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I hätt do mol e Frog

Im Radnetz klafft eine Lücke: Warum es zwischen Eggenstein und der Waldstadt keinen Radweg gibt

Leser Bernd Schnürer aus Eggenstein fährt mit dem Rad nach Durlach zur Arbeit und fragt sich, warum es entlang der L604 zwischen Eggenstein und der Karlsruher Waldstadt keinen Radweg gibt.

Bernd Schnürer arbeitet in Durlach und fährt die Strecke etwa zweimal pro Woche mit dem Rad. Foto: pr

Ein Auto rauscht an Bernd Schnürer vorbei. Er ist mit seinem Rennrad von Eggenstein aus an die L604 gekommen, die in Richtung der Karlsruher Waldstadt verläuft. Warum gibt es entlang dieser Strecke keinen befestigten Radweg? Mit dieser Frage hat er sich an die Badischen Neuesten Nachrichten gewandt.

Schnürer arbeitet in Durlach und fährt die Strecke etwa zweimal pro Woche mit dem Rad. Hin und zurück sind das rund 32 Kilometer. Bei schlechtem Wetter nimmt er sein Mountainbike und kann Ausweichstrecken nehmen. Vor ein paar Jahren sei die L604 saniert worden, ein Radweg wurde aber nicht angelegt, sagt er.

Es ist Abend, etliche Autos sind auf der Strecke unterwegs. Radfahrer kreuzen an der Grabener Allee, die von Karlsruhe aus zum KIT Campus Nord führt, die Straße. In Richtung KIT Campus Süd führe ein Schotterweg durch den Wald, so der 57-Jährige. Schotter und Rennräder – eine nicht gerade optimale Kombination.

Für Schnürer ist ein Radweg ein Sicherheitsaspekt. „Die Straße ist nicht so breit“, sagt er. Er erzählt von heiklen Situationen: Autos würden eng aneinander vorbeifahren und Radfahrer hätten nicht einmal 50 Zentimeter Platz. Ein ungutes Gefühl fahre immer mit.

Keine Auffälligkeit bei Unfällen

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Karlsruhe haben sich auf der Strecke 2019 fünf Verkehrsunfälle ereignet, drei davon mit Verletzten. Von 2017 bis 2019 habe es 18-mal gekracht. Zwölfmal wurden dabei Personen verletzt. Nach bundesweiten Grenzwerten liege auf diesem Streckenabschnitt keine Unfallauffälligkeit vor, so Christina Krenz von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Karlsruhe.

Bernd Schnürer versteht nicht, warum es zwischen Linkenheim und Friedrichstal einen Radweg gibt, ebenso zwischen Leopoldshafen und Blankenloch, aber zwischen Eggenstein und der Waldstadt nicht. Ein Plan zum Radverkehrsnetz in Karlsruhe aus dem Jahr 2005 weist einen Teil der Strecke als Nebennetz aus. „Einer Fahrradstadt wie Karlsruhe würde es gut zu Gesicht stehen“, sagt der Ingenieur.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe ist für die Radwege entlang von Landesstraßen zuständig – auch für einen eventuellen Neubau. Vorhaben, die zum Radnetz Baden-Württemberg gehören, haben beim Bau von Radwegen entlang von Landesstraßen Vorrang, erklärt Irene Feilhauer, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums. Ein Radweg entlang der L604 sei aber nicht Bestandteil des Landesradnetzes. Sollten aber im Einzelfall Gemeinden, Landkreise, Bürger oder andere Interessenvertreter Bedarf für einen solchen sehen, so werde das Vorhaben geprüft.

Waldwege zum Ausweichen

Da im Bereich der L604 Radfahrer auf vorhandene Waldwege im Umfeld ausweichen könnten, habe dort die Anlage eines Radstrecke keine hohe Dringlichkeit. Im Lauf des nächsten Jahres werde das Ministerium für Verkehr wohl einen Bedarfsplan für Radwege vorstellen, so das Regierungspräsidium weiter. Die darin benannten Vorhaben werden dann vorrangig abgearbeitet, während größere Radwegprojekte voraussichtlich nur noch im Einzelfall angegangen werden können.

Die L604 zwischen Eggenstein und der Waldstadt. Foto: BNN

Von der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen heißt es, dass die Strecke im Grunde eine Lücke im Radverkehrsnetz sei. So sieht es auch der Radverkehrsmanager des Landkreises, Angelo Castellano. „Weil dort die Standards des Landes nicht erfüllt sind“, fügt er hinzu. Die Strecke würden weit mehr als 3.000 Autos am Tag befahren, in einem Abschnitt bis zu 100 Kilometer pro Stunde.

Als Landkreis sei man zwar außen vor, aber eine Landkreisgemeinde, in diesem Fall Eggenstein-Leopoldshafen, sei trotzdem betroffen. Er erklärt, dass das Land Radwege nach Netzfunktion von Oberzentrum zu Oberzentrum priorisiere, der Landkreis jedoch von Ort zu Ort den Radverkehr im Auge habe. Wäre der Landkreis für die Landesstraße zuständig, hätte die L604 eine höhere Priorisierung, weil es die besagte Lücke im Netz gebe.

Gemeinden werden angehört

Castellano hofft auf dieses Bauprogrammverfahren des Verkehrsministeriums, weil dort zum ersten Mal auch die Kommunen mit angehört werden, erklärt er. „Ich sehe keinen Grund, warum die L604 in diesem Zug nicht gemeldet wird“, sagt er. Allerdings sagt auch er, dass man keinen Einfluss darauf habe, wie die Priorisierung ablaufe.

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