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FSJ tut Gesellschaft gut

Ohne Freiwillige würde vieles in sozialen Einrichtungen im Landkreis Karlsruhe nicht laufen

Sie kommen, um zu lernen. Und am Ende steht eine Entscheidung, die das Leben prägt. Eine Freiwilliges Soziales Jahr kann viel ändern. Zweifel an den Zukunftsplänen oder die Entdeckung

Der 19-jährige Lukas hat seine Berufung im FSJ gefunden. Seine Arbeit im Kindergarten in Berghausen dreht sich vor allem um die Betreuung der Kinder, hier Liam, Hannah und Leni (v.l.). Foto: Holger Keller

Es hört sich ein bisschen nach verträumter Selbstverwirklichung an: Freiwilliges Soziales Jahr. Ein Ferienausflug in den Zoo oder ein Museumsbesuch, dazwischen entspannen. Brutal anders sieht es aber in Wirklichkeit aus.

„Ohne die Unterstützung von Menschen in einem FSJ oder im Bundesfreiwilligendienst könnten wir die Arbeit hier gar nicht machen“, sagt Andrea Zebrowski.

Sie ist Leiterin des Kindergartens Rasselbande in Pfinztal-Berghausen und würde auch noch mehr Freiwillige für die soziale Arbeit einspannen. „Wenn wir wollten, könnten wir noch mehr einstellen“, sagt sie.

Drei Freiwillige arbeiten im Kindergarten in Pfinztal-Berghausen

„Die Nachfrage ist groß, wir könnten im Prinzip sofort immer jemanden Neues holen“, sagt Zebrowski. Man arbeite mit einer Agentur zusammen, die binnen zwei Wochen neue Kandidaten für das FSJ zusammen habe, so die Kita-Chefin. Drei Freiwillige arbeiten in der Kita in Berghausen. Einer ist im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes da, zwei andere sind im Freiwilligen Sozialen Jahr.

Ich bin eher der Praktiker, muss etwas Praktisches tun.
Lukas aus Mühlacker über seinen Dienst im FSJ

Einer davon ist Lukas aus Mühlacker. Für ihn kam die Möglichkeit für ein FSJ genau richtig. Corona hatte ihn ausgelaugt. „Ich bin in der Schule nicht mehr weitergekommen, kannte meinen Wert nicht“, so der 19-Jährige über eine Zeit, in der es für Schüler schwer war. Vergangenes Jahr, zwischen Homeschooling und Hybridunterricht, entschloss er sich, nach der zwölften Klasse abzubrechen und ein Soziales Jahr einzulegen. „Ich bin eher der Praktiker, muss etwas Praktisches tun.“

Für Lukas ist es der Einstieg in neues Leben. Er wird im September im Kindergarten seine Ausbildung beginnen, weil er durch die Erfahrungen in Berghausen in seiner Wahl überzeugt wurde. „Die Arbeit mit Menschen liegt mir einfach.“

FSJ wird von jungen Menschen für Berufsorientierung genutzt

Manchmal kommt es aber auch anders. Der 17-jährige Kevin absolviert sein FSJ im Schülerhort Linkenheim-Hochstetten. „Los geht es, je nach Schicht, um 7 oder 7.30 Uhr“, sagt er. Der Karlsruher hatte schon Praktika in Kindergärten absolviert, er kennt die Arbeit in den Einrichtungen. Das FSJ aber, betont er, hat seine Sicht geändert.

„Dadurch, dass ich nun nicht mehr eine Woche, sondern über Monate arbeite, habe ich bemerkt, wie anstrengend die Arbeit ist“, sagt er. „Das FSJ ist einfach eine andere Erfahrung.“ Der Jugendliche hat sich nun umentschieden: Statt sozialer Arbeit wird er ab September eine Ausbildungsstelle im Industriebereich antreten.

Dass FSJler oder die sogenannten „Bufdis“ des Bundesfreiwilligendienstes ihre Zeit zur Berufsorientierung nutzen, ist übliche Praxis. Und nicht verkehrt, wie Frank Huck, Leiter des Seniorenzentrums „Am Losenberg“ in Walzbachtal bestätigt: „Wir hatten zuletzt zwei FSJler bei uns in der Einrichtung. Sie sind nach dem Einsatz geblieben und stehen jetzt in Ausbildung bei uns.“

Für Pflegeeinrichtungen seien die Dienste gute Möglichkeiten, ihr Leistungsspektrum vorzuführen. Und die Teilnehmer könnten erste, wirkliche Erfahrungen in der Arbeit sammeln. Freilich, nicht jede Tätigkeit ist gemacht für einen FSJler, der zunächst ohne entsprechende Qualifikation einsteigt. „Wir setzen die Menschen dann vor allem in der Alltagsbetreuung unserer Bewohner ein“, sagt Huck.

Gemeinden im Landkreis Karlsruhe sind für die FSJ-Helfer dankbar

Dankbar für die Freiwilligen sind auch einige Gemeinden in der Region. „Bufdis und FSJler sind für uns eine große Unterstützung“, erklärt Petra Everling, Sachgebietsleiterin für das Personal der Gemeinde Graben-Neudorf.

Die Menschen haben sich bewusst dafür entschieden, sie sind auch motiviert bei der Arbeit.
Petra Everling, Sachgebietsleiterin in Graben-Neudorf

Die Beschäftigten im Kindergarten Sonnenschein und der Pestalozzi-Grundschule profitierten von den Leistungen der fachfremden Betreuer. „Die Menschen haben sich bewusst dafür entschieden, sie sind auch motiviert bei der Arbeit“, so Everling.

„Wir haben durchweg positive Erfahrungen gesammelt“, betont Swen Goldbwerg von der Gemeinde Dettenheim. Der Kontakt mit den Kinder in der kommunalen Schulkindbetreuung habe auch zur positiven Persönlichkeitsentwicklung der Freiwilligen geführt.

In Dettenheim sieht man aber auch die Grenzen des Konzepts: Es soll Orientierung bieten und nicht zielführend in einer Ausbildung münden. Eine sinnvolle Ergänzung zu vorhandenem Personal stelle der freiwillige Dienst in jedem Fall dar. Eine Fachkraft, so Goldberg, könne er aber nicht ersetzen.

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