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Hilfe im Behördendschungel

Wie die Corona-Pandemie die Arbeit der Flüchtlingshilfe in Dettenheim beeinflusst

In Dettenheim gibt es auch Jahre nach der Flüchtlingswelle von 2015 einen harten Kern an Helfern. Sie unterstützen Flüchtlinge in ihrem Alltag. Doch die Corona-Pandemie beeinflusst auch hier die Arbeit.

Wegen Corona fehlt der Dettenheimer Flüchtlingshilfe ihr Stammtisch. Volkmar Schönbrunn und Frank Aumüller (links) stimmen sich deswegen privat ab. Foto: Alexander Werner

Die Flüchtlingswelle von 2015/2016 ist in Deutschland längst abgeebbt. Gelöst ist das Problem aber nicht. Nach wie vor drängt es Abertausende Menschen nach Europa.

Die großen Konflikte aber spielen sich zwischen den Staaten und in Auffanglagern in Südeuropa ab. Die Europäische Union konzentriert sich auf den Schutz der Außengrenzen.

Begleitet war die Flüchtlingswelle ab 2015 von einer enormen Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung. Auch im Landkreis Karlsruhe bildeten sich überall Flüchtlingshilfen, die Asylbewerber in allen Belangen unterstützen.

Harter Kern von 15 Helfern in Dettenheim

In Dettenheim ging es so richtig los, als 2016 in Rußheim eine große Gemeinschaftsunterkunft eingerichtet wurde. 60 Helfer hätten sich damals intensiv um die Menschen gekümmert, berichten Volkmar Schönbrunn und Frank Aumüller. Sie gehören zum 15-köpfigen harten Kern von heute noch etwa 20 Helfern.

Nach wie vor widmen sie sich der Begleitung von 50 bis 60 Flüchtlingen in Anschlussunterbringung bei allem, was mit Behörden, Rechtsfragen, Jobbörse oder Botschaftsangelegenheiten zu tun hat. Trotz der vermeintlich entspannten Lage sei keineswegs weniger, sondern eher mehr zu tun, betonen sie. Sie sind in der Flüchtlingshilfe auch für Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Flüchtlinge leben in ständiger Unsicherheit

„Wir haben in Dettenheim in unserem Engagement nicht nachgelassen. Wir wollen so gut wie möglich Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“, sagt Schönbrunn. „Wenngleich die Leute schon fünf bis sechs Jahren hier sind und relativ gut oder sehr gut Deutsch sprechen, finden sie sich im Behördendschungel nicht allein zurecht.“

Die Menschen sind damit überfordert.
Frank Aumüller, ehrenamtlicher Helfer

Gesetzestexte, amtliche Briefe und Dokumente wären selbst für Deutsche schwer verständlich. „Die Menschen sind damit überfordert“, stellt Aumüller fest. Was die Helfer beständig erleben, sei Unsicherheit. Denn abgesehen von Syrern sei ein großer Teil nur geduldet. Dieser Status müsse immer wieder verlängert werden. Betroffen sind davon fast komplett die mehr als 20 in Dettenheim untergebrachten Afghanen.

Vermittlung der Flüchtlinge durch persönliche Kontakte

Beispielhaft erwähnt Aumüller einen Afghanen, der seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann abgeschlossen hat und unbefristet arbeitet. „Ob er bleiben darf, weiß er aber nicht. Das bedeutet für ihn Ängste und eine latente Belastung“, so Aumüller. Genauso ergehe es einem fertig ausgebildeten Betonbauer mit Gesellenbrief oder einem iranischen Heizungsmonteur, der nach seiner Ausbildung von seiner Firma übernommen wurde, gibt Schönbrunn weitere Beispiele.

„Die Vermittlung in Ausbildung und Job funktioniert durch persönliche Kontakte der Helfer sehr gut“, hebt er hervor. Allerdings handele es sich bei vielen der Leute in Arbeit um Geringverdiener. Ein brennendes Problem sieht Aumüller darin, dass sich die Gebühren etwa bei einer fünfköpfigen Familie in kommunalen Sozialunterkünften auf 1.140 Euro summieren würden, ohne Anspruch auf Wohngeld.

Ein weiterer Kritikpunkt: „Wenn ein geduldeter Flüchtling einen Pass aus seinem Heimatland beschaffen muss, das aber nicht fristgerecht klappt, darf er nicht mehr arbeiten. Das ist widersinnig“, so Aumüller.

Flüchtlingshilfe in Zeiten der Corona-Pandemie erschwert

Als großes Problem der Helfer sprechen die Männer den coronabedingten Wegfall ihres Stammtischs als Austauschplattform an. Nach dem Abriss ihrer Unterkunft in der Rußheimer Rheinstraße war die Gruppe in die Pfinzhalle umgezogen. Dorthin wurde auch die Kleiderkammer verlegt.

Wegen der Pandemie ist alles geschlossen. Hilfsangebote aber werden aufrecht erhalten. „Regelmäßig melden sich bei uns Spender von Bettwäsche, Schuhen, Elektrogeräten und Möbeln“, berichtet Schönbrunn. Gelagert werde nichts. „Bei Bedarf holen wir die Sachen ab und liefern sie an die Leute, die etwas brauchen.“ Das komme öfter vor und funktioniere sehr gut.

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