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Bundestagswahl 2021

Viele Briefwähler: Auszählung der Wahl könnte im Landkreis Karlsruhe länger dauern

Bei der Bundestagswahl 2021 geben besonders viele Wählerinnen und Wähler ihre Stimme per Brief ab. Das bedeutet, dass die Auszählung der Stimmen in diesem Jahr länger dauern könnte als gewohnt.

Vorzeitige Stimmabgabe: Bei der Bundestagswahl entscheiden sich in Bretten und den Umlandgemeinden immer mehr Wählerinnen und Wähler für die Briefwahl. Der Wahlbrief muss am Wahlsonntag bis spätestens 18 Uhr bei der auf dem Wahlbriefumschlag angegebenen Stelle vorliegen. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Regelrecht durch die Decke geht bei der bevorstehenden Bundestagswahl die Anzahl der Briefwähler. Dass die Wähler immer mehr die Möglichkeit dieser Wahlform nutzen, wurde schon bei der diesjährigen Landtagswahl deutlich.

Bei der Bundestagswahl könnte in dieser Hinsicht noch eine Schippe drauf gelegt werden. Das jedenfalls ist auch ein Ergebnis einer BNN-Abfrage zum Thema Briefwahl in den Gemeinden nördlich von Karlsruhe. Die Zahlen, die derzeit kursieren – und zwar bundesweit – sollte man aber unter einem besonderen Aspekt betrachten. Es kann durchaus zu Unterschieden kommen zwischen der Anzahl derer, die Briefwahl beantragten, und derjenigen, die tatsächlich davon Gebrauch machen.

Beispiel Eggenstein-Leopoldshafen: Laut Philipp Jänicke, Leiter des Ordnungsamts, beantragten bis dato über 5.400 Wähler Briefwahlunterlagen. Bisher zählte die Gemeinde rund 3.300 Rückläufe. Erfahrungsgemäß, heißt es in den Gemeinden, sei der Rücklauf bei Briefwählern sehr hoch. Aber Vorsicht – der Briefwähler trägt laut Bundeswahlleiter selbst das Risiko, dass seine Briefwahlunterlagen rechtzeitig eingehen: „Der Wahlumschlag muss bei der zuständigen Stelle spätestens am Wahlsonntag bis 18 Uhr vorliegen.“

In jedem Fall wird es bei der Bundestagswahl 2021 ein Rekordergebnis bei der Briefwahl geben. So haben in Stutensee über 7.400 Wähler Briefwahl beantragt. Bei über 17.000 Wahlberechtigten entspreche das einer Briefwahlbeteiligung von 42 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2017 waren es 29,8 Prozent. Mit rund 2.300 Briefwahlanträgen ist in Dettenheim das Aufkommen fast doppelt so hoch wie 2017.

Einen kräftigen Zuwachs an Briefwahlanträgen verzeichnet auch Linkenheim-Hochstetten. Rund 3.500 Anträge gingen in der Gemeindeverwaltung ein. 2017 lag die Zahl deutlich unter 2.000. In Pfinztal wird das Briefwahlaufkommen bei der Bundestagswahl das bei der Landtagswahl toppen. 5.500 Wähler haben dort bislang ihre Briefwahlunterlagen zurückgeschickt. Bei der Landtagswahl gab es 4.900 Rückläufe. Ähnlich sieht es in Weingarten aus. Über 3.000 Briefwahl-Rückläufe wurden bereits gezählt – deutlich mehr als bei der Bundestagswahl 2017 mit 1.790.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie stark der Briefwahlanteil zugenommen hat. 1957 waren es lediglich 4,9 Prozent der Wähler, die per Briefwahl ihre Stimmen abgaben. Bei der Bundestagswahl 2017 lag der Anteil bei knapp 29 Prozent. Die Corona-Pandemie dürfte das Wahlverhalten der Bürger mit verändert haben. Beispiel Landtagswahl 2021, eine Wahl in Corona-Zeiten: 51,3 Prozent stimmten per Briefwahl ab. Ob dieser Corona-Wahltrend nach Corona anhält, bleibt abzuwarten.

Es lässt sich aber jetzt schon ein Trend absehen: Briefwahl wird für viele Wähler eine Alternative sein. Allerdings auch eine, ergaben BNN-Straßenbefragungen, die so mancher Briefwähler im Nachhinein etwas bereut. Wer früh seine Wahlunterlagen einschickt, hat sich damit endgültig entschieden. Eine Meinungsänderung durch mögliche neue Erkenntnisse im Verlauf des weiteren Wahlkampfs ist nicht mehr möglich.

Auf das geänderte Wahlverhalten der Bürger müssen sich die Verwaltungen einstellen. Mehr Briefwähler bedeutet für die Gemeinden mehr Arbeit am Wahlabend. Allein schon deswegen, weil die Briefwahlunterlagen geöffnet werden müssen.

Nicht nur der Walzbachtaler Bürgermeister Timur Özcan (SPD) rechnet mit einer späteren Bekanntgabe des gemeindlichen Gesamtergebnisses. Dies wird erst nach Auszählung aller Stimmen – Urnenwahl und Briefwahl – verkündet. In der Gemeinde beantragte fast die Hälfte aller Wahlberechtigten Briefwahlunterlagen. Mit Wahlergebnissen, so der vorsichtige Tenor in den Gemeindeverwaltungen, sei etwa zwischen 20 und 21 Uhr zu rechnen.

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