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„Talente im Land“

Drei Jugendliche aus dem nördlichen Landkreis Karlsruhe erhalten ein Stipendium

Drei begabte Schüler aus dem nördlichen Landkreis Karlsruhe erhalten das Stipendium „Talent im Land“. Alle haben ihre eigene Lebensgeschichte, sie eint aber ihre soziale Ader.

Begabte Schüler: Drei Jugendliche aus dem nördlichen Landkreis Karlsruhe haben im September das Stipendium „Talent im Land“ erhalten. Foto: Björn Hänssler/ Montage: BNN

Angela Jankovska war geschockt, als sie vor drei Jahren nach Bretten zog. Die Nordmazedonierin kannte bis dahin nur das hektische Hauptstadtleben in Skopje. In Deutschland fühlte sie sich anfangs fremd und es war ihr zu still. In ihrer neuen Nachbarschaft kehrte meist um 20 Uhr Ruhe ein. „In meiner Heimatstadt ist nachts viel mehr los“, sagt die Schülerin.

Jedes Jahr vergeben die Baden-Württemberg Stiftung und die Josef Wund Stiftung das Stipendium „Talent im Land“. Angela Jankovska ist eines dieser „Talente“. Im September erhielten 39 Schülerinnen und 14 Schüler die Förderung. Das Programm richtet sich an begabte Schüler mit einer persönlichen Geschichte.

Jankovska erfuhr in der Zeitung von dem Stipendium. „Ich habe gedacht, ich bewerbe mich einfach“, erzählt sie. Für die Gymnasiastin war es das erste Mal, darum rechnete sie sich keine großen Chancen aus. „Ich war ziemlich überrascht, als es klappte.“

Angela Jankovska aus Bretten gibt Nachhilfe

2018 folgte die 18-Jährige ihrer Mutter nach Deutschland – die arbeitete dort schon einige Monate. Die Grundschullehrerin entschied sich für den Umzug, weil sie in ihrer Heimat keine unbefristete Stelle fand.

„Die wirtschaftliche und politische Lage in Nordmazedonien ist schwierig“, sagt Jankovska. Es gebe wenig Arbeit. Vor einiger Zeit kamen darum auch ihr Vater und ihr Bruder nach Bretten.

Es macht mich glücklich, wenn ich andere unterstützen kann.
Angela Jankovska aus Bretten

Die Gymnasiastin, die das sozialpädagogische Gymnasium der Käthe-Kollwitz-Schule in Bruchsal besucht, liebt es, anderen zu helfen. Sie will Lehrerin werden – wie ihre Mutter.

Kein leichter Start: In Bretten fühlte sich Angela Jankovska anfangs fremd. Sie vermisste vor allem das Nachtleben ihrer Heimat, der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje. Foto: Björn Hänssler

Dafür übt sie schon jetzt, indem sie Mitschülern in Mathematik und Englisch hilft. Auch der Tochter einer Migrantin gab sie in ihrer Freizeit Nachhilfe.

Für ihre Eltern schrieb sie Bewerbungen und dolmetschte bei Gesprächen mit Behörden. „Es macht mich einfach glücklich, wenn ich andere unterstützen kann“, sagt sie.

Cedric Heinrich aus Eggenstein-Leopoldshafen engagiert sich in verschiedenen Bereichen

Ähnlich sieht das auch Cedric Heinrich – das Talent aus Eggenstein-Leopoldshafen. Seit der vierten Klasse ist er bei den Pfadfindern. „Dort habe ich von Anfang an Verantwortung übernommen“, erzählt der 17-Jährige.

Seine Kameraden wählten ihn nach kurzer Zeit zum Gruppenleiter. Mittlerweile hilft er bei der Planung des Sommerprogramms und betreut jüngere Pfadfinder.

Engagierter Schüler: Cedric Heinrich aus Eggenstein-Leopoldshafen ist Schulsprecher, Gruppenleiter bei den Pfadfindern und Umweltmentor. Für andere Hobbies bleibt ihm deshalb wenig Zeit. Foto: Björn Hänssler

Seit zwei Jahren ist Heinrich zudem Schulsprecher am Humboldt-Gymnasium in der Karlsruher Nordweststadt. Außerdem interessiert er sich für Klimaschutz, darum wurde er Umweltmentor.

Mit Klassenkameraden absolvierte er einen Kurs des Umweltministeriums Baden-Württemberg. Dabei lernte er unter anderem, wie der Treibhauseffekt funktioniert. Anschließend ging er zu Greenpeace. „Ich finde es wichtig, dass sich Jugendliche in der Gesellschaft engagieren“, sagt er.

Allerdings frisst seine soziale Ader viel Zeit, für andere Hobbys bleibt wenig übrig. Hinzu kommt, dass die Vorbereitung fürs Abitur seine ganze Aufmerksamkeit fordert. „Ich muss derzeit Abstriche machen“, sagt Heinrich.

Er hofft, dass er sich nach dem Schulabschluss wieder mehr engagieren kann. Dann will er ein soziales Jahr in Deutschland oder im Ausland machen.

Iulia Meleca aus Bruchsal wollte schon immer Menschen helfen

Hilfsbereitschaft ist genau das, was Iulia Meleca an den Deutschen gefällt. Die Ukrainerin zog 2018 mit ihren Eltern nach Bruchsal – sie ist das dritte Talent aus dem Landkreis Karlsruhe.

Anfangs wunderte sie sich, dass sie in Deutschland Leute ansprachen. Ob beim Lernen in der Schule oder bei der Suche nach einem Bäcker, immer wieder kamen Helfer auf sie zu. In ihrer Heimat habe sie das so nicht erlebt.

Hilfsbereit: Iulia Meleca half ihren Klassenkameraden schon bei den Hausaufgaben. Die Ukrainerin zog 2018 mit ihren Eltern nach Bruchsal um. Foto: Björn Hänssler

Auch Meleca unterstützte ihre Mitschüler. An der Sophie-Scholl-Realschule in Karlsruhe-Oberreut gab sie Klassenkameraden Mathe-Nachhilfe. Seit ihrem Wechsel an die Käthe-Kollwitz-Schule fehle ihr dafür jedoch die Zeit.

In der Bruchsaler Schule hat sie Unterricht in Gesundheitswissenschaften. Denn: Die 19-Jährige will Ärztin werden. „Ich wollte schon immer Menschen helfen“, sagt sie. Zudem interessiert sie sich für Anatomie. Wo sie mal studieren wird, weiß sie allerdings noch nicht.

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