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Bildung ist entscheidend

Philipp Ziser aus Eggenstein lebte acht Jahre in Burundi – heute unterstützt er aus der Ferne

Es sollte nur ein Jahr Entwicklungshilfe in Burundi sein. Daraus wurde eine Erfahrung, die das Leben von Philipp Ziser aus Eggenstein-Leopoldshafen verändert hat.

Zeugnisausgabe im Juli 2021 an der Ecole Polyvalente Carolus Magnus in Burundis Hauptstadt Bujumbura. Philipp Ziser (links) war bei der Feier auch vor Ort. Foto: burundikids

Eigentlich war ein Jahr Aufenthalt geplant. Philipp Ziser hat noch etwas drangehängt. Acht Jahre blieb der junge Mann aus Eggenstein in Burundi, einem der ärmsten Länder der Welt.

Die Neugier und sein Studium der neueren Geschichte haben Ziser dorthin geführt, die Aufgaben vor Ort für den Verein burundikids haben ihn verweilen lassen. „Was passiert eigentlich außerhalb Europas?“, fragte er sich. Eine Weltreise war zu teuer. Die Arbeit als Entwicklungshelfer in dem Land in Zentralafrika schien zu passen.

Ziser verbrachte die erste Zeit in einem Waisenheim für Straßenkinder und ehemalige Kindersoldaten. 60 Kinder, die ohne ihre Eltern aufwachsen müssen. „Da war ich täglich, habe dort geschlafen und gelebt. Man erfährt die Geschichten ganz persönlich, das macht schon etwas mit einem“, sagt er über seine erste Zeit in dem Land. Ziser hat diese Geschichten von den Kindern selbst erfahren. Vom Krieg, der Eltern verschluckt, und Krankheiten, die die Menschen dahinraffen.

Waisenkind arbeitet Jahre später als Sozialhelfer bei den burundikids

Eines der Kinder, die Ziser nach seiner Ankunft im Heim kennengelernt hat, war Pascal. Der Junge hatte als Vierjähriger seine Eltern im beginnenden Bürgerkrieg verloren. Rebellen hatten sie getötet, ihrer ethnischen Herkunft wegen. Er wurde verschleppt, musste sich als Kind einem Militärtraining anschließen.

Pascal kam in ein Heim der Fondation Stamm, zu der auch die burundikids gehören. Heute ist Pascal Kollege von Ziser, arbeitet als Sozialhelfer bei den burundikids. Der Journalist aus Deutschland hat sich durch solche Begegnungen verändert, hat eine andere Perspektive eingenommen.

Die kann er auch anderen Menschen vermitteln. So war ein Benefizabend am Fichte-Gymnasium in Karlsruhe mit Ziser als Vortragendem der Beginn einer Partnerschaft zwischen der Schule im Badischen und der Ecole Technique de l’Education Environnementale im Norden Burundis. Der Austausch zwischen den Direktionen und den Schülern läuft schon.

Spende aus Eggenstein-Leopoldshafen wird in Burundi für die Schule genutzt

Ziser arbeitet in heute Köln, Spenden für die burundikids kommen aber aus ganz Deutschland. Unter anderem auch aus Eggenstein-Leopoldshafen. Erst vor Weihnachten hat der dortige Lebensmittelmarkt Edeka Kuhn über 5.000 Euro gespendet. „Das Geld ist schon verplant“, berichtet Ziser dazu.

Und wofür wird es verwendet? „Mit den Spenden werden wir Schulmaterialien kaufen. Und wir können die Lehrkräfte davon bezahlen“, erklärt er. Bildung ist eines der drängendsten Probleme im Land, so Ziser. Ein erleichterter Zugang zum Bildungswesen ist entscheidend, um den Menschen vor Ort die Möglichkeiten zur Besserung selbst in die Hand zu geben.

„Umsetzung von Frauenrechten, die Bildung von Kooperativen, das Abhalten von Wahlen – all das setzt einen gewissen Grad an Bildung voraus, zumindest das Lesen und Schreiben“, sagt Ziser.

Lokale Partner sind bei den burundikids wichtiger Aspekt

Bei den burundikids wird darauf geachtet, die Hilfe nicht überzustülpen. Schulen, Jugendzentren, ein Frauenhaus – das alles entsteht mit Hilfe der vielen lokalen Partner und Helfer vor Ort, betont Ziser. Die Unterstützung aus der Heimat kann dabei helfen. Der Familie des Journalisten gehört ein Optikgeschäft in Eggenstein-Leopoldshafen, auch dort wird für die burundikids gesammelt.

Ich denke beinahe täglich daran, wie es jetzt wäre, in Burundi zu sein.
Philipp Ziser, Mitarbeiter bei den burundikids

Für den einstigen Eggensteiner war sein Jahr in der Entwicklungshilfe der Ausgangspunkt für ein vollkommen neues Leben. Auch, wenn er seit geraumer Zeit wieder in Deutschland lebt und vielleicht zwei oder drei Mal im Jahr nach Burundi fliegt, begleitet ihn das Land doch ständig. „Ich denke beinahe täglich daran, wie es jetzt wäre, in Burundi zu sein“, sagt er. Dabei wollte Ziser doch eigentlich nur ein Jahr bleiben.

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