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Rheinpegel steigt

Inhaber auf der Insel Rott fürchten sich vor neuen Fluten

Die Inhaber des Restaurants auf der Insel Rott versuchen sich über Hochwasser zu halten. Das Lokal steht zwar auf dem höchsten Punkt der Insel. Aber bei echtem Hochwasser reicht das nicht.

Noch blieb dem Fischrestaurant auf der Insel Rott das Schlimmste erspart. Sollte der Pegel weiter steigen, drohen schwere Schäden. Foto: Alexander Werner

Land unter auf der Insel Rott bei Hochstetten: Die Wassermassen haben sich ihren Weg bis zum Damm gebahnt. Damit steht die Zufahrt zu dem beliebten Ausflugsziel bereits ein gutes Stück vor der Altrheinbrücke komplett unter Wasser.

Der Altrhein dehnte sich zwischen den beiden Brücken massiv aus. Am Damm bildete sich zum Wald hin ein Kanal. Für Werner Roth ist er Anlegestelle für sein Boot, mit dem er zu seinem „Restaurant Insel Rott am Rhein“ fährt.

Die Tour zur eigentlichen Insel mutet exotisch an. „Der Anblick ist schön. Das hat was“, sagte er beim Durchschippern eines von Bäumen und wildem Bewuchs umsäumten neuen Seitenarms in Richtung Baggersee. Am erhöht angelegten Fischerheim sind die Kellerfenster halb bedeckt. „Dort laufen die Keller immer voll und füllen sich bis zur Hälfte mit Schlamm“, erklärt Roth und erzählt von zurückliegenden Feuerwehreinsätzen.

Die davor liegende Drehbrücke ist mitsamt Fahrbahn und Geländer bis auf die noch herausragenden Metallstreben im Wasser verschwunden. Das Fischspezialitätenrestaurant im Wald, das Roth mit seiner Frau Cornelia in dritter Generation betreibt und in dem er auch wohnt, bildet nun eine eigene Insel. Vom Gartenlokal sind nur obere Schirmteile sichtbar geblieben. Am Aufgang hat das Wasser die zweite Treppenstufe erreicht.

Steigt der Rheinpegel auf 8,70 Meter, wird es kritisch

Das Lokal hat sich zu einem stattlichen Anwesen entwickelt, seit der Berufsfischer Heinrich Schmitz nach dem Krieg ein erstes Häuschen erstellte. „Mein Großvater wählte den höchsten Punkt. Das ist vorteilhaft bei Hochwasser“, sagt Roth. „Der Keller wurde wasserdicht gebaut und ist es nach 40 Jahren noch einigermaßen.“

Die Drehbrücke beim Fischerheim ist bis auf Metallstreben komplett im Wasser verschwunden. Bis zum weiter entfernten Damm drangen von dort die Wassermassen vor. Foto: Alexander Werner

Bei einem Rheinpegel bei Maxau von 8,50 Metern drohen noch keine erheblichen Schäden. Doch das Ehepaar rechnet mit einem baldigen Anstieg auf 8,70 Meter. „Sollte es noch darüber steigen und den Eingang erreichen, wäre das extrem und auch der Keller bedroht, befürchten sie. Dort seien Heizung, Elektrik und Lüftung untergebracht.

Hochwasser gab es schon im Frühjahr. „Wir leben damit“, betont Cornelia Roth. Beide erinnern sich nur allzu gut an 1999, als der Pegel mit 8,84 Metern einen Rekordstand erreichte und sie versuchten, das Haus mit Platten zu schützen.

„Seit die EnBW vor 15 Jahren Unterwasserleitungen legte, blieben wir von Stromausfällen verschont. Zudem besitzen wir einen eigenen großen Generator“, so Roth. Was aber bereits Probleme bereite, sei das Gas. Weil über den Leinpfad kein Versorger mehr liefern kann, spart die Familie auch beim Warmwasser.

Hochwasser bringt Schlamm und Müll auf die Insel Rott

Aber was kommt nach dem Wasser? „Viel Arbeit“, sagen die beiden. Das schlimmste sei der Schlamm, den man versuche, auch mit schwerem Gerät wegzuspülen. Die Hoffnung sei, dass das zurückgehende Wasser so viel mit möglich davon mit sich gen Rhein nehme.

Das andere Problem ist der Müll. „Es ist unglaublich, was an Müll und besonders an Plastik und Glas eingespült wird“, klagt Cornelia Roth. Herr werden kann die Familie des Mülls trotz ihrer Sammelaktionen allein nicht.

Rein geschäftlich setzt sich mit dem Hochwasser nach den Brückenschließungen ab 2018 und der folgenden Corona-Pandemie eine Misere fort. Gerade mal eine Woche hatte das Lokal nach neuerlichen acht Monaten Corona-Pause Anfang Juli wieder offen, als das Wasser kam.

Bis auf einige Minijobber und Teilzeitkräfte hat das Ehepaar den Stamm von 14 Mitarbeitern durchgehend bewahrt. Überbrückungsgelder gingen erst im Juni ein. Das Kurzarbeitergeld gibt es bei Hochwasser nicht mehr. „Ohne Einsatz unserer Rücklagen und mit Krediten hätten wir den Betrieb nicht über Wasser halten können“, sagt das Ehepaar.

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