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Aufwendige Vorbereitungen wegen der Pandemie

Spargel- und Erdbeeranbauer in der Hardt hoffen auf genügend Erntehelfer

Können Landwirte 2021 mit Erntehelfern rechnen oder macht ihnen Corona einen Strich durch die Rechnung? Die Lage für Landwirte in der Hardt ändert sich ständig.

Unsicherheitsfaktor: Von Mai bis Juni erreicht der Bedarf an Erntehelfern seinen Höchststand. 2020 kamen nur 60 bis 70 Prozent der üblichen Kräfte auf den Erdbeerhof Leicht in Eggenstein-Leopoldshafen. Foto: Alexander Werner

Landwirt Markus Leicht aus Eggenstein-Leopoldshafen spricht schlicht von einer „Katastrophe“: „Ständig kamen vom Land neue Verordnungen zu Sicherheitsvorgaben mit Auswirkungen auf Mitarbeiter und Arbeitsvorgänge, die Unterbringung von Saisonkräften oder Coronatestungen.“ Sich darüber aufzuregen, bringe allerdings nichts. Er muss seinen Erdbeer- und Spargelhof am Laufen halten und trotz der Corona-Pandemie so gut wie möglich planen. „Wir nehmen es, wie es kommt“, sagt er.

Auf 40 Hektar baut Leicht in Eggenstein-Leopoldshafen und der Umgebung Spargel an. Dazu kommen große Kontingente an Erd- und Himbeeren. Der Betrieb verfügt über kaum mehr als eine Handvoll fester Kräfte. Jahr für Jahr braucht es eine größere Zahl an Saisonhelfern.

Ich rechne damit, dass sie in ausreichender Zahl kommen werden.
Markus Leicht , Spargelanbauer

2020 seien letztlich nur 60 bis 70 Prozent gekommen, berichtet Leicht. So habe man sich gewissermaßen durchgeschlängelt. Von Mai bis Juni erreicht der Bedarf an Erntehelfern seinen Höchststand. „Ich rechne schon damit, dass sie in ausreichender Zahl kommen werden“, schätzt Leicht. Eine Handvoll langjähriger Mitarbeiter ist bereits mit der Feldsalaternte beschäftigt. Unter Auflagen könnten die Arbeitskräfte aktuell einreisen.

Corona-Test darf nicht älter als zwei Tage sein

Allerdings fängt das Problem schon mit den nötigen Corona-Tests an. Der überwiegende Teil der Erntehelfer komme aus Rumänien, so Leicht. „Die Leute müssen an der Grenze einen Test vorweisen, der nicht älter als zwei Tage ist. Sie sind aber in der Regel zwei Tage unterwegs“, sagt Leicht. Er habe bereits Sets für einen auf dem Hof möglichen Schnelltest mit einer ausgebildeten Person bestellt.

Mit dem Feldsalat kommt bei Markus Leicht in Eggenstein noch eine Handvoll Helfer zurande. Wenn es richtig losgeht, braucht es ein Vielfaches unter strikten Corona-Vorgaben. Foto: Alexander Werner

Dann habe es plötzlich geheißen: „Kostenlose Tests für alle.“ Zudem werde es aufwendiger, die Leute in Kleingrüppchen ins Land zu bringen. Und er müsse mehr Container anschaffen. „Es ist ein Kampf“, sagt er. Auf die Preise wirke sich das jedoch nicht aus. Denn diese würden durch den europaweiten Markt bestimmt.

Bei Thomas Meier in Stutensee-Staffort schwingt schon etwas Ironie mit, wenn er die Lage als „spannend“ bezeichnet. Von 2020 sei er ja schon einiges gewohnt. Da habe er sich auf seinem Meierhof spontan angepasst. Jetzt wisse er immerhin, worauf er sich einstellen müsse.

Wie es am Ende ausgehe, könne aber auch er nicht sagen. Sein Hauptaugenmerk gilt derzeit der Grenze, in der Hoffnung, dass diese offenbleibt und nicht wie 2020 nur 25 von rund 40 Leuten kommen können. Bedingt hatte das rund 25 Prozent Verlust bei teils nicht abgeernteten Spargel- und Erdbeerfeldern.

Erntehelfer sitzen bereits auf gepackten Koffern

„Kontakt haben wir bereits aufgenommen. Sie sitzen zuzusagen schon auf gepackten Koffern“, berichtet Meier. Mit dem Bus nach Karlsruhe zu fahren wie in Normalzeiten könnten sie allerdings nicht. Man müsse schauen, sie nach dem harten Lockdown in Gruppen von etwa sechs Leuten in Sprintern direkt auf den Hof zu bringen.

Auch die Corona-Situation im Heimatland und an der Grenze spiele eine Rolle. „Ich hoffe, dass wir auf 30 Leute kommen. Das würde zwar wehtun, könnten wir aber noch verkraften“, kalkuliert Meier. Erste Helfer braucht es bereits Anfang dieses Monats, die weiteren in Etappen. Landwirtschaftlich bleiben kleinere zeitliche Spielräume.

An der Unterbringung feilt Meier noch. 2020 stieß er dabei an seine Grenzen. Nun müssen Unterkünfte für jeweils nur zwei Personen in einem Raum geschaffen werden. Neben den dafür nötigen Containern werden Helfer auch im Ort untergebracht. Auch die Organisation von Arbeit und Essen in einzelnen Trupps ohne gegenseitigen Kontakt birgt Herausforderungen. Zudem muss eine Trennung zum Publikumsverkehr des Hofladens erfolgen. Im Prinzip bedeutet das für die Helfer eine Art von Quarantäne.

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