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Anhänger für traurige Herzen

Hobbybastlerin aus Graben-Neudorf sammelt traurige Geschichten

Ann-Christin Rottner aus Graben-Neudorf hört sich die Probleme von Menschen an. Sie sammelt ihre Geschichten. Zu Weihnachten will sie Menschen, die ein schweres Jahr hatten, eine Freude machen.

Kleine Freude vor Weihnachten: Vor rund einer Woche startete Ann-Christin Rottner aus Graben-Neudorf eine Aktion für traurige Herzen. Sie schenkt Menschen, die ein besonders schweres Jahr hatten, einen Herzanhänger. Foto: Rake Hora /BNN

Ann-Christin Rottner aus Graben-Neudorf verschenkt Herzanhänger an traurige Herzen. Die Hobbybastlerin macht Schmuck für Menschen, die ein besonders schweres Jahr hatten. Zwei Frauen erzählten ihr schon ihre Geschichten.

Seit mehr als einer Woche sammelt die 34-Jährige mit ihrer Aktion „Herzen-für-Herzen“ Geschichten von Menschen aus dem nördlichen Landkreis. Sie hört ihnen zu, damit sie sich mit ihren Problemen und Sorgen nicht allein fühlen.

In den sozialen Netzwerken stellte sie ihre Aktion vor. Daraufhin meldeten sich in den vergangenen Tagen zwei Nutzerinnen. Eine Frau aus Graben-Neudorf erzählte ihr, dass sie in der Pandemie ihren Job verlor. Darum habe sie laut der Schmuckmacherin Rechnungen für Strom und Wasser nicht mehr bezahlen können.

Ich war geschockt, als ich gehört habe, was den Frauen passiert ist.
Ann-Christin Rottner aus Graben-Neudorf

Außerdem sei zu Hause öfter gestritten worden, wobei sie ein Familienmitglied geschlagen habe. Von finanziellen Nöten berichtete auch eine Frau aus Philippsburg. In der Krise sei sie in Kurzarbeit gewesen, sagt Rottner. Deshalb fehle nun Geld, um etwa einen Weihnachtsbaum und Geschenke zu kaufen.

„Ich war geschockt, als ich gehört habe, was den Frauen passiert ist“, sagt die Hobbybastlerin. Sie zweifelt keinesfalls am Wahrheitsgehalt der Erzählungen.

Jeder Herzanhänger ist ein Einzelstück

Rottner kann den beiden Frauen zumindest eine kleine Freude machen. Deshalb lohnt es sich für sie schon jetzt. Auf die Herzen-Aktion kam sie spontan. „Ich habe immer Schmuck an Freunde geschenkt.“ Dabei habe sie gemerkt, dass es ihr gefällt, andere glücklich zu machen.

Fünf Betroffene sollen selbstgemachte Herzanhänger aus Draht bekommen – welche Geschichte ein Schmuckstück wert ist, entscheidet die Hobbybastlerin.

Die Hobbybastlerin aus Graben-Neudorf brachte sich das Schmuckhandwerk selbst bei. Vor einigen Jahren entdeckte sie ihre Liebe zur Handarbeit. Foto: Rake Hora /BNN

Jeder Anhänger ist ein Einzelstück, der extra für eine Person angefertigt wird. Die Geschichtenerzähler dürfen sich die Farbe des Edelsteins und das Material des Drahts aussuchen, der besteht meist aus Silber oder Kupfer. Die Materialkosten für Draht und Glassteine zahlt Rottner selbst.

Zwei bis drei Tage arbeitet sie an einem Schmuckstück – es sei nicht einfach, die dünnen Drähte zu wickeln und in Form zu biegen. „Manchmal passiert es mir noch, dass ein Stück Draht abbricht. Dann muss ich es wieder ankleben oder von vorne beginnen“, erzählt die 34-Jährige aus Graben-Neudorf.

Rottner brachte sich das Handwerk selbst bei

Ihre Liebe zur Handarbeit entdeckte sie vor einigen Jahren. Als sie eine Kette in einem Online-Shop fand, die ihr allerdings zu teuer war, beschloss sie das Schmuckstück nachzustellen.

„Ich habe jedoch relativ schnell bemerkt, dass das Material ungefähr so viel kostete wie die Kette.“ Trotzdem konnte sie nicht mehr aufhören.

Das Schmuckhandwerk brachte sie sich mit Büchern und Anleitungen aus dem Internet größtenteils selbst bei. Anfangs übte sie Perlen zu Ketten zu fädeln. Mit der Zeit wuchs ihre Werkstatt. Für ihre Hochzeit 2019 fertigte sie ein Diadem aus Edelsteinen an.

Einmal besuchte sie auch ein Seminar in Bayern. „Zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber schon viel, darum war ich überqualifiziert“, sagt Rottner. Damit jeder Betroffene ein Geschenk zu Weihnachten hat, will Rottner alle Anhänger bis kurz vor Heiligabend fertigstellen.

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