass die Menschen weiter im großen Speisesaal unter Leuten seien können und nicht in der Wohnküche essen müssen. Dass Physiotherapeuten noch ins Haus kommen dürfen.

Die Zeit ging an die Nerven von allen. Menschen sind in Tränen ausgebrochen, weil sie ihre Kinder nicht sehen konnten. In Einzelfällen war es sehr schwer mit anzusehen.
Jürgen Klenk / Leiter der Betreuung

„Die Zeit ging an die Nerven von allen. Menschen sind in Tränen ausgebrochen, weil sie ihre Kinder nicht sehen konnten“, sagt Klenk. In Einzelfällen sei es sehr schwer mit anzusehen gewesen. Dennoch macht er deutlich: „Ich wünsche mir keine härteren Einschränkungen, aber wenn es sein muss, werden wir das machen.“ Heimleiter Marek Piecha bestätigt das. „Besuche sind wichtig. Aber unsere Aufgabe ist, unsere Bewohner gut zu versorgen. Mein Pendel schlägt deshalb für die Gesundheits-Seite.“

Schon bald könnte der Pendel tatsächlich für mehr Schutz und Gesundheit ausschlagen. Piecha kündigt an, die Verordnungen und Empfehlungen des „Lockdown light“ zu analysieren und entsprechend umzusetzen.

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