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Erste Pflegekonferenz im Landkreis Karlsruhe

Wissenschaftler: Pflege in der Familie soll bezahlt werden

Was tun gegen den Pflegenotstand? Auf der ersten kommunalen Pflegekonferenz im Landkreis Karlsruhe hat der Zukunftsforscher Eike Wenzel unkonventionelle Vorschläge parat.

Wenn es um die Pflege von alten oder kranken Angehörigen geht, sollte man die regionalen Unterstützungsangebote nutzen. Foto: Robert Kneschke/Adobe Stock

Der Pflegenotstand ist längst da. „Wir hätten viel früher etwas dagegen tun müssen.“ Davon ist Eike Wenzel vom Institut für Trend- und Zukunftsforschung überzeugt. Der Wissenschaftler sprach bei der „Kommunalen Pflegekonferenz“ des Landkreises Karlsruhe in Graben-Neudorf über „Schlüsseltrends im Bereich Gesundheit, Pflege und demografischer Wandel“.

Ideen und Visionen hatte Wenzel in reicher Zahl und teilweise von unkonventioneller Art im Gepäck. Allein, und das zeigte sich mitunter in seinem Vortrag, ist es äußerst schwer, kurzfristig Lösungen zu finden, um den Pflegenotstand einzudämmen.

Und ein Weiteres darf ebenso als Ergebnis der ersten Pflegekonferenz im Landkreis festgehalten werden: Das Thema wird wohl eines der beherrschenden politischen und gesellschaftlichen Aufgabengebiete bleiben.

Als eine Konkurrenzveranstaltung zur bereits seit Jahren bestehenden „Kommunalen Gesundheitskonferenz“ (KGK) will Martin Siegl-Ostmann von der KGK-Geschäftsstelle die nun vom Landkreis initiierte Pflegekonferenz nicht verstanden wissen – vielmehr als Ergänzung. Beide Konferenzen verstehen sich als Plattformen, als Netzwerk, lokale Partner und Einrichtungen zusammenzuführen. Die KGK widme sich verstärkt der Prävention und Gesundheitsförderung, die Pflegekonferenz gezielt der Pflege und der Rehabilitation.

Pflege findet vor allem zu Hause statt

Zu drei Vierteln erfolgt im Landkreis die Pflege von betroffenen älteren Menschen in deren Zuhause. Die Aufgaben würden von den Familien und hierbei insbesondere von den Frauen übernommen, resümierte Wenzel. Unter anderem an diesem Punkt setzen seine Visionen an.

„Die Pflegearbeit in den Familien müsste bezahlt werden.“ Und ja, das sei finanzierbar. Beispielhaft sprach er sich für eine höhere Besteuerung von Automatisierungsgewinnen aus; und ebenso dafür, vieles, was der Gesellschaft schade, auch höher zu besteuern.

Überdies kann er sich eine „neue Aufteilung der Arbeitstätigkeiten“ vorstellen. Ein Drittel davon könnte sich auf die reine Erwerbstätigkeit beziehen, ein weiteres Drittel auf gesellschaftlich relevante Arbeit und ein Drittel auf Pflegearbeit.

Wir verhalten uns so, als ob wir unsterblich sind.
Eike Wenzel, Zukunftsforscher

Als grundsätzliches Problem, Alter und Pflege nicht in den Griff zu bekommen – „wir haben noch keine klugen Antworten gefunden“ – machte er ein gedankliches Phänomen aus: „Wir verhalten uns so, als ob wir unsterblich sind.“ Früher galten die Menschen spätestens mit 70 Jahren als alt. Heute werde in einem Alter zwischen etwa 55 und 80 von einem „ zweiten Aufbruch“ gesprochen. Alt wäre man demnach erst ab 80 und später.

Was aber konkret gegen den bereits vorhandenen Pflegenotstand tun? Antworten darauf, oder gezieltes Nachfragen von den Teilnehmern aus Kommunen, Pflegediensten, der Landkreisverwaltung, von Selbsthilfegruppen oder Interessenvertretungen blieben aus.

Pflegestützpunkte bieten wieder Sprechstunden an

Immerhin nehmen die Pflegestützpunkte wieder ihre analoge Arbeit auf. Ab Herbst werde es wieder Sprechstunden nach Vereinbarung geben, sagte Sabrina Menze, Koordinatorin der Pflegestützpunkte, zu deren Angebote eine „neutrale Beratung“ gehört. Festhalten wolle man künftig auch an virtuellen Sprechstunden.

Zu bewähren scheint sich derweil die digitale Plattform „Pflegeplatzmanager“. Dabei handle es sich um eine Vernetzung medizinischer Leistungserbringer für die Nach- und Weiterversorgung, um schnell Lösungen für Betroffene zu finden, erläuterte Marie Thomann vom Landratsamt. Als ein weiterer Baustein für Pflege könnten sich „Quartierskonzepte“ erweisen. Ausgangspunkt dafür seien „kleinräumige Betrachtungen der Lebenswelt“, sagte Heike Ehlemann, in der Kreisbehörde zuständig für die Quartiersentwicklung.

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