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Training bei Vereinen

Immer mehr junge Frauen: Interesse an Kampfsportarten im Landkreis Karlsruhe steigt

Die Kampfsportler im nördlichen Landkreis von Karlsruhe kehren zurück auf die Matten. Dabei fällt auf: Das Interesse an asiatischen Kampfsportarten steigt wieder. Zurückzuführen ist das vor allem auf einen Grund.

Sicheres Auftreten: Schon das Wissen um die eigene Stärke kann eine gefährliche Situation verhindern. Foto: Leonie Wiegel

Kampfsport liegt im Trend. Zwar hatten die Vereine in den Gemeinden nördlich von Karlsruhe ebenso wie andere Sportvereine in Zeiten des Lockdowns ihren Kontaktsport nicht ausüben können. Allmählich kehrt jedoch wieder Normalität ein und die Sportler kehren zurück auf die Matten.

Eine Umfrage bei Anbietern von Karate, Judo, Taekwondo oder Wing Chun in der Region veranschaulicht, aus welchen Gründen die asiatischen Kampfkünste von den Aktiven betrieben werden.

Neben der Freude am Sport im Allgemeinen steht auch die Fähigkeit, sich in bedrohlichen Situationen verteidigen zu können, bei Novizen ganz oben auf der Liste, berichten Trainer.

Kampfsport im nördlichen Landkreis Karlsruhe: Wie sich Kinder behaupten können

„Die Nachfrage steigt langsam wieder, gerade bei Kindern und Jugendlichen“, sagt Harald Kern, Vorstand von Karate-Do Linkenheim-Hochstetten. Immer wieder höre er von Eltern, dass es ihnen auch darum gehe, dass sich ihre Kinder im Schulhof behaupten können, wenn sie dort Aggressionen ausgesetzt seien. Gewaltprävention sei ein wichtiges Thema.

Der Sport fördert das Selbstbewusstsein, sodass es erst gar nicht zu schwierigen Situationen kommt.
Harald Kern, Karate-Do Linkenheim-Hochstetten

„Wir üben auch Situationen ein, wie sich Kinder verhalten, wenn sie von Mitschülern blöd angemacht oder von Erwachsenen belästigt werden“, sagt Kern. Aber in erster Linie sei Karate ein Gesundheitssport mit vielen positiven Aspekten, bei dem die Koordination im Fokus stehe. „Was natürlich auch entscheidend ist: Der Sport fördert das Selbstbewusstsein, sodass es erst gar nicht zu schwierigen Situationen kommt. Da sich die Täter zumeist eher Schwächere als Opfer suchen“, sagt der 61-Jährige.

Immer mehr Mädchen wollen effektive Selbstverteidigung lernen

Sicheres Auftreten sei ein wichtiger Aspekt, den die asiatischen Kampfkünste vermitteln, meint auch Tobias Ries, Betreiber der Wing Chun Akademie Stutensee. Wing Chun sei eine chinesische Selbstverteidigungskunst, die helfe, in kürzester Zeit aus problematischen Situationen herauszukommen.

„Eine Frau kam zu uns, weil sie vor einiger Zeit belästigt wurde. Ihr Ziel war es, die Angst zu verlieren und ihre Sicherheit zurückzugewinnen“, berichtet Ries. Immer mehr Mädchen würden sich mittlerweile zu Kursen anmelden, um die Strategie der effektiven Selbstverteidigung zu erlernen.

Auch im Ferienprogramm der Gemeinde Stutensee gibt es mittlerweile ein Angebot zur Selbstverteidigung für Kinder. Geeignet sei die Mischung aus verschiedenen Kung-Fu-Stilen jedoch für Aktive in jedem Alter.

Selbstbewusstsein, Disziplin, Spaß: Warum Kampfsport so beliebt ist

„Ich höre immer öfter, dass es Eltern wichtig ist, dass ihre Kinder Disziplin vermittelt bekommen“, sagt Tobias Weingärtner, Betreiber des Shinki Dojo Walzbachtal. Er lehrt die japanische Kampfkunst Aikido, bei der es darum geht, die aggressive Energie des Angreifers wieder zurückzugeben, ohne dass dabei jemand verletzt werde. Der Wettkampf stehe nicht im Fokus.

Dann merkt das Kind: Ich kann mich durchsetzen, auch in einer Grenzsituation.
Tobias Weingärtner, Shinki Dojo Walzbachtal

„Die Stärkung des Selbstbewusstseins ist ein elementarer Aspekt. Wenn ein Kind sieht, es kann bei Rangeleien bestehen, auch wenn andere an ihm ziehen und zerren, dann merkt es: Ich kann was. Ich kann mich durchsetzen, auch in einer Grenzsituation“, sagt der Übungsleiter. Bei Aikido könne sich der Nachwuchs spielerisch austesten.

Das Interesse für den Kampfsport, der in Walzbachtal beim TV Wössingen angesiedelt ist, sei gerade bei Frauen da. Dies kann Wolfgang Brückel, Chef von Taekwondo Pfinztal, nur bestätigen. „Die Nachfrage nach Selbstverteidigung steigt, gerade auch bei Frauen.“

Er betont ebenfalls den Aspekt des Wissens um die eigene Stärke, die oftmals dafür sorge, dass es gar nicht erst zu einer prekären Situation komme. Auch das Bedürfnis von Eltern, ihre Kinder in Kampfsport-Vereine zu schicken, hat Brückel, zugleich Präsident der Taekwondo-Union Baden-Württemberg, trotz des Stillstands während der Hochphase der Pandemie zuletzt wieder registriert.

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