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Schweiß und Fleiß für knisterndes Kaminfeuer

Hobby-Waldarbeiter in der Hardt stehen in den Startlöchern

Weg frei für den Einsatz mit der Motorsäge: In Rheinstetten beginnt Ende Oktober der Holzverkauf. Das Angebot ist groß. Die Gründe dafür sind unerfreulich.

Mit vereinten Kräften: Sind die Bäume raus dem Wald, geht die Arbeit weiter. Bevor irgendwann ein Kaminfeuer knistern kann, müssen die Bürger das Holz in ofengerechte Form bringen. Foto: Arnd Waidelich

Ein Jahr hat Fritz Herling auf diesen Moment gewartet. In Schnittschutzanzug, mit Ohrenschützern, Handschuhen und Sicherheitshelm steht der Pensionär aus Spöck im Wald. Endlich. Kiefernduft mischt sich mit dem Geruch von Motorenöl und Benzin. Zwei-, dreimal zieht er am Anwerfseil. Die Motorsäge knattert, dann kommt sie auf Touren. Es geht los.

Für Herling ist Holz machen mehr als Heizen für wenig Geld. „Es ist ein kleines Hobby geworden“, sagt er. Seit mehr als 30 Jahren sorgt er mit Schweiß und Fleiß für knisterndes Kaminfeuer und ein behaglich-warmes Zuhause. „Es ist einfach ein sehr angenehmes Gefühl, sich im Winter an den Kachelofen zu stellen“, sagt er. „Außerdem kann ich nebenbei noch Stromkosten sparen.“

Es gibt wohl ein bisschen mehr Kribbeln, wenn man den Baum selber umsägen kann.
Alex Stolz / Forstrevierleiter in Rheinstetten

Herling und andere Bürger rund um Stutensee haben drei Möglichkeiten, um an das Holz aus dem Hardtwald und aus Teilen des Auenwaldes zu kommen: Sie kaufen Langholz, sie kaufen Schlagraum-Flächenlose oder sie fällen selbst. Das berichtet Alex Stolz, Forstrevierleiter in Rheinstetten. „Fällen ist heiß begehrt“, sagt er. „Es gibt wohl ein bisschen mehr Kribbeln, wenn man den Baum selber umsägen kann.“

Im Trend: Im Auen- und im Hardtwald greifen viele Menschen selbst zur Motorsäge. Solch dicke Bäume müssen sie allerdings den Profis überlassen. Foto: Tobias Hase picture alliance / dpa

Die Nachfrage nach Flächenlosen – also alles rausholen, was auf dem Boden liegt – nimmt nach Worten des Revierleiters ab. „Die Tendenz geht stärker zum Langholz am Weg.“ Laut Stolz liegt der Preis dafür bei rund 56 Euro pro Festmeter (entspricht laut Förster 38 Euro pro Ster), für Flächenlose bei zwölf bis 15 Euro. Beim Selbstfällen seien 25 bis 28 Euro je Ster fällig.

Holz ist ausreichend vorhanden

Erfreulich für alle Hobby-Waldarbeiter ist: Holz gibt es in diesem Jahr genug. „Nur Laubholz könnte knapp werden, aber Nadelholz brennt ja auch“, sagt Stolz. Unerfreulich für Naturfreunde sind dagegen die Ursachen für das große Angebot. Demnach sterben vermehrt Bäume aufgrund der Trockenheit ab und müssen gefällt werden. „Die Folgen der vergangenen drei Jahre bemerken wir kolossal“, sagt Stolz. „Außer der Deutschen Eiche und der Roteiche sind alle Arten betroffen.“

Auch Pilze und verschiedenste Käfer machen den Bäumen zu schaffen. Fällen ist nach Worten von Stolz die effektivste Möglichkeit gegenzusteuern. „Wir überwachen, wo Käfer sind, und sehen zu, dass wir die Bäume so schnell wie möglich aus dem Wald herausbekommen“, sagt er. Im Auenwald seien ferner Eschentriebsterben und Mistelbefall Grund, vermehrt Bäume einzuschlagen. Außerdem spielen Zwangsnutzungen eine Rolle. „Bäume müssen entfernt werden, bevor Äste herunterfallen und jemanden verletzen“, erläutert Stolz.

Versteigerung entfällt wegen der Corona-Verordnung

Am 27. Oktober geht nach Angaben von Stolz die Anmeldung für den Holzverkauf los. Eine Versteigerung wie in der Vergangenheit entfällt wegen der Corona-Verordnung. Stattdessen will der Forstrevierleiter individuelle Termine mit den Interessenten vereinbaren. Sobald die Bürger bezahlt und ihre Qualifikation zum Umgang mit der Kettensäge nachgewiesen haben, dürfen sie in den Wald ziehen. Zeit dafür haben sie bis etwa Ende März 2021.

Die Waldarbeit ist Balsam für mein Kreuz, ich hab dann viel weniger Probleme.
Axel Wuppermann / Hobby-Waldarbeiter aus Jöhlingen

In den Gemeindewäldern der Rheinebene im nördlichen Landkreis Karlsruhe sieht es etwas anders aus. Nach Angaben von Oberforstrat Lothar Himmel können die Bürger in Linkenheim-Hochstetten und in Eggenstein-Leopoldshafen voraussichtlich Anfang Dezember Holz per Handzeichen erwerben. „Jeder Revierleiter entscheidet individuell, ob die Vergabe als Versteigerung erfolgt“, sagt er.

Manche Gemeinden haben eher etwas mehr als genug Holz, in anderen könnte es knapp werden.
Lothar Himmel / Oberforstrat

Interessant wird es in seinem Einzugsgebiet mit der Frage nach der verfügbaren Menge. „Manche Gemeinden haben eher etwas mehr Holz als genug, in anderen könnte es knapp werden.“ Entsprechend gebe es bereits Überlegungen, „das gemeindeübergreifend auszugleichen“.

In Jöhlingen steht Axel Wuppermann schon jetzt in den Startlöchern. Rund zehn Ster verheizt er jeden Winter, seit drei Jahren macht er sein Holz selbst. Das bringt ihm jede Menge Vorteile. Er spricht von „emotionaler Wärme“, „super günstigen Preisen“ und von Umweltschutz. Nicht zuletzt sei die Waldarbeit sein persönliches Fitnesstraining. „Ich bin immer nassgeschwitzt bis oben hin“, sagt er. „Aber die Waldarbeit ist Balsam für mein Kreuz, ich hab dann viel weniger Probleme.“

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