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Verbotsschilder überall

Unterwegs auf der Insel Rott: Wie Passanten zur Pappel-Posse auf der Altrheininsel stehen

Auf der Altrheininsel Rott halten mehrere Verbotsschilder die Menschen seit kurzem vom Spaziergang um die Insel ab. Denn 80 Pappeln, die gefällt werden müssten, müssen laut Regierungspräsidium bleiben. Wie kommt das bei den Leuten an?

Mit dem Hund unterwegs: „Es ist schade“, sagt Gemeinderat Jürgen Müller zur Situation. Foto: Patric Kastner

„Sie wären hier gerne gelaufen? Wir hätten es Ihnen gerne ermöglicht! Leider hat uns die höhere Naturschutzbehörde die nötigen Verkehrssicherungsarbeiten versagt.“ Das ist mal eine Aussage. Und die steht auf Schildern der Gemeinde Linkenheim-Hochstetten am Anfang der Wege, die um die Altrheininsel führen.

Um was geht es? Um auf den Punkt zu kommen, geht es um 80 Pappeln, die schon längst hätten gefällt werden müssen. In 20 von ihnen finden Fledermäuse ihr Zuhause. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat den Plänen der Gemeinde Linkenheim-Hochstetten einen Strich durch die Rechnung gemacht, die Bäume zu fällen und anstelle der Pappeln unter anderem Eichen zu pflanzen.

Hier geht’s nicht weiter: Die Gemeinde Linkenheim-Hochstetten hat Schilder aufstellen lassen, auf denen sie bedauert, dass Spaziergänger den Rundweg nicht nutzen können. Foto: Patric Kastner

Eine halbe Stunde nach Arbeitsbeginn wurde die Pappel-Fällung abgeblasen

Mittwochmorgen auf dem Hochwasserdamm: „Ich finde es sehr schade“, sagt Jürgen Müller. Der Gemeinderat aus Linkenheim-Hochstetten ist mit dem Hund unterwegs. Er sieht die Situation als Einschnitt bei der Naherholung. Der Fußweg sei viel genutzt worden. „Ich kenne die Auenwälder in- und auswendig“, betont er. Er verstehe nicht, warum die obere Naturschutzbehörde das Argument, ein Refugium zu schaffen, nicht in Betracht gezogen habe.

„Die Insel hat was“, sagt er. Die Fledermäuse hätten, wenn man die Bäume im September oder im Oktober gefällt hätte, dennoch ein Zuhause gefunden. „Wir wollen, dass die Natur und die Tiere ein Zuhause haben“, erklärt er. Man sei darauf bedacht, den Wald grün zu halten und dass dieser mit dem Klimawandel mithalten könne.

Wenig später hält Förster Friedhelm Booms mit dem Auto am Weg und redet kurz mit Müller. „Es war alles vorbereitet“, betont er. Die Firmen seien bereitgestanden, „und dann war es enttäuschend, dass eine halbe Stunde nach Arbeitsbeginn alles abgesagt wurde“, sagt er. Die Steine seien schon gekippt gewesen, das THW hätte dann zwei Tage später, am 19. September, die Brücke gebaut. Am 21. September hätten die Arbeiten begonnen, 14 Tage später wäre der Holzeinschlag beendet gewesen. Man hätte die Hybrid-Pappeln entnommen und dafür einen Mischwald, bestehend aus Stieleiche, Feldahorn und Wildobst, gepflanzt.

„Das ist ein Witz“, sagt auch Müllers Sohn Norman. 38-Jährige ist ebenfalls mit dem Hund auf dem Damm unterwegs. 150 Meter weiter fälle man Bäume der gleichen Art. Das Pumpwerk, ein über 100 Jahre altes Gebäude in Linkenheim-Hochstetten, habe man abgerissen. Dies sei Zuflucht für viele Tierarten gewesen. Norman Müller sieht in der Situation beispielsweise auch eine Gefahr für Kinder im Grundschulalter, die vielleicht die Verbotsschilder, die die Gemeinde dort aufgestellt hat, nicht lesen.

Auf dem Hochwasserdamm: Norman Müller ist mit seinem Hund unterwegs. Die ganze Situation sei weder für Gäste, Gemeinde oder die Angler zufriedenstellend, sagt er. Foto: Patric Kastner

Müller veranstaltet das Pirate Beach Open Air am Baggersee Giesen und ist, wie er sagt, seit seinem zehnten Lebensjahr Angler. Beim ganzen südlichen Teil der Insel Rott sei nur die Befischung mit dem Boot möglich, da es das Betretungsverbot gebe und die Gefahr drohe, dass Äste herunterbrechen. Man zahle als Angler den vollen Beitrag, könne die Gewässer aber nicht richtig nutzen. „Da bleibt nur der Baggersee und der Rheinniederungskanal“, erklärt er.

Passant Erich Heitz: „Wenn es nur an den Fledermäusen hängt, verstehe ich es nicht ganz“

Das Regierungspräsidium argumentiert, dass das Angeln am Baggersee und am Altrheinarm bei der Insel Rott in weiten Teilen noch möglich sei. Von dem Betretungsverbot sei nur ein Teil der vom Ufer aus befischbaren Bereiche als eines von mehreren Pachtgewässern betroffen. Die Fischerei vom Boot aus dürfte wenig beeinträchtigt sein. Die Frage, ob und unter welchen Bedingungen die Gewässer zum Angeln verpachtet werden, sei Angelegenheit der Gemeinde als Eigentümerin der Gewässer.

Diplomatisch gesprochen hält Müller die komplette Situation für bescheiden und für alle nicht zufriedenstellend: weder für die Angler, noch für die Gemeinde oder die Gäste, die dort spazieren gehen. Und obwohl das Wetter gerade nicht optimal ist an diesem Morgen, trifft man hin und wieder auf Nordic Walker, wie zum Beispiel Erich Heitz und Günther Hartlieb in der Nähe des Rheins. Zehn Kilometer wollen sie an diesem Tag zurücklegen.

Ausweichmöglichkeiten für Spaziergänger: Günther Hartlieb und Erich Heitz bei ihrer Nordic-Walking-Runde am Rhein. Foto: Patric Kastner

Im ganzen Hardtgebiet seien sie unterwegs. Im Sommer mit dem Rad und jetzt mit den Nordic-Walking-Stöcken. Dass man den Rundweg nicht benutzen kann, stört Heitz wohl weniger. Man habe als Wanderer oder Spaziergänger viele Wege, auf denen man laufen könne, sagt er. Also, Ausweichmöglichkeiten. Für die Angler sei es jedoch keine schöne Situation. Dass die Gemeinde Schilder aufgestellt hat, um auf Gefahren aufmerksam zu machen, hält er für sinnvoll. „Fledermäuse gibt es überall. Wenn es nur an denen hängt, verstehe ich es nicht ganz“, sagt hingegen Hartlieb.

Dass die Gemeinde Schilder aufgestellt hat, ist Andreas Falta noch nicht aufgefallen, „weil ich immer in Richtung Rhein gehe“, sagt er. Schauen, wie hoch das Wasser ist, die Schiffe, die vorbeifahren,auf sich wirken lassen. Der IT-Administrator hat sein Auto in der Nähe des Lokals geparkt und verbringt die Mittagspause auf der Altrheininsel. Falta arbeitet zurzeit im Homeoffice. „Corona halt“, sagt er.

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