Skip to main content

Manche Schüler erleiden Wissenslücken

Erste Defizite erkennbar: Folgen von Homeschooling im nördlichen Landkreis Karlsruhe

Fernunterricht kommt nicht bei allen Kindern und Jugendlichen gut an. Nach den ersten Wochen des Präsenzunterrichts zeigen sich die Defizite. Das sagen zumindest Schulleiter aus dem nördlichen Landkreis Karlsruhe.

Die Erfahrungen an den Schulen im nördlichen Landkreis sind gemischt. Einige Schüler haben demnach Defizite entwickelt, die im Präsenzunterricht nicht entstanden wären. Andere kamen durch die Zeit des kompletten Lockdowns, ohne unter dem Homeschooling zu leiden. Foto: Ulrich Perrey picture alliance/dpa

Die Jugend wächst mit Handy, Internet und digitalen Medien auf und nutzt all dies täglich. Doch wie lernt es sich online?

Auch im zweiten Schulhalbjahr steht das Home-Schooling bei den meisten Schülern auf der Tagesordnung und erfordert Disziplin, Motivation und gewisse Unterstützung von der Familie.

Schüler der Abschlussklassen dürfen in den Klassenzimmern sitzen und auch die Grundschüler kommen wochenweise für einzelne Stunden in die Schule, doch das Lernen von zuhause ist immer noch nicht verschwunden. Wird es Spätfolgen geben?

Fernunterricht als enorme Belastung für Eltern und Schüler

„Das Home-Schooling verlangt Eltern und Kindern sehr viel ab, vor allem auch im sozial-emotionalen und motivationalen Bereich“, meint Ulrike Jäger, die Schulleiterin der Schlossgartenschule in Berghausen, „die Familien sind mittlerweile psychisch erschöpft.“ Die Grund-, Haupt- und Werkrealschule wird in normalen Zeiten von den verschiedensten Altersklassen besucht und lebt von einer bunten Vielfalt.

„Aktuell sind nur die Abschlussklassen hier im Präsenzunterricht, die Grundschulklassen kommen zwar jeden Tag, aber jede Klassenhälfte nur für zwei Stunden“, erzählt Jäger. Die Kindern und die Lehrkräfte seien glücklich, wieder in der Schule zu sein und direkten Kontakt mit den Mitschülern zu haben, wenn auch mit Abstand.

Der Leistungsstand der Schüler ist sehr unterschiedlich.
Ulrike Jäger, Schulleiterin

Neben den sozialen Kontakten geht es aber vor allem um eines: Wissensvermittlung. „Der Leistungsstand der Schüler ist sehr unterschiedlich“, stellt Jäger fest. Kinder, welche zuhause unterstützt werden, erzielen sehr gute Ergebnisse, anders sehe das bei Schülern aus, die zuhause keine oder nur wenig Unterstützung erfahren. „Diese Schüler fallen im Lernen weiter zurück“, so Jäger.

Jetzt den Newsletter für Karlsruhe, Ettlingen und die Hardt abonnieren

U-Strab. Staatstheater oder Ettlinger Tor: Wie geht es weiter mit den Karlsruher Baustellen? Was wird aus der Wohnungsnot und der Sicherheit in der Innenstadt? Und welche Corona-Regeln gelten eigentlich gerade in der Region?

Die wichtigsten Infos für Karlsruhe, Ettlingen und die Hardt und exklusive Hintergrundberichte: Das liefert der kostenlose BNN-Newsletter jeden Abend direkt in Ihr Postfach. Jetzt anmelden.

Schulen steht ein langer Weg zur Normalität bevor

Um den Unterrichtsstoff aus dem Homeschooling aufzuarbeiten, komme der Wechselunterricht mehr als gelegen. „So haben die Lehrkräfte mehr Zeit für das einzelne Kind und jeder wird dort abgeholt, wo er gerade im Lernen steht“, meint Jäger. Trotzdem ist man sich in Berghausen bewusst, dass allen noch ein langer und beschwerlicher Weg zurück in die Normalität bevorsteht.

Kinder brauchen den direkten Kontakt zu den Lehrenden und den Klassenkameraden.
Joachim Mack, Schulleiter der Pestalozzi-Schule

Auch in Stutensee freut man sich über die Rückkehr ins Klassenzimmer, wenn auch nur im wöchentlichen Wechsel. „Die Motivation ging beim Fernlernen allgemein zurück, Kinder brauchen den direkten Kontakt zu den Lehrenden und den Klassenkameraden“, meint der Schulleiter der Pestalozzi-Schule, Joachim Mack.

Trotzdem seien viele Schüler durch die Unterstützung der Familien auf einem guten bis sehr guten Kenntnisstand. „Im Präsenzunterricht versuchen wir, noch offene Fragen zu klären und neue Bildungsplan-Inhalte einzuführen“, erklärt der Schulleiter.

Themen zu üben oder zu vertiefen sei im Präsenzunterricht schwierig, da durch den Wechselunterricht nur wenig Unterrichtszeit zur Verfügung stehe. „Durch die Halbierung der Klassen und der Vorgabe nur eine Woche in Präsenz und eine Woche im Fernlernen zu sein, steht uns nur knapp ein Viertel der üblichen Unterrichtszeit zur Verfügung“, bedauert Mack.

Förderzeiten sollen Lockdown-Lücken bei Schülern schließen

Schüler, die im Homeschooling auf der Strecke geblieben sind, erhalten durch die Lehrkräfte Förderzeiten. „Brückenkurse über zwei Wochen in den Ferien sind kaum hilfreich, stattdessen müssen für jede Schule im kommenden Schuljahr Förderstunden zugewiesen werden, um die besonderen Nachholbedarfe langfristig aufarbeiten zu können“, erklärt Mack.

Doch nicht nur für die Schüler und Familien ist die Ausnahmesituation in den Schulen eine Belastungsprobe, sondern auch für die Lehrer. „Da Lehrer die Präsenzzeiten, die Vor- und Nachbereitung des Fernlernens und die Notbetreuung leisten müssen, sind viele an der absoluten Belastungsgrenze“, merkt Mack an.

Zuversichtlich ist man an der Gemeinschaftsschule Eggenstein-Leopoldshafen, wenn es um das Thema Homeschooling geht. „Wir sind froh darüber, dass sich der Fernunterricht an unserer Schule auf hohem Niveau eingespielt hat“, erzählt die Schulleiterin Elisabeth Eser. Die Schüler der Gemeinschaftsschule werden einerseits durch Videokonferenzen unterrichtet und erhalten dazu Aufgaben über die Lernplattform Moodle.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Wissenslücken nicht all zu groß sein werden.
Elisabeth Eser, Schulleiterin

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Wissenslücken nicht all zu groß sein werden“, meint Eser. Ähnlich sieht das auch Birgit König, die Schulleiterin der Turmbergschule in Weingarten. „Wie viele Schüler letztendlich auf der Strecke bleiben, kann man zum momentanen Zeitpunkt noch nicht sagen, aber es werden definitiv nicht viele Schüler sein“, meint König.

Erkenntnisse aus dem ersten Lockdown helfen Lehrern und Schülern

Die Erkenntnisse aus dem ersten Lockdown halfen, um das Fernlernen noch besser auf die Schüler anzupassen. Beispielsweise erhält jeder Schüler wöchentlich die Lern- und Arbeitsmaterialien persönlich übergeben, sodass zeitgleich die Materialien eingesammelt und dann korrigiert werden können.

„Bei den persönlichen Übergabeterminen war es auch möglich, mit Kindern die Problemstellen durchzugehen oder sie darauf hinzuweisen, wenn Aufgaben gefehlt haben“, erzählt König. Doch die Schulleiterin stellt auch klar, dass eventuelle Wissenslücken erst in den nächsten Monaten sichtbar werden.

nach oben Zurück zum Seitenanfang