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Biergärten und Corona

Für das Biergarten-Vergnügen in der Hardt ist es bald zu kalt -helfen Heizpilze?

Ein Bier trinken oder ein Eis löffeln unter freiem Himmel ist derzeit noch gefragt. Zwar wird es früher dunkel und kühler, aber die Gäste sitzen wegen Corona lieber draußen als im Inneren der Gaststätte. Wenn gegen die frische Abendluft der Pullover nicht mehr reicht, könnten jetzt Heizstrahler für Wärme sorgen, die das Wirtschaftsministerium als Option sieht.

Treffen zur Vesperzeit: Wenn Biergarten, dann Andreasbräu, sagen (von links) Volker und Annerose Süß sowie Bernhard und Rita Schlachter, die auf Bekannte warten. Foto: Dietrich Hendel

So heiß, wie es noch vor kurzer Zeit war, ist es nicht mehr. Der Herbst richtet sich allmählich ein, und abends wird es kühler und früher dunkel. Doch draußen sitzen wollen die Menschen immer noch gerne. Auch weil sie annehmen, dass im Freien weniger Corona-Gefahr droht.

Unterdessen empfiehlt das baden-württembergische Wirtschaftsministerium den Kommunen, Gastronomen in ihrer Außenbewirtschaftung entgegenzukommen und sie Heizstrahler aufstellen zu lassen, um den sinkenden Abendtemperaturen zu trotzen.

Tagsüber sind es zurzeit immer noch mehr als 25 Grad, und die werden als durchaus angenehm begriffen. Für manche Zeitgenossen genau die Wärme, die in einen schönen Biergarten lockt (oder gerne in eine Eisdiele mit Tischen vor der Tür).

Ein zweiter Shutdown brächte uns ganz erhebliche Probleme.
Andreas Philipps, Chef des Andreasbräu

Zweifellos einer der angesagtesten Biergärten zwischen Dettenheim und Pfinztal ist der Garten beim Andreasbräu in Leopoldshafen. „Es ist dieses Jahr alles ganz anders“, sagt Andreas Philipps, der Chef der Hausbrauerei. Corona habe sich ausgewirkt und deutliche Spuren hinterlassen: „Pandemie und Shutdown machen sich im Umsatz bemerkbar, und selbst ein recht gut besuchter Biergarten gleicht die Verluste dieses Jahr nicht aus“, merkt Philipps an.

Trockene Sitzplätze: Die praktischen Tische und Bänke der Gastronomie am Kiosk bei der Fähre in Leopoldshafen ist bei Spaziergängern, Radlern und Motorradfahrern gleichermaßen beliebt. Foto: Rake Hora

Existenzielle Sorgen habe er noch nicht: „Ein zweiter Shutdown brächte uns aber ganz erhebliche Probleme.“ Wenn es nötig werde, will er bei kühlerer Witterung Heizstrahler aufstellen, sagt Philipps. Das Zelt im Freigelände sei ohnehin beheizt. Er wundere sich, dass die Strahler jetzt empfohlen werden, nachdem sie bislang verboten waren.

Biergarten zur Vesperzeit gut besucht

Es ist später Nachmittag, für die einen noch Zeit, einen Kaffee zu trinken, für die anderen schon zum Abendessen oder zum Vespern. Ein Biergarten mit breiter Speisekarte ist bei Jüngeren und Älteren ein beliebtes Ziel. So eben auch in Leopoldshafen. Die Plätze („Wir haben sechs Tische weniger als üblich, damit wir die coronabedingten Abstände einhalten“, sagt Philipps) werden zielstrebig angesteuert.

Der Biergarten ist zur Vesperzeit gut besucht. Da sitzt eine Gruppe Radfahrer im einheitlichen Trikot mit dem Namen des Trägers auf der Brust. Im Andreasbräu macht die Gruppe um Gerhard Burgstahler den Abschluss. So lange Sommerzeit ist, fahren sie ihre Touren, und in den Biergarten kämen sie, so lange offen ist, meint Rainer Calmez.

Platzhalter für die Freunde

Ein Stückchen weiter sitzen an einem Tisch zwei Männer, am anderen nebenan zwei Frauen. „Wir gehen ab und zu in den Biergarten, meistens hierher“, sagt Bernhard Schlachter. „Das Bier ist gut, das Essen auch“, ergänzt Volker Süß.

Aber eher am späteren Nachmittag oder früheren Abend als später, sagen die beiden, die schon mal Platz halten für eine Gruppe von Bekannten aus Spöck, die noch kommt. Die beiden Damen am Nachbartisch sind die beiden Gattinnen, Annerose Süß und Rita Schlachter, auch in Funktion als Platzhalter.

Terrassenheizer kosten viel Energie

„Bei uns ist der Biergarten zurzeit noch ziemlich gut besucht. Drinnen will noch niemand sitzen“, sagt Klaus Becker, der Chef im Gasthaus „Zum Laub“ in Berghausen. Die Gäste seien verständnisvoll, wenn um 22 Uhr Schluss sein müsse: „Es wird ja schon ziemlich frisch. In unserem Hof hört man nichts von der Bundesstraße, aber es ist halt auch schattig.“

Terrassenheizer will er im Freien eher nicht aufstellen, die kosteten zu viel Energie. „Wenn es regnet, helfen die auch nicht“, meint er. Dort, wo die Tische unter dem Dach stehen, gibt es einen Heizer. Und: „Wir haben geplant, die obere Terrasse zu überdachen. Die Arbeit kann bald losgehen.“ Ärger wegen Ruhestörungen gebe es bei ihm nicht, sagt Becker: „Wir pflegen eine gute Nachbarschaft.“

Gäste halten sich an die Regeln

Meist geht es entspannt zu in der Hardt, wenn die Gastronomen im Freien bewirten. Generell ist draußen bis 22 Uhr geöffnet. In Einzelfällen, zum Wochenende, kann auf Antrag eine Stunde länger genehmigt werden.

„Die Gäste sind diszipliniert und halten sich an die Regeln“, sagt Andreas Philipps. Wenn die genehmigte Zeit um ist, löst sich die Gesellschaft auf oder geht nach drinnen. Das funktioniert zumeist, ist aus den Ordnungsämtern zu erfahren. Klagen gebe es selten.

Ordnungswidrigkeit wird geahndet

Ausnahmen bestätigen die Regel: Es komme schon immer wieder zur Überschreitung der Sperrzeit und zu Ruhestörungen. Dafür könne ein Gaststättenbetreiber angezeigt werden, sagt Erster Polizeihauptkommissar Klaus Heidemann, der Leiter des Polizeireviers Waldstadt.

Wenn Ermahnungen und kulantes Vorgehen nicht zur Verbesserung führten, müsse man ordnungsrechtlich vorgehen: „Es gibt eben Regeln, die für alle gelten, und die alle einhalten müssen.“ Bei Verstößen könnten Landratsamt oder Gemeinde selbst ein empfindliches Bußgeld verhängen.

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