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Ruine von Baudenkmal im Dornröschenschlaf

Seit dem Brand von 1995 hat sich an der Neudorfer Mühle nichts mehr getan

Die Überreste der Neudorfer Mühle flankieren auf Philippsburger Gemarkung seit 1995 die alte B36 zwischen Neudorf und Wiesental. Ein Feuer machte dem Kulturdenkmal gänzlich den Garaus.

Trauriges Schicksal: Seit dem Brand 1995 vegetieren die Bruchstücke der Neudorfer Mühle vor sich hin. Ein Neubau war vom heutigen Eigentümer eigentlich bereits für 2007 geplant. Foto: Alexander Werner

In Zeiten fortschreitenden Mühlensterbens gab Müller Ernst Rudolf Woll 1959 den Betrieb auf. Im umgebauten Südflügel richtete er eine Wirtschaft ein. Angesichts des regen Ausflugverkehrs erschien auch ein zweites, gehobeneres Lokal als die benachbarte „Rose“ lukrativ.

Woll führte es mit seiner Frau Irma bis 1963 und verkaufte dann an Familie Herdle. Dem späteren Eigentümer und letzten Wirt Alfred Kirchgässner gelang es 1995/96 nicht, Kredite für einen Neubau zu erhalten. Um 2000 erwarb ein Unternehmen aus Oberhausen-Rheinhausen das Areal.

Plänen für ein Ausflugslokal setzte die Insolvenz ein Ende. 2007 schien über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan der Weg für einen Wiederaufbau im Stil von 1925 durch die Philippsburger Rauh-Gruppe frei. Getan hat sich jedoch nichts mehr, wobei der Eigentümer das Projekt nach wie vor weiter verfolgen will. 2003 war die historische Kreuzigungsgruppe aus der Nische des Relikts der Frontfassade entfernt und gesichert worden.

Gebaut wurde die Mühle im einstigen Speyrer Bistum 1840. Dazu gehörte die östliche Ziegelhütte, die bereits 1722 bestand. Genannt wurde die Mühle ursprünglich Schönborner Mühle nach Fürstbischof Damien Hugo von Schönborn. Die Steine wurden über den Saalbach in Fronarbeit eingeschifft.

Lange Tradition: Um 1908 entstand das Postkartenfoto der Neudorfer Mühle. Es zeigt vermutlich die Familie Hubert Woll. Seine Vorfahren betrieben die Mühle bereits seit 1749. Foto: Archiv Alfred Marzinka

Betrieb gab es bereits ein Jahr vor dem Abschluss der Arbeiten im Spätjahr 1741. Verlehnt wurde sie an Andreas Hauck. Nach Klagen wegen der Mahlqualität folgte Anfang Mai 1742 Georg Michael Schmitt. Als er aufgab, löste ihn im April 1744 Johann Georg Nepp ab. 1749 wurde der Beständer eingesperrt, weil er Mahlgäste betrogen haben soll.

Ab April 1749 pachtete Anton Cordel. Er baute die Mahl-, Öl- und Hirsemühle beträchtlich aus. Im November 1756 erhielt er den Erbbestandsbrief. 1757 beklagte sich Cordel beim Oberamt wegen Wassermangels, weswegen Bauern nach Graben und Germersheim ausweichen müssten. Am 8. Januar 1873 wurde der Antrag von Domkleriker Antonius Knecht aus Speyer genehmigt, auf der Mühle einen Andachtsraum einrichten zu dürfen. Er Leuten der Gegend bei schlechtem Wetter den weiten Weg zur Kirche zu ersparen. Damals entstand auch die Kreuzigungsgruppe am Giebel. Zudem zierten den Bestand zwölf gehauene herrschaftliche Wappensteine.

Gebäude hat wechselvolle Geschichte

1769 erfolgte eine Renovation. Nach Cordels Tod wurde im März 1792 seine mit Müller Johann Peter Woll aus Stettfeld verheiratete Tochter Maria Eva Erbbeständerin. Sie starb 1824, ihr Mann 1828. Es folgte Sohn Valentin. Ab 1829 wurde die Straße von Neudorf zur Mühle und ab 1832 weiter nach Waghäusel gebaut. 1851 ging die Mühle in Wolls Eigentum über. In Erbfolge übernahm Sohn Josef Anton 1856 und nach 1887 dessen Sohn Hubert Anton.

Um 1870 kam das Aus für die Ziegelei. Bruchteile sollen noch um 1916 vorhanden gewesen sein. Am 27. August 1905 wurden in der Mühle dem Schneidermeisters Uhl aus seiner Werkstatt Kleider sowie seinem Gesellen Heinrich Ausweispapiere, Heimatschein und Verbandsmitgliedsbuch entwendet.

Hubert Woll überstand 1908 einen Konkurs sowie 1916 und 1917 Schließungen wegen Verstößen gegen behördliche Vorschriften und Müllereiverordnungen. Woll starb 1924. Im Juni 1933 empfahl sich seine Witwe Lisa der Kundschaft bei reeller und prompter Bedienung. Sie starb 1940. Mit Sohn Ernst Rudolf Woll, der 1945 Irma Kiefer heiratete, endete die Familientradition. Alexander Werner

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