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Seit 40 Jahres diskutiert

Frauen als Priesterinnen? Das sagen Pfarrer und Gläubige im Landkreis Karlsruhe

Frauen sind in der katholischen Kirche in vielen Positionen hoch engagiert. Doch der Weg zu Diakonats- und Priesterweihe bleibt ihnen versperrt. Wird sich daran absehbar etwas ändern?

Gleiche Legitimation: Frauen wie Männer sind getauft und gefirmt. Also haben beide Geschlechter die entscheidende Voraussetzung für kirchliche Ämter und Weihe, meint Pfarrer Albert Striet, der die Kirchengemeinde Karlsruhe-Hardt betreut. Foto: Foto: Dietrich Hendel

Können Frauen in der katholischen Kirche Priesterinnen sein? Darüber wird gerade wieder diskutiert. Wie stehen Pfarrer in katholischen Gemeinden im Karlsruher Norden dazu? Was meinen Frauen, die sich im Dienst einer katholischen Gemeinde engagieren?

„Die Diskussion zur Priesterweihe für Frauen hat sich nach den eindeutigen Aussagen der letzten drei Päpste erübrigt“, sagt Jürgen Olf, der 22 Jahre katholischer Pfarrer in Weingarten war. Die Diskussion werde dennoch seit 40 Jahren immer wieder geführt. Die Kirche berufe sich auf den Zwölferkreis, die von Jesus ausgewählten Jünger, die alle männlich waren.

„Da Jesus sehr gut mit Frauen konnte, kann diese Wahl nicht frauenfeindlich vereinnahmt werden“, meint der Pfarrer im Ruhestand. Jesus habe wenig Rücksicht auf Geschlechterrollen genommen. Er müsse zeitunabhängige Gründe gehabt haben. Diese Gründe nehme die zeitunabhängige Kirche ernst.

Die große Widersprüchlichkeit besteht für Olf darin, dass plötzlich alle, die sich im weiblichen Körper beheimatet fühlen, in einen Beruf drängen, der von „Reformkräften“ in der Kirche seit 40 Jahren schlecht geredet werde: „Man will eine andere Kirche. Dafür kann man Frauen gut als Druckmittel brauchen.

Lasst doch die Katholische Kirche denen, die noch katholisch sind.
Jürgen Olf, Pfarrer im Ruhestand

„Hat man übersehen, dass Diversität inzwischen das große Thema ist, die Katholische Kirche aber, die als einzige das Weihe-Priestertum hat, die schlechthin diverse unter den christlichen Kirchen – etwa 130 Religionsgemeinschaften – ist? Lasst doch die Katholische Kirche denen, die noch katholisch sind, und weist die Protestierer auf die vielen Möglichkeiten hin, ihr Christentum selbstbestimmt auszuleben.“

Legitimation durch Taufe und Firmung

„Jesus hatte als irdischer Mensch einen größeren Kreis um sich als die zwölf Apostel“, sagt Pfarrer Albert Striet, der die katholische Kirchengemeinde Karlsruhe-Hardt (mit Eggenstein, Leopoldshafen und Neureut-Nord) leitet. In diesem größeren Kreis seien sicher auch Frauen gewesen.

Frauen hätten wichtige Funktionen übernommen: „Es waren Frauen, die das leere Grab Jesu entdeckt und diese Information an die Männer weiter gegeben haben“, sagt Striet. Das gesellschaftliche Bild habe sich total gewandelt, Frauen übernähmen verantwortliche Aufgaben in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Wir sind als Christen kraft Taufe und Firmung legitimiert, das gilt auch für Frauen.
Albert Striet, Leiter katholische Kirchengemeinde Karlsruhe-Hardt

„Warum sollte das für die Kirche nicht gehen?“ Heute erfüllten im Ordinariat Frauen Aufgaben, die früher nur Priestern oblagen. „Wir sind als Christen kraft Taufe und Firmung legitimiert, das gilt auch für Frauen.“ Und das lasse sich auf Diakonats- und Priesterweihe anwenden, sagt der Pfarrer.

Kompetenz und Begeisterung sind wichtiger als Geschlecht

„Der synodale Weg macht Vorstöße in diese Richtung“, sagt Harald Mathias Maiba, Pfarrer der Kirchengemeinde Bretten-Walzbachtal. Das seien wichtige Schritte dahin, dass der Dienst des Priesters nicht am Geschlecht hänge, sondern an Berufung, Kompetenz, Begeisterung und Fähigkeiten, die es brauche, um Menschen im Leben zu begleiten.

„Wir dürfen das nicht zu eng sehen“, meint Maiba: „Wie kann der Dienst von Priestern und anderen kirchlichen Berufen in der Gesellschaft gebraucht werden?“ Die Kirche müsse bedenken, wie sie in Familien, Arbeit und Freizeit präsenter sein könne, in Lebenssituationen, in denen die Menschen sie brauche. „Und das muss unabhängig davon sein, ob Frauen oder Männer diese Seelsorge leisten“, sagt Maiba.

Frauen seien überall in Leitungsfunktionen. „Die Kirche muss die Ämterstruktur im Blick haben und die Akzeptanz von Frauen weiter voranbringen.“

Wären Frauen im Priesteramt ein Gewinn für alle?

„Frauen werden überall gebraucht“, meint Ursula Jehle in Eggenstein, die bis 2015 20 Jahre Mitglied im Pfarrgemeinderat war. Frauen zur Priesterweihe zuzulassen, lehne der Papst ab. Kirchengeschichtlich sieht sie daher eher keine Chance, dass sich das ändert: „Da muss noch viel passieren.“

Unter dem Aspekt, dass immer weniger junge Priester geweiht würden, sollte man aber Frauen die Chance geben, Priesterin zu werden, wenn sie sich dafür berufen fühlen. „Frauen engagieren sich vielfach, und Frauen im Priesteramt könnten eine Bereicherung sein, von der alle einen Gewinn hätten“, sagt Jehle.

„Frauen sollten grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten haben wie Männer“, hebt Mirjam Müller-Dietzel hervor. Sie ist Mitglied im Pfarrgemeinderat Bretten-Walzbachtal.

Frauen trügen den größten Teil der ehrenamtlichen Arbeiten, von Blumenschmuck bis Kuchenbacken und vieles mehr, aber mitentscheiden dürften sie nicht. Frauen hätten die stärkere Empathie. „Warum sollte man solche Fähigkeiten nicht für die Feier der Eucharistie nutzen?“, fragt sie.

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