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Hilfsangebote in der Pandemie

Nachbarschaftshilfe in der Corona-Krise: Gibt es in der Region überhaupt noch Bedarf?

Als die Corona-Pandemie vor etwa einem Jahr ausbrach, war das Angebot an nachbarschaftlichen Hilfsangeboten groß. Wie ist die Lage jetzt? Und: Gibt es überhaupt noch Bedarf?

Am Gabentisch der Nachbarschaftshilfe versorgen Laetitia Nees, Maud Vogt und Susanne Hamilton-Herth (von links) in Eggenstein-Leopoldshafen auch finanziell von Corona Betroffene. Foto: Alexander Werner

Für Eggenstein-Leopoldshafens Bürgermeister Bernd Stober (Freie Wähler) hat die Pandemie auch das gezeigt: „Wie Menschen mit Rücksichtnahme, Solidarität und Engagement gemeinsam viel bewirken können.“ Alle Bürger könnten mithelfen, das gemeinschaftliche Leben wieder in Gang zu bringen. Darin schließt er die Unterstützung örtlicher Einzelhändler, Dienstleister, der Gastronomie sowie von Vereinen und Organisationen ein.

In Eggenstein-Leopoldshafen begründete Baden-Württembergs erste Bierkönigin Laetitia Nees 2020 eine Nachbarschaftshilfe. Zuerst initiierte sie eine Maskennähaktion, dann Unterstützungsangebote mit einem Schwerpunkt auf Einkaufshilfen. „Mittlerweile aber gibt es dafür gar keine Nachfrage mehr“, sagt sie.

Bestand aber hat weiterhin der von gespendeten Waren gespeiste Gabentisch für Bedürftige. Er findet jeden Samstagvormittag bei der Kirche St. Antonius in Eggenstein statt. „Nach wie vor kommen auch Menschen, die wegen Corona in finanzielle Bedrängnis kamen“, berichtet Nees.

Weniger Werbung wegen mangelnder Resonanz

2020 begannen die Kommunen, bei Hilfsbedarf Initiativen zu vermitteln. „Mittlerweile werben wir nicht mehr aktiv dafür. Aber natürlich können sich Leute bei Bedarf weiter bei uns melden“, sagt Stutensees Pressesprecher Lukas Lang. Grund sei die mangelnde Resonanz. In Weingarten sieht das ähnlich aus. Auch online veröffentlichte die Gemeinde im vergangenen Jahr eine Liste von ansprechbaren Gruppen.

Vanessa Graf ist als Pressesprecherin im Rathaus und als Mitglied der seit 2018 bestehenden Initiative „Mein Ort“ involviert. „Einkaufshilfen waren der Schwerpunkt“, erzählt sie. „Mein Ort“ habe eine lange Liste von Helfern. „Aber die Zahl der Menschen, die um Hilfe anfragten, war verschwindend gering.“ Beim Einkaufen unterstützt habe man damals beispielsweise eine Frau, deren Mann zu einer Risikogruppe gehörte. „Unser Eindruck war jedoch, dass das im Ort gut über Freunde, Verwandte und Vereine funktioniert.“ Im Prinzip sei das ein positives Zeichen dafür, dass Nachbarschaftsgeist herrsche und man in der Not Helfer finde.

Hilfsangebote gibt es nach wie vor

Diese Erfahrung hat man auch bei der Initiative „Füreinander Miteinander“ in Graben-Neudorf gemacht. „Falls sich jemand an uns wenden sollten, kümmern wir uns weiter gerne darum, und versuchen einen Weg zu finden“, sagt Mitbegründerin Heidi Vedder. Dieses Angebot hält auch die evangelische Kirchengemeinde Graben-Neudorf aufrecht. „Wir versuchen in Corona-Zeiten Senioren jedoch allgemein im Blick zu halten“, betont Diakonin Lydia Seitz.

Ohne den derzeit nicht möglichen Besuchsdienst funktioniere das zum Beispiel über Telefon oder Grußkarten. Angelaufen sind zudem Planungen für das unabhängig von Corona entwickelte Projekt „Sorgende Gemeinde“, das Netzwerke verknüpfen und eine Begegnungsstätte einrichten will.

Auch bei der Initiative der Kirchen in Linkenheim-Hochstetten bestehen die Hilfsangebote weiter. „Mitbürger können sich an die verschiedenen Pfarrämter und Büros von Freikirchen oder vom CVJM wenden“, informiert Matthias Weber, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde. Bislang hätten sich bei ihm in zwölf Monaten jedoch nur drei Personen gemeldet. Auch für ihn steht das dafür, dass es im Ort um Nachbarschaftshilfe gut bestellt ist.

In Walzbachtal stand bei Beginn der Pandemie auch die erweiterte Nachbarschaftshilfe „Begleitet Wohnen zu Hause“ bereit. Ein Bedarf habe sich aber nicht ergeben, so deren Leiterin Helene Heimberger-Schäfer.

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