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60 Seen in seiner Verantwortung

Unterwegs mit dem Baggersee-Beauftragten im Landkreis Karlsruhe

Von den mehr als 60 Baggerseen im Landkreis Karlsruhe sind knapp 20 Seen in aktiver Auskiesung. Der Naturschutzbeauftragte Fritz Prosi aus Philippsburg kümmert sich darum, dass die wirtschaftliche Nutzung, Naturschutz und Freizeitmöglichkeiten in Einklang sind.

Natur muss respektiert werden: Fritz Prosi zeigt, wie groß die Ausmaße des Baggersees Giesen sind. Wo gebaggert wird, müssen an anderer Stellen Ausgleichsmaßnahmen für Flora und Fauna getroffen werden. Foto: Rake Hora

Eine Kanadagans watschelt auf einem Steg in Richtung Wasser. An der anderen Seite des Sees laufen die Förderbänder des Kieswerks. Sand und Kies türmen sich zu kleinen Hügeln. „Der Baggersee Giesen ist mit einer Fläche von 90 Hektar einer der größten Baggerseen in der Nähe des Rheins”, erklärt Fritz Prosi, „und ein beliebter Badestrand, es kommen sogar Leute aus Württemberg, um hier zu baden.” Der Naturschutzbeauftragte des Landkreises Karlsruhe ist für die mehr als 60 Baggerseen im Landkreis zuständig. Davon sind knapp 20 Seen in aktiver Auskiesung, so wie hier am Baggersee in Liedolsheim.

Stimmt die Wasserqualität? Fritz Prosi ist als Naturschutzbeauftragter des Landkreises für die Baggerseen zuständig. Foto: Rake Hora

„In der Fläche ist Schluss”, erklärt der Baggersee-Beauftragte, dass der See inzwischen seine maximale Ausdehnung erreicht habe. Aktuell sei er 16 Meter tief, aber für das Kieswerk verwertbares Material könne noch in tieferen Schichten bis zu 43 Meter abgebaut werden. Prosis Aufgabe als Naturschutzbeauftragter ist es, die verschiedenen Interessen am Baggersee unter einen Hut zu bringen: wirtschaftliche, naturschutzrechtliche und Freizeitaktivitäten.

„Ich komme ins Spiel, wenn die Frage geklärt werden muss, wo beispielsweise weitere Angelplätze hinkönnen, oder wenn eine Erweiterung ansteht”, erklärt der 72-Jährige. In einer Planfeststellung müssten Ersatzmaßnahmen vorgeschlagen werden. Prosi kontrolliert anschließend, wie sie befolgt und erhalten werden. „Die müssen funktionieren”, sagt er. Nach einer Stilllegung obliege es dem Eigentümer, also der Kommune, dass die Maßnahmen für den Naturschutz eingehalten werden. „Kies gibt Kies”, macht Prosi deutlich, dass neben dem Profit auch die Verantwortung für das Kiesgruben-Gebiet eine Rolle spielt: „Der Ausgleich muss in seiner Wertigkeit stimmen.”

Ehrenamtliche Arbeit ist zeitaufwendig

Prosi ist seit 2011 ehrenamtlich tätiger Naturschutzbeauftragter mit der Sonderzuständigkeit für alle Baggerseen im Landkreis Karlsruhe. Bevor er Baggersee-Beauftragter wurde, war er über 25 Jahre Umweltbeauftragter bei der Stadt Philippsburg. „Die ehrenamtliche Arbeit ist schon zeitaufwendig”, sagt er. Zehn Stunden in der Woche investiert er durchschnittlich.

Wie kein anderer kennt er sich deshalb aber auch an den Baggerseen in der Region aus. Er weiß um die geschützten Tiere wie die Flussseeschwalbe und seltene Wasserpflanzen. Er beobachtet, dass Flussbarsche an Baumwurzeln, die am Seeufer ins Wasser ragen, siedeln. Eine alte Schwarzpappel musste auf dem Gelände des Kieswerks auf sein Ansinnen hin erhalten bleiben. „Früher hat man nur auf die Wasseroberfläche geschaut, mehr nicht. Das ist heute anders”, erklärt er.

Das Kieswerk am Baggersee Giesen gewinnt unterschiedliche Sand- und Kiesqualitäten. „Der ganz feine Sand wird für das Verlegen von Telefonleitungen benutzt”, sagt Prosi. Abrissmaterial, das wiederverwertet werde, sei mit dem hier neu gewonnenen nicht gleichwertig. Gerade für Abwasserrohre, die lange unter der Erde liegen, bräuchte man eine bessere Qualität. Material, das im Kieswerk nicht verwertet werden könne, müsse der Betreiber wieder in den See zurückführen.

Zurück in den See: Was an Kies und Sand nicht verwendet wird, wird über Rohre zurück gepumpt. Foto: Rake Hora

„Daher rührt das leicht trübe Wasser”, erklärt Prosi, „der feine Sand braucht lange, bis er sedimentiert.” So kann durchaus eine ganze Halbinsel entstehen, die allerdings nicht standsicher ist. Rutscht das Material ab, entsteht eine Art Tsunami unter Wasser. „Deshalb gilt dort striktes Badeverbot, doch die Leute halten sich oft nicht daran”, sagt er.

Wird ein Baggersee in der Folgenutzung für Freizeitaktivitäten wie Angeln, Segeln, Baden oder Tauchen genutzt, gilt es die Wasserqualität möglichst lange zu erhalten. Denn auch Seen altern. Besonders im Sommer gibt es ein starkes Mikroalgenwachstum, wenn Licht und Wärme bis zu einer Tiefe von fünf Metern reichen.

Vielfältige Tierwelt: Eine Kanadagans steht vor einem Steg, der in in den Baggersee Giesen führt. Im Hintergrund ist das Kieswerk zu sehen. Foto: Rake Hora

„Durch den Klimawandel erwärmen die Seen stärker”, erklärt Prosi, dass dann der Sauerstoff im Wasser knapper wird: „Es ist aber wichtig, dass auch bis in den Untergrund Sauerstoff kommt.” Kippt ein See als Folge von zu wenig Sauerstoff, werde das Wasser grünlich. Fische würden aus Notatmung an die Wasseroberfläche kommen.

Um den Schaden in solchen Fällen zu begrenzen, müsse die Feuerwehr frisches Wasser in den See pumpen. In einigen Seen hätten aus diesen Gründen auch schon Filter zur Belüftung eingebaut werden müssen, um die Wasserzirkulation sicherzustellen.

Rhein liegt direkt hinter dem Damm

Der Baggersee Giesen ist allerdings noch in aktiver Nutzung. Menschen sowie Flora und Fauna profitieren von dem Gewässer. Während die Gänse sich auf der Halbinsel niederlassen, suchen die ersten Badegäste den Strand auf. Im Kieswerk rattern die Förderbänder in Richtung Rhein, der hinter dem Damm liegt, und beladen ein Schiff. Für das Kiesmaterial geht es direkt weiter zum Einsatzort.

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