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Doppelt so viele Tiere wie in den Nachkriegsjahren

Nicht jeder ist darüber glücklich: Störche fühlen sich im nördlichen Landkreis Karlsruhe wieder wohl

Bis vor sieben Jahren siedelten Naturschützer ganz aktiv Störche im nördlichen Landkreis Karlsruhe an. Doch die Zeit der Hilfe durch die Menschen ist vorbei.

Kleine Attraktion in Weingarten: Rund 35 Störche suchen die Felder ab. Foto: Catrin Dederichs

Die Wiederansiedlung des Weißstorchs ist eine Erfolgsgeschichte. „Es wird Zeit, dass wir loslassen und den Vogel nicht weiter unterstützen“, sagt Hermann Geyer. Der Vorsitzende des Verein für Vogel- und Naturschutz Dettenheim (VVND) spricht von dem Paradebeispiel für erfolgreichen Naturschutz.

An der erfolgreichen Rückkehr der Weißstorchs in die Dörfer im nördlichen Landkreis Karlsruhe hatten die Dettenheimer Naturschützer großen Anteil. „Von etwa 1990 bis 2013 haben wir jedes Jahr Jungstörche, die von unserem in einer großen Voliere gehaltenen Storchenpaar stammten, in der Region ausgewildert“, erzählt Hermann Geyer.

Insgesamt seien es circa 80 Jungstörche gewesen, sagt VVND-Mitglied, Fritz Meier, der im Auftrag der Vogelwarte in Radolfzell die Jungstörche im nördlichen Landkreis beringt.

Viele der Weißstörche, die heute in der Region brüten, sind also Nachkommen der Dettenheimer Störche. Aber schon 2013 hat der VVND sein Storchen-Wiederansiedlungsproramm eingestellt. „Wir waren und wir sind der Meinung, dass wir so viele Störche in der Region haben, dass die Art nicht weiter durch den Menschen unterstützt werden muss“, erklärt Hermann Geyer.

Doppelt so viele Störche in der Region wie in den Nachkriegsjahren

Mittlerweile sind in allen Rheinanliegergemeinden rund um Dettenheim wieder Störche zu beobachten. Aber nicht nur direkt am Rhein, sondern auch in Stutensee, in Graben-Neudorf, Hambrücken, Forst und in anderen Gemeinden ziehen heute wieder Storchenpaare ihren Nachwuchs groß. „Im Norden des Landkreises Karlsruhe nimmt die Zahl der brütenden Weißstörche immer noch zu“, berichtet Fritz Meier.

„Tatsächlich leben heute fast doppelt so viele Störche in der Region wie in den Nachkriegsjahren und damals hatten wir noch deutlich mehr Feuchtwiesen und Feuchtgebiete als heute“, erklärt Geyer. Viele dieser natürlichen Lebensräume sind in den letzten Jahrzehnten unter Neubaugebieten oder landwirtschaftlichen Nutzflächen verschwunden.

Deshalb hat sich Adebar mit seinen Kollegen häufig in Vogelparks wie in Forst oder in Linkenheim-Hochstetten angesiedelt. „Dort profitieren Störche von den toten Küken und anderem Futter, das an die gefiederten Bewohner der Vogelparks verfüttert wird“, erklärt Geyer.

Plastikmüll in Storchengewöllen und in Nestern

Aber nicht nur diese neuen Futterquellen hat der anpassungsfähige Storch entdeckt. „Viele Vögel überwintern heute in der Nähe von Mülldeponien in Spanien und auch in Deutschland, weiß Fritz Meier.

Allerdings stammt der Plastikabfall, den eine Karlsruher Studentin bei der Untersuchung von Storchengewöllen nachgewiesen hat und der häufig auch in Storchenestern verbaut wird, nicht nur von Mülldeponien. Die gesundheitsschädigenden Plastikreste findet man auf vielen Äckern und auch in vielen Vogelnestern reichlich.

Auch in der Region überwintern immer mehr Störche. Das Futter in den Vogelparks und die milden schnee- und eisfreien Winter machen es möglich. „Die beiden Störche aus Oberhausen-Rheinhausen, die wir letztes Jahr besendert haben, sind allerdings beide zum Überwintern bis nach nach Marokko geflogen“, erzählt Meier.

Beliebtheit des Storchs sinkt

Informationen über das Schicksal der vielen in der Region beringten Jungstörche gibt es aber nur von vier Vögeln. „Deren Ringe wurden in Mali, einem der ärmsten Länder der Welt aufgefunden“, erzählt Hermann Geyer. Er vermutet, dass die Vögel verspeist wurden.

Das Ende im Kochtopf droht Adebar in der Region zwar nicht, aber seine Beliebtheitswerte sinken. „Es kommt immer häufiger zu Konflikten zwischen Mensch und Storch“, berichtet Meier. Vor allem wenn Adebar versucht auf dem Schornstein eines Hauses oder im Bereich von Sonnenkollektoren ein neues Nest zu bauen, sind Hausbesitzer wenig begeistert.

„Dazu kommt, dass sich inzwischen so viele Störche um die Nahrung in den wenigen intakten Wiesengebieten streiten, dass die Vögel für die Artenvielfalt in diesen Flächen nicht unbedingt förderlich sind“, erklärt Hermann Geyer, warum er glaubt, dass die Wiederherstellung von geeigneten Lebensräumen heute wichtiger sei als die Ansiedlung weiterer Störche.

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