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Frist bis zum 25. Juli

Das Veterinäramt verbietet dem Vogelpark Neudorf die Tierhaltung

Die Zustände im Vogelpark Neudorf sollen katastrophal sein: Tiere, die in dreckigen Ställen leben, teilweise ohne frisches Wasser und Futter. Nun schreitet das Veterinäramt ein. Und der Vereinsvorsitzende zieht die Konsequenzen.

Vor geschlossenen Toren: Wegen Fehlens sachkundiger Personen und wiederholt festgestellter Mängel dürfen im Vogelpark Neudorf keine Tiere mehr gehalten und gezeigt werden. Foto: Alexander Werner

Die Wellen der Entrüstung und Enttäuschung über die Vorgänge im Vogelpark Neudorf schlagen in der Gemeinde hoch. Auch auf der Internetplattform Facebook äußern die Menschen ihre Fassungslosigkeit über zutage getretenen Missachtungen des Tierwohls.

Neben Vögeln stehen die Haltung und Versorgung von Damwild, Eseln, Ponys, Schafen und Ziegen im Fokus. Der in sich zerstrittene Vorstand des den Park betreibenden Vogelschutz- und Zuchtvereins 1955 Neudorf mit seinem Vorsitzenden Oliver Klee hat jetzt seinen Rücktritt angekündigt.

Das Veterinäramt des Landkreises erfasste nach Hinweisen im Juni 2020 erstmalig Missstände. Das setzte sich im Spätjahr fort. Als Folge untersagte das Amt dem Verein Ende März das Halten und Zur-Schau-Stellen von Tieren gemäß Tierschutzgesetz.

Die Tierhaltung muss bis zum 25. Juli aufgelöst werden. „Das rührt in erster Linie daher, dass eine zwingende Benennung verantwortlicher und sachkundiger Personen nicht fristgerecht erfolgte“, heißt es von der Pressestelle des Landratsamts.

Veterinäramt bemängelt Haltung, Versorgung und Unterbringung der Tiere

Angeführt werden daneben Mängel in der Haltung wie bei Unterbringung, Versorgung und Kennzeichnung der Tiere und Überbesatz in einzelnen Gehegen. Grundvoraussetzungen für eine neue Tierhaltung wäre die Einhaltung der Anforderungen des Tierschutzgesetzes. Zur Wiedererlangung der Erlaubnis bedürfe es zudem einer ausreichenden Anzahl an zuverlässigen, sachkundigen, verantwortlichen Personen, so das Amt.

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Carina Baars meldete sich jüngst als massive Kritikerin der Zustände im Gemeinderat zu Wort. „Ich trat 2019 in den Verein ein, weil ich sah, dass es den Tieren nicht gut ging“, erklärte sie. Sie habe sich latent um die Tiere gekümmert und den Vorstand auf die dringend zu behebenden Missstände hingewiesen. In der zerstrittenen Verwaltung mit nur zwei Fürsprechern sei dies aber nicht akzeptiert worden, beklagt sie.

Ihr selbst habe man wegen vereinsschädigenden Verhaltens zweimal die Mitgliedschaft gekündigt. Es sei unbedingt notwendig, dass der Vorsitzende und die Verwaltungsmitglieder, die für die Misere verantwortliche seien, zurücktreten und den Park verlassen, fordert sie.

Tiere ohne ausreichend Wasser und Futter

In die gleiche Richtung geht die Kritik des stellvertretenden Vorsitzenden Benno Baumgärtner. Amtstierärzte hätten bei jedem ihrer Besuche die gleichen Missstände beanstandet, erläutert er. Den Tieren habe Futter nicht in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung gestanden und die Ställe seien nicht gemistet gewesen.

An einem Freitag sei bei einer weiteren Kontrolle festgestellt worden, dass die Tiere wegen durchgefrorener Behälter kein Wasser gehabt hätten. Ein paar Tage später hätten Kontrolleure wieder die gleichen Zustände angetroffen. „Das ist völlig unverständlich“, urteilt Baumgärtner.

Graben-Neudorfs Bürgermeister Christian Eheim (SPD) hatte schon im Gemeinderat auf seine Bemühungen hingewiesen, die Vereinsführung zur Übernahme der Verantwortung zu bewegen und Konsequenzen zu ziehen. Den Pachtvertrag löse man in der Hoffnung auf Selbstreinigungskräfte im Verein jedoch nicht.

Bürgermeister Eheim will die Mitgliederversammlung unterstützen

Er würde auch beratend bei einer Mitgliederversammlung zur Seite stehen. „Die schlimme Behandlung der Tiere durch den amtierenden Vorstand des Vereins hat ein Handeln des Landratsamtes unausweichlich gemacht“, fasst er jetzt zusammen und ergänzt: „Mich irritiert, dass der Vorsitzende noch immer im Amt ist. Ich wünsche dem Verein, dass er sich eine Führung wählt, die in der Lage ist, das Tierwohl zu achten, den Verein zu einen und professionell mit den Behörden zu kooperieren.“

Vorsitzender Klee räumt in einer Stellungnahme eigene Fehler ein. Nach dem schlimmsten Jahr seiner Amtszeit sei er sicher, dass er so eine Position nie wieder belegen werde, bekräftigt er. Überalterung und zu wenige aktive Mitglieder hätten nicht als Hauptproblem zur jetzigen Situation geführt. Er spricht von einem ewigen Streit im Vorstandsrat, einschließlich aktiver Mitglieder.

Er selbst habe in Sitzungen die dringlichen Punkte angesprochen. Es seien Punkte wie nötige Mitglieder mit Sachkundenachweis, Reduktion des Damwilds oder eine aufgeteilte Zuständigkeit bei der Tierversorgung, so Klee. Das Ergebnis seien Streit, Vorwürfe und Ignoranz gewesen. Weiterhin beklagt er mangelnde Unterstützung. Statt härter durchzugreifen, habe er sich zermürben lassen, resümiert er. Er ziehe die Konsequenz mit einem Rücktritt, wenn alle Tiere in gute Hände abgegeben seien.

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