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Wichtig für Biodiversität

Stutensee sucht Kompromiss zwischen Natur, Nutzer und Bewirtschaftung

Die Gemeinden in der Hardt folgen bei der Pflege von Streuobstwiesen unterschiedlichen Konzepten. Mulchen zum Beispiel wird differenziert gesehen.

Altbestand und Neupflanzung: Bei der Pflege von Streuobstwiesen liegt für Hermann Geyer vom Verein für Vogel- und Naturschutz der Fokus konsequent auf Erhalt der Biodiversität. 
Bei der Pflege von Streuobstwiesen liegt für Hermann Geyer vom Verein für Vogel- und Naturschutz der Fokus konsequent auf Erhalt der Biodiversität. Foto: Alexander Werner

In Zeiten von Landschaftsverlusten und Artensterben weisen Naturschützer immer wieder auf die hohe Bedeutung von Streuobstwiesen für die Biodiversität hin. „Es sind Biotope mit unheimlich produktiven Lebensräumen und rund 5.000 Arten an Pflanzen, Insekten und Vögeln“, sagt Hermann Geyer, Vorsitzender des Dettenheimer Vereins für Vogel- und Naturschutz (VVND). Um sie zu erhalten, verweist er auf ein vom Naturschutz vertretenes Pflegekonzept.

Auch tote hochstämmige Bäume sind wichtige Lebensräume

„Die Wiesen sollten zweimal im Jahr außerhalb der Brutzeiten mit einem die untere Schicht und damit die Lebewesen schonenden Balkenmäher abgemäht werden“, so Geyer. „Die Mahd sollte zeitnah abgetragen werden, um eine Überdüngung zu verhindern.“ Auch das Mulchen kritisiert er. Zudem plädiert Geyer für hochstämmige Bäume als wichtige Lebensräume, die nach dem Absterben stehen bleiben sollten.

In der Praxis zeigen sich aber unterschiedliche Vorgehensweisen. Im Obstbau sind niederstämmige Bäume üblich. Der Söllinger Obstbauer Friedhelm Wenz weist darauf hin, dass man Nährstoffmangel einer Wiese mit der nährstoffreichen Mahd begegnen könne. Er erinnert daran, dass früher Schnittgut als Dünger für Bäume verwendet wurde. Dabei sei es mit Abstand um den Stamm abgelegt worden. Das sei heute nicht mehr gängig.

Grundsätzlich müssen Bäume beschnitten und die Wiesen gepflegt werden. Zu beobachten sind allerdings schon seit längerer Zeit beträchtliche Defizite in der Pflege, die auf fehlende Kapazitäten, Kosten und Generationswechsel zurückgehen. Neben Privatleuten besitzen Kommunen in der Region noch viele Streuobstwiesen oder Bäume an Straßen. Wie gehen sie mit der Pflege um?

„Auf den städtischen Streuobstwiesen befinden sich rund 2.000 Obstbäume“, teilt Stutensees Pressesprecherin Ayse Gün mit. „Die Wiesen werden soweit als möglich differenziert und im Sinne der Biodiversität gepflegt. Die Stadt misst den Wiesen eine sehr hohe Bedeutung zu. Neu angelegte Ausgleichsflächen werden nach der Fertigstellungs- und Entwicklungspflege in ein regelmäßiges Pflegemanagement überführt, um den dauerhaften Erhalt sicherzustellen.“

Baumpaten in Blankenloch

Wiesen würden differenziert gemäht. Dabei gelte es immer, einen Kompromiss zwischen Natur, Nutzer und Bewirtschafter zu finden, erläutert die Referentin der Oberbürgermeisterin. Die Obstbäume würden von Firmen, Pächtern, Besitzern von Geburtenbäumen oder wie in Blankenloch durch Baumpaten gepflegt.

Eine Besonderheit sei die Pflege eines biozertifizierten Bestands in Blankenloch durch die Beschäftigungsgesellschaft des Landkreises Bequa, die Mitglied der Streuobstinitiative des Stadt- und Landkreises ist. In Spöck werde mit Unterstützung der Initiative eine Wiese innerhalb eines Pflegekonzepts mittelfristig wieder in einen guten Pflegezustand gebracht.

„Aktuell gibt es auf den Flächen der Gemeinde Linkenheim-Hochstetten 927 Obst- und Nussbäume“, teilt Rathausmitarbeiterin Stephanie Dahm mit. Die Wiesen und Bäume würden in einem Pflegeplan erfasst und regelmäßig gepflegt. Pflege und Schnitt übernehmen Mitarbeitende des Bauhofs oder in Vergabe örtliche Landwirte innerhalb eines Pflegeplans.

Bürger können Streuobstbäume ersteigern

Ausgleichsflächen würden nach den entsprechenden Maßstäben bepflanzt und gepflegt. Streuobstbäume könnten Bürger jährlich ersteigern oder sie würden in ertragsschwachen Jahren teils bei Pflückaktionen abgeerntet. „Dadurch soll die wertschätzende Nutzung regionaler Ressourcen gefördert werden“, so Dahm.

„In Graben-Neudorf werden die Bestände einem jährlichen Pflegeschnitt unterzogen. Die Wiesen werden meist zweimal jährlich gemulcht“, informiert Sachgebietsleiter Stefan Stängle. Die Gemeinde fördere Streuobstwiesen, indem an die Bürger jährlich kostenlos Obstbäume ausgegeben werden. Das Obst der gemeindlichen Bäume werde jährlich versteigert. Zu Streuobstanlagen auf Ausgleichsflächen stellt Stängle fest: „Uns ist klar, dass sie einer langfristigen Pflege bedürfen, um die ökologische Wertigkeit halten zu können.“

Verein „Gutes Gemüse“ als Pächter

Weingarten besitzt rund 800 Obstbäume auf Wiesen, Ausgleichsflächen sowie entlang von Gräben und Wegen. „Gepflegt werden die Bäume und Flächen temporär durch unseren Bauhof“, sagt Pressesprecherin Gabi Dittert. „Die Grundstücke werden gemulcht, um den Boden zu schützen und ihm Nährstoffe zuzuführen.“ Jeweils eine Fläche sei an eine Tierhaltung sowie den Verein „Gutes Gemüse“ verpachtet. Um eine Wiese kümmere sich privat eine Gemeindemitarbeiterin.

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