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Geschichte des „Schmuckkästchens der unteren Hardt“

Das Fischerheim auf der Insel Rott hat schon viele Krisen und genauso viele Neuanfänge erlebt

Das Fischerheim auf der Insel Rott hat eine bewegte Geschichte. Von seiner Errichtung 1959 bis heute hat das „Schmuckstück der unteren Hardt“ viel durchgemacht. Und sich dabei immer wieder neu erfunden.

Einladende Idylle: Um 1980 ließ das Pächterehepaar farbenfrohe Werbekarten für das Fischerheim auf der Hochstetter Insel Rott drucken. Das Motiv zeigt auch die Drehbrücke. Foto: Foto alt: Freundeskreis Heimatgeschichte

Von Alexander Werner

Ende Juli 2018 erwischte es die Gastronomie auf der Hochstettener Insel Rott hart. Wegen mangelnder Tragfähigkeit wurden beide Zufahrtsbrücken aus Sicherheitsgründen auf ungewisse Zeit für Kraftfahrzeuge gesperrt. 2019 waren sie temporär wegen der Sanierungsarbeiten komplett dicht.

Nach der Freigabe im Spätsommer 2019 brachte die Corona-Pandemie für das Restaurant Insel Rott und das Fischerheim die nächste Krise. Kaum hatte Tola Duong 2018 als neuer Pächter die Gaststätte des Fischerheims eröffnet, begann die Krisenzeit.

Aktive des Anglervereins hatten ihr Domizil ab 2016 nach der 23-jährigen Pachtzeit von Rüdiger Schmidt vor allem innen aufwändig renoviert. Das einst als „Schmuckkästchen der unteren Hardt“ gerühmte Fischheim hatte es dringend nötig.

Einweihung am 19. August 1959

Die Gründung des Anglervereins am 27. September 1957 fiel in die Zeit einer Neuverpachtung der Gewässer. Im Juni 1958 fand das erste große Hochstettener Fischerfest enormen Zustrom. Eine erste von der Eppinger Brauerei Palmbräu errichtete Schutzhütte blieb für die Angler 1958 nur eine Episode. Im Frühjahr 1959 wurde der Bau eines Fischerheims genehmigt mit zügigem Arbeitsbeginn in Eigenleistung.

Zum Fischerfest im Juni stand der Rohbau und am 19. August erfolgte die Einweihung. Erster Pächter wurde damals Fritz Mayer aus Hochstetten. Zu Silvester 1959 lud der Verein zum gemütlichen Jahresausklang mit reichhaltiger Speise- und Getränkekarte.

Schon 1960 kommt die erste Erweiterung

1960 schüttete Kieswerksbetreiber Weisenburger wie schon den Hügel den Parkplatz auf. Künftig stand bei Fischerfesten dort ein Zelt. Schon 1961 gab der Verein bekannt, dass östlich ein Erweiterungsbau erstellt wird. Nach intensiven Arbeitseinsätzen wurde er am 9. November 1962 eingeweiht.

Im Oktober 1963 warb Familie Mayer zu Kirchweih mit Rehbraten und Fisch und 1965 mit Spezialitäten wie Barsch, Zander, Hecht und Rheinfischen. Nach Mayer war der Karlsruher Gastronom Heimrich Traxel mit Konzessionsgesuch von Anfang Juli 1966 allenfalls kurz Wirt. Bereits im September 1966 erhielt Christa Baumstark die Genehmigung. Es folgten 1967 Hartwig Krumholz und von 1969 bis 1979 Christa und Günter Kraus.

Den Betrieb beförderte bei nunmehr breitem Zuspruch, dass die Insel am 2. Dezember 1967 elektrischen Strom erhielt. Allerdings bedingten Defizite bei Wasserversorgung, Heizung, Sanitäranlagen und Wohnmöglichkeiten 1970 den Beschluss für eine Erweiterung mit Umbau. Einweihung war am 8. September 1971. Zudem wurde ein neuer Brunnen gebaut.

Gewässerpflege war Pflicht

Als die Kiesförderung am Baggersee Giesen anlief, schloss der Verein 1974 auch dafür einen Pachtvertrag mit Angelfreigabe 1977. Das Fischerheim wurde 1979 umfassend renoviert. Es erhielt ein neues Geschäftszimmer und Kühlräume.

Der Verein führte damals auch Pflichtstunden ein für Reinigungs-, Hege- und Pflegearbeiten an den Gewässern. Es sind die Baggerseen Insel Rott Nord und Süd sowie Giesen, Altrhein Insel Rott und das Herrenwasser bei der östlichen Franzosenschließ. Diese baute das Regierungspräsidium 2018 neu, ohne das Wirtschafts- und Ausfluggeschehen auf der Tourismusinsel zu beeinträchtigen.

Die Eheleute Kling ließen als neue Pächter ab 1979 eine große Zahl von Ansichtskarten drucken. Allerdings beendete der Tod von Kling die Pachtzeit bereits 1982. Johanna König führte die Gaststätte bis 1987.

Noch im gleichen Jahr erhielt Ursula George die Konzession und übernahm den Betrieb mit ihrem Mann Erhard. Wie er berichtet, habe er deswegen sein 1980 angetretenes Amt als Anglervereinsvorsitzender aufgegeben.

Im Fischerheim sei Hochbetrieb bis an die Grenze gewesen mit in der Küche zehn und bis zu acht Leuten in der Bedienung. Angefangen hätten seine Frau und er mit der Terrassenbewirtschaftung und dem Räuchern von Fischen.

In Zeiten von Schmidt ab 1992 gab es 2005 noch eine Dach- und Fassadensanierung. Viel mehr tat sich nicht mehr und der Lokalbetrieb schwächte sich ab. Die Renovierung und Neuverpachtung 2018 sollte dann frischen Schwung bringen.

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