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I hätt do mol e Frog

Breite Straßen im Wald bei Graben-Neudorf erzählen von militärischer Vergangenheit

Leser Rudolf Merkel aus Stutensee wollte wissen, warum die breiten Straßen im Kammerforst bei Graben-Neudorf nicht zurückgebaut werden. Die Straßen erzählen von der militärischen Nutzung des Waldgebiets.

Mit dem Maßstab im Wald unterwegs: Rudolf Merkel aus Stutensee misst die Wege im Kammerforst ab. Foto: Patric Kastner

Mit dem Maßstab in der Hand geht es mit Rudolf Merkel aus Stutensee in den Kammerforst bei Graben-Neudorf. Es ist nass-kalt, der erste Schnee ist gefallen und an manchen Stellen auch liegengeblieben. Was auffällt, sind die vielen, breit angelegten und asphaltierten Straßen, die das Waldstück durchziehen. „Warum werden die großen und geteerten Straßen im Kammerforst-Wald bei Graben-Neudorf nicht der Natur zurückgegeben?“ Mit dieser Frage hat er sich an die BNN gewandt.

Um zu verstehen, warum es hier diese Straßen gibt, muss man in die Geschichte eintauchen. In diesem Teil des Staatswaldes befand sich ein Munitionsdepot der amerikanischen Streitkräfte. Im Januar 1953, so heißt es im BNN-Bericht „Aufräumen im Kammerforst“, hat das US-Quartier in Heidelberg den Staatswald beschlagnahmt. Dort lagerten Raketen, Artilleriegranaten, Bomben und Infanteriemunition.

Und während des Golfkrieges wurden von dort Munition zum „Verbrauch“, wie es heißt, in den Mittleren Osten abtransportiert. Ende 1993 sind die Amerikaner dann abgezogen. „Nach 44 Jahren fallen die US-Bunker im Kammerforst“, lautet ein BNN-Bericht vom 10. April 1997, der vom Abbruch der Munitionshäuser und den Stahlbetonbunkern berichtet.

An einer kleinen Hütte vorbei geht es auf den asphaltierten Weg. Merkel schreitet ihn der Breite nach ab und kommt auf acht Meter. Ein wenig später misst er an anderer Stelle mit dem Maßstab nach. Er habe schon selbst über die Wege recherchiert, erklärt er. Für Radfahrer seien diese bestimmt „eine tolle Sache“, sagt er. Aber: „Die Leute gehen wegen jedem Baum, der abgeholzt wird, auf die Barrikaden und hier hat man so große Flächen“, sagt der 71-Jährige.

Rückbau der Wege ist auch eine Frage der Kosten

Ein wenig später kommt Merkel ein Graben-Neudorfer entgegen, der mit seinen Hunden im Waldgebiet unterwegs ist. Man kommt ins Gespräch: „Hier war militärisches Sperrgebiet, hier sind Wachen herumgelaufen“, erinnert er sich. Ein Rückbau wäre wahrscheinlich eine Kostenfrage, vermutet der Mann. Er nimmt an, dass die Straßen teerhaltig sein könnten und damit unter die Kategorie Sondermüll fallen, wenn man sie beseitigt.

Martin Moosmayer ist Leiter des Forstamts im Landkreis. Bevor Forst BW für den Kammerforst zuständig war, war es der Landkreis. Auch er sagt, dass das Wegenetz in dem Waldstück über das Normalmaß hinausgeht. „Es wurden sehr breite Wege gebaut. Der Kammerforst hat eine doppelt so hohe Wegedichte, als wir normal im Wald haben“, sagt er. Die Amerikaner hätten die Waldwege schwerlastfähig gemacht - daneben wurden auch neue Wege angelegt.

Moosmayer betont, dass ein Konzept für einen Rückbau vorliege, dieses aber nie vom Land Baden-Württemberg beauftragt worden sei. Das Konzept sei aber „nur mit einigen Investitionen zu machen“, betont er. Zumal ein Teil der Asphaltdecken schadstoffbelastet seien - mit einem Stoff, den er als polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoff, kurz PAK, identifiziert.

Der Stoff sei in den Wegen gebunden. Lasse man den Weg in Ruhe, würden die Stoffe auch nicht mobilisiert. Würde man die Wege ausbauen, müsste ein Teil auf Sondermülldeponien entsorgt werden. Da es sich beim Kammerforst um ein Staatswald-Distrikt handle, müsste das Land Baden-Württemberg bei einem Rückbau Geld freigeben.

Es gibt Überlegungen in Richtung Rückbau

Dass ein Abriss ein „Haufen Geld“ kosten wird, da ist sich auch Bernd Schneble, Leiter des Forstbezirks Hardtwald, sicher. Er erläutert jedoch, dass der Kammerforst nicht auf Ewigkeit die befestigten Straßen haben werde. Der komplette Kammerforst habe eine Fläche von rund 600 Hektar, auf Bruchsaler, Karlsdorf-Neuthardter und zum überwiegenden Teil auf Graben-Neudorfer Gemarkung, erklärt er. Das ehemalige Depot habe eine Fläche von rund 200 Hektar.

Bevor das Gebiet an die Öffentlichkeit zurückgegeben wurde, dies sei um das Jahr 2000 geschehen, seien die Wege des ehemaligen Munitionsdepots vom Bund noch einmal instandgesetzt worden. Innerhalb des Zauns, der das Depot umgeben habe, wie er herausstellt. Die Wege außerhalb des Zauns seien heute diejenigen, die in schlechterem Zustand seien. Es gebe, so Schneble, Überlegungen, die Wege auf ein vernünftiges Maß zurückzubauen.

„Wir vom Forst bauen nur Sandkies-Wege“, hebt er hervor. Diese seien weitaus besser für die Natur und Wanderwege für Amphibien, Schnecken und Reptilien. Man bekomme weitaus mehr Anfragen, einen Weg zu befestigen, als einen zurückzubauen. Die Straßen im Kammerforst seien in einem guten Zustand. Es gebe in der Bevölkerung einen erheblichen Bedarf an befestigten Wegen unter anderem für Rollstuhlfahrer, Inlineskater, Radfahrer und Leute, die mit Kinderwagen unterwegs seien.

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