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Regelbetrieb und Kooperationsmodelle

Kinder im Landkreis Karlsruhe lernen und profitieren durch Inklusion an der Schule voneinander

Während der Corona-Pandemie pausieren zwar viele Projekte. Doch zu normalen Zeiten ist es in vielen Klassenzimmern rund um Karlsruhe längst Alltag, dass Kinder mit und ohne Einschränkungen gemeinsam lernen.

Ruhende Kooperation: Derzeit pausiert bei Eggensteiner Gemeinschaftsschülern coronabedingt der gemeinsame Unterricht mit Kindern mit Handicaps aus der Hardtwaldschule Neureut. Foto: Alexander Werner

Inklusion bedeutet gesellschaftliche Einbindung und Teilhabe von Menschen mit Einschränkungen. In der Schule heißt das: Kinder mit und ohne Handicaps und Förderbedarf lernen gemeinsam.

Bei einer Erhebung des infas Instituts für angewandte Sozialwissenschaft im Jahr 2019 sprachen sich 94 Prozent der Befragten dafür aus, dass Kinder in der Freizeit die Möglichkeit haben sollten, zusammen aufzuwachsen. Gemeinsamen Unterricht befürworteten 66 Prozent. Bei Eltern, die bereits Erfahrung mit Inklusion haben, lag die die Zustimmung mit 78 Prozent jedoch deutlich höher.

Miranda Belfiore machte bereits positive Erfahrungen in der Eggensteiner Lindenschule. Ihr Sohn hatte gemeinsamen Unterricht mit Kindern mit Handicaps. Das setzte sich an der örtlichen Gemeinschaftsschule (GMS) im Zuge der dortigen Kooperation mit der Hardtwaldschule Neureut fort. „Ich fand es immer gut. Die Kinder lernen und profitieren voneinander“, betont Belfiore auch als stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende.

Je älter die Kinder, desto weniger gemeinsame Fächer

Sie spricht den positiven Einfluss auf Verantwortungsgefühl, Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft an. Die Hardtwaldschule ist ein Sonderpädagogisches Beratungs- und Bildungszentrum (SBBZ) mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, wie GMS-Rektorin Elisabeth Eser erklärt. Jeweils acht Kinder aus Neureut werden seit drei Jahren in einer eigenen Klasse mit eigenen Lehrkräften unterrichtet.

Gemeinsamen Unterricht mit Kindern ohne Einschränkungen gibt es etwa in Kunst oder Gemeinschaftskunde. Das gestalte sich harmonisch, sagt Miranda Belfiore. Allerdings nehme die Zahl der gemeinsamen Fächer in fortschreitendem Alter wegen der Anforderungen ab.

Wegen Corona pausiert dieses Modell jedoch vorerst noch. Zudem werden an der Gemeinschaftsschule von der SBBZ derzeit vier Kinder in Klassen im Regelunterricht betreut. Völlig homogen sei die Einbindung von Kindern mit körperlichen Einschränkungen im Regelunterricht, so Belfiore. Erfahrungen brächten sie schon vom Kindergarten mit.

Zu beobachten ist ein ausgewogenes und gleichberechtigtes Miteinander.
Heike Stober, Rektorin Gemeinschaftsschule Graben-Neudorf

In der Gemeinschaftsschule Graben-Neudorf werden nach Auskunft von Rektorin Heike Stober zwei Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Abschlussklassen inklusiv beschult sowie zwei autistische Schüler in unteren Jahrgängen. „Zu beobachten ist ein ausgewogenes und gleichberechtigtes Miteinander“, hebt sie hervor.

Leistungsstarken Schülern kämen die Motivation und soziale Kompetenzen der Schüler mit Förderbedarf zugute. Diese wiederum würden durch die Übernahme von Verantwortung für ihren Lernprozess im Regelunterricht profitieren.

Mit Begleitperson, Rollstuhl oder Hörgerät in den Unterricht

Im Stutenseer Thomas-Mann-Gymnasium (TMG) ist derzeit ein Schüler mit Begleitperson im Unterricht. Zurückliegend seien zum Beispiel ein Kind im Rollstuhl oder eines mit Gehörbeeinträchtigung unterrichtet worden, informiert Schulleiterin Silvia Anzt.

Grundsätzlich könne man die Schüler ohne wirklichen Einfluss auf den Schullalltag einbinden. Allerdings würden alle Schüler zielgerichtet aufs Abitur hin beschult. Wenn sonderpädagogischer Förderbedarf bestehe, stelle sich auch die Frage, welche Schulart die richtige sei.

Werner Moschina ist Elternbeiratsvorsitzender am TMG. „Da ich ein Kind mit Down-Syndrom habe, das an einer Waldorfschule inklusiv von der ersten bis zur siebten Klasse beschult wurde und zuvor im Regelkindergarten war, halte ich Inklusion für eine wichtige und gute Sache“, betont er.

Hat Inklusion ihre Grenzen am Gymnasium?

Gymnasien seien sehr auf Leistung und Lernerfolge mit höherem Niveau ausgelegt. Deswegen sei man am TMG zum Schluss gekommen, dass es keinen Sinn mache, Schüler aufzunehmen, von denen man wisse, dass sie intellektuell überfordert wären, so Moschina.

Inklusion habe ihre Grenzen und könne nicht überall grenzenlos eingefordert werden. „Ich bin aber davon überzeugt, dass Schüler mit körperlichen Einschränkungen am Gymnasium gut eingegliedert werden können“, fügt er an. Die Rahmenbedingungen müssten stimmen.

Stutensees Gesamtelternbeiratsvorsitzender Volker Jungmann resümiert, dass Erfahrungen aus vielen Städten zeigen, dass die Inklusion von körperlich eingeschränkten Schülern bedürfnisgerecht ohne große bauliche oder organisatorische Maßnahmen sehr gut funktionieren könne.

Schwieriger sehe er bei weiterführenden Schulen die Inklusion von Kindern mit geistigen Einschränkungen, sobald diese so schwerwiegend sind, dass die Kinder dem Lernstoff definitiv nicht mehr folgen könnten. Aus seiner Sicht sei eine gezielte Förderung der betroffenen Kinder in sonderpädagogischen Einrichtungen der passendere Weg.

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