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Sicherheitsaspekte im Fokus

Dettenheimer machen ihren Bedenken gegenüber Geothermie lautstark Luft

Befürchtete Sicherheitsrisiken eines Geothermiekraftwerks dominieren eine Fragerunde in Dettenheim.

Volles Haus: Bei der Informationsveranstaltung in der Dettenheimer Festhalle zum geplanten Geothermiekraftwerk äußern Bürgerinnen und Bürger ihre Bedenken zu Auswirkungen des Projekts.Dabei spielen Sicherheitsaspekte für sie eine große Rolle. Foto: Alexander Werner

Sicherheit: Das war das Thema, das Bürger bei der jüngsten Dettenheimer Informationsveranstaltung zum von der Firma Deutsche Erdwärme geplanten Geothermiekraftwerk in Rußheim am vordringlichsten bewegte. Teils ging es bei der Fragerunde ziemlich emotional zu.

Doch wenngleich einige Leute erwartungsgemäß ihren Bedenken mit deutlichen Worten Luft machten, entspann sich die Veranstaltung in der voll besetzten Liedolsheimer Festhalle im Ganzen letztlich relativ moderat. Anwesend waren Vertreter der Interessengemeinschaften (IG) aus Waghäusel und Graben-Neudorf.

So mancher Besucher wunderte sich, dass nach der Protestaktion am Wochenende mit Traktorentross der „Interessensgemeinschaft gegen Geothermie Dettenheim“ nicht einmal ein Transparent am Eingang aufgezogen wurde.

Der Pferdefuß ist, dass Versicherungen nur den Zeitwert erstatten und Differenzen muss jeder selbst zahlen.
Bernd Oberacker, IG-Sprecher

Den Auftakt nach Kurzreferaten machte IG-Sprecher Bernd Oberacker. Merklich erregt hielt es ihn nicht mehr an seinem Platz, als er die Fragen der Haftung im Fall von Erdbebenschäden aufwarf. „Der Pferdefuß ist, dass Versicherungen nur den Zeitwert erstatten und Differenzen muss jeder selbst zahlen“, erklärte er.

Axel Brasse vom Bergamt und Herbert Pohl von der Deutschen Erdwärme wiesen auf das Verursacherprinzip hin. „Zunächst haftet das Unternehmen“, betonte Pohl und sprach die Versicherungen an. An erster Stelle stehe bei Gebäudeschäden die Wiederherstellung des vorherigen Zustands. Nur wenn das nicht möglich sein sollte, komme der Zeitwert zum Tragen.

Befürchtungen wegen Bodensenkungen

Gleichzeitig hoben die Redner hervor, dass es jedoch allenfalls zu oberirdisch nicht spürbaren seismischen Auswirkungen oder im schlimmsten Fall lediglich zu Putzschäden kommen könnte. Das Thema war nicht neu und bereits mehrfach öffentlich im Gemeinderat und bei der von der Firma 2021 veranstalteten Bürgerversammlung Thema.

Auch jetzt hob Pohl auf die Sicherheit des Betriebs ab. Zu seismischen Vorfällen wie in Straßburg und Staufen könne es nicht kommen, weil man ein ganz neues Verfahren und Sicherheitskonzept ohne Bohrungen ins Tiefengebirge fahre.

Befürchtungen gab es wegen Bodensenkungen über Materialentnahmen in der Tiefe. Pohl führte den geschlossen Kreislauf des Thermalwassers an ohne Verwerfung oder Hohlräume im Boden.

Der als neutraler Fachmann geladene Ernst Kiefer vom Landesforschungszentrum Geothermie hob auf das fortschrittliche Konzept ab.

„Das Geniale ist, dass wir jetzt ein Ampelsystem haben.“ Seismische Ereignisse würden permanent gemessen und von grün bis rot angezeigt. „Sollte ein bestimmter Schwellenwert erreicht werden, muss der Betrieb eingestellt werden“, betonte er.

Ein weiteres zentrales Thema war, dass ohne Wärmenetze lediglich Strom produziert werde. Birgit Schwegle von der Energieagentur beim Landkreis hob die kommunale Aufgabe des Klimaschutzes mit regionaler Bedeutung hervor und dass an einem Netzausbau im Landkreis intensiv gearbeitet werde.

Zu kritischen Rückfragen zu einem potenziellen Lithiumabbau sagte Pohl, dass das bei laufenden Forschungen noch über viele Jahre gar kein Thema sei.

Bürgermeisterin Ute Göbelbecker (Freie Wähler) hob hervor, dass der Gemeinderat die Eindrücke jetzt in seiner Klausurtagung aufgreifen werde. Eingangs kristallisierte sie die hohe Bedeutung von Klimaschutz und Energiesicherheit heraus.

„Wir brauchen erneuerbare Energien. Ich stehe zu Entscheidungen des Gemeinderats und möchte das Projekt umsetzen“, verdeutlichte sie ihre Haltung und dabei auch, wie wichtig die Beteiligung der Bürger und ein ordentlicher Umgang miteinander sei.

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