Skip to main content

Spargel ohne Folie

Spargelstechen offiziell eingeläutet: Graben-Neudorf schwört auf Alleinstellungsmerkmal

In Graben-Neudorf stechen seit Mitte vergangener Woche Erntehelfer den ersten Spargel. Wie alljährlich wurde somit auch jetzt der Beginn des Spargelstechens mit einem offiziellen Akt symbolisch eingeleitet.

Start fürs Spargelstechen: Spargelhoheiten Victoria Edelmann, Susanna Saric und Josephine Herb mit Gerhard Hauk (von rechts vorne) und Bürgermeister Christian Eheim (links). Foto: Alexander Werner

Der Spargel-Startschuss auf dem Feld von Hermann Kammerer an der südlichen Ortszufahrt fiel wegen Corona im kleineren Kreis. Dazu blieb die nach getaner Arbeit ansonsten übliche Einkehr in ein Lokal auf der Strecke.

„Wir wollen den Spargel trotz Corona hochleben lassen. Wir können ihn auch im Lockdown essen und sagten, wir lassen es uns nicht nehmen, das Spargelanstechen zu eröffnen“, hob Bürgermeister Christian Eheim hervor. Um erntereifes Gemüse ausfindig zu machen, musste er mit die Spargelhoheiten und Gerhard Hauk als Vorsitzendem der örtlichen Spargelgenossenschaft ein wenig suchen.

Zum einen hatte der Regen die Risse im Wall verwischt, über die man hochkommende Spargelstangen orten kann. Zum anderen verzögert die kühle Witterung nach wie vor das Wachstum. Doch bald war das Bemühen mit geborgenem Spargelmesser und Kelle von Erfolg gekrönt. „So spät wie in diesem Jahr waren wir schon lange nicht mehr dran“, kommentierte Hauk die klimatischen Auswirkungen.

„Aber die Spargel werden alle kommen. So wird eben länger gestochen“, sagte er. Zeit bleibt noch reichlich. Zurückliegend sei man in der Regel schon vor dem traditionellen Saisonende am 24. Juni fertig gewesen, so Hauk. Nach dem Johannistag wird nicht mehr geerntet, damit sich die Pflanzen erholen können.

Alleinstellungsmerkmal des Spargels aus Graben-Neudorf

Klimabedingt fällt das Angebot in der Direktvermarktung der Anbauer über ihre Hofläden derzeit noch bescheidener aus. Spargel für „daham“ bietet im Lockdown die Wirtschaft „Zu schwarzen Katz“ an. Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde bleibt der Anbau ohne Folien. Bei Bürgermeister Eheim schwang Stolz mit, als er von der in der Gegend gängigen Charakterisierung Graben-Neudorfs als gallisches Dorf sprach. Denn der Anbau ohne Folien bleibt Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde.

Spargelanbau ohne Folie hat absolut Zukunft.
Bürgermeister Christian Eheim

Damit kommen die heimischen Spargel bei längerer Reifezeit eh später auf den Tisch. „Spargelanbau ohne Folie hat absolut Zukunft. Davon sind nicht nur wir überzeugt, sondern ebenso viele Leute, die extra deswegen aus der Umgebung und von weiter her zu uns kommen“, betonte Bürgermeister Eheim. Zudem wies er auf weitere Gemüsesorten hin, die frisch in den Hofläden zu haben sind. „Das steht gerade in dieser schwiegen Zeit um so mehr für Lebensqualität“, bekräftigte er.

Spargelkönigin und Prinzessinnen bleiben wegen Corona im Amt

Nun lässt sich schwer beweisen, dass Spargel aus folienfreiem Anbau tatsächlich besser ist. „Das mag schon sein. Aber der Geschmack ist einfach ein Besonderer und das wissen wir und andere sehr zu schätzen“, kandierte Hauck. Für die drei Spargelhoheiten gab es daran nichts zu deuteln. „Wir essen Spargel aus Graben-Neudorf und schwören auf den Anbau ohne Folien“, bezeugten Spargelkönigin Victoria Edelmann und ihre Prinzessinnen Josephine Herb und Susanna Saric.

Normalerweise werden Hoheiten jeweils im Spätjahr erkoren und beim Neujahrsempfang inthronisiert. Wegen der Pandemie blieben die drei jungen Frauen aber über ihre Amtszeit 2020 hinaus in ihren Würden. „Es gab für uns seit dem Lockdown 2020 fast nichts zu tun“, bedauerte Königin Victoria. Besuche bei der Bundeskanzlerin und dem Ministerpräsidenten fallen ebenso weg wie Auftritte in der Partnergemeinde Wilsdruff bei Dresden oder auf dem Maimarkt in Mannheim.

„Wir haben leider nicht viel gesehen. Daran ist nichts zu ändern. Wir müssen einfach abwarten“, resümierten die Prinzessinnen Josephine und Susanna. So freuten sie sich angesichts der wenigen Möglichkeiten, sich zu präsentieren, sehr über das Spargelanstechen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang