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Keine Termine, lange Wege und Selbstorganisation:

Ambulante Pflegefachkräfte im Landkreis Karlsruhe kritisieren Vorgehen bei Corona-Impfung

Die Vertreter ambulanter Pflegedienste kritisieren, dass der Anmeldeprozess zur Impfung gegen das Coronavirus für Senioren ein Hindernis darstellt. Eine weitere Hürde sei es, dass die Senioren dann zu einem Impfzentrum kommen.

Piks gegen Corona: Während in Alten- und Pflegeheime mobile Impfteams kommen, sind Senioren, die zu Hause gepflegt werden, auf Unterstützung angewiesen. Foto: Thomas Rebel

Hürden - die gibt es in der ambulanten Pflege, wenn sich Pflegefachkräfte oder Patienten gegen das Coronavirus impfen lassen wollen. „Wir haben die Codes bekommen, aber keine Termine“, sagt beispielsweise Uwe Barthel über die Online-Registierung. Er ist Inhaber einer ambulanten Pflegeeinrichtung in Karlsruhe und in Eggenstein-Leopoldshafen, sowie einer Tagespflege in der Doppelgemeinde.

Eine Mitarbeiterin sei 45 Minuten in der Warteschleife der Hotline gewesen, um danach die Information zu bekommen, dass man als ambulanter Pflegedienst nicht priorisiert werde. „Man liest es ja, dass wir zur Gruppe eins gehören“, betont Barthel.

70 Prozent seiner Mitarbeiter würden sich impfen lassen, der Rest würde es sich überlegen, „aber wir bekommen einfach keine Termine“. Anmeldung und Registrierung zur Impfung seien ebenfalls ein Hindernis für die Patienten. Das müssten dann die Angehörigen machen. Eine seiner Patientinnen habe einen Termin zur Corona-Impfung bekommen, allerdings in Mannheim. Sie sei dann mit ihrem Sohn dorthin gefahren, erzählt er.

Zur Impfung bis nach Offenburg

Einen weiten Weg hat auch Iris Kurth hinter sich. Sie musste am vergangenen Samstag nach Offenburg fahren, um die erste Dosis des Impfstoffs von Biontech/Pfizer zu erhalten. Sie sei gespannt, ob sie die zweite Dosis innerhalb der vorgeschriebenen Zeit bekomme, erzählt sie.

Kurth hat die Hausleitung der Betreuten Wohnanlage der AWO in Pfinztal. Schon seit eineinhalb Wochen versuche sie, für eine Bewohnerin einen Impftermin zu bekommen. Weitere drei Leute in ihrem Team hätten sich impfen lassen. Aber: „Nicht jeder ist so mobil, dass er die weiten Strecken fahren kann“, so Kurth. Es gebe Mitarbeiter die daher schauen müssten, dass sie in Karlsruhe einen Termin bekommen.

Ohne Unterstützung geht es meist nicht

„Die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich impfen zu lassen, ist auf jeden Fall da“, sagt Frauke Schnur von der Diakoniestation Linkenheim-Hochstetten. Termine zu vereinbaren sei schwierig, zumal man nicht wisse, wann es wieder welche gebe. Mobile Impfteams kämen nicht zu älteren Leuten nach Hause oder in die Pflegeeinrichtung wie beispielsweise die Diakonie. „Das könnte man ja machen“, sagt die Pflegedienstleiterin zu dieser Option.

Jeder Mitarbeiter in der Pflege müsse sich selbst um einen Termin kümmern. Dies gelte auch für die Kunden. Ältere würden sich beim Versuch, einen Impftermin zu vereinbaren, überfordert fühlen. Und ohne Unterstützung kämen sie dann ebenfalls nicht in ein Impfzentrum. Teilweise würden die Kunden nach Heidelberg, Stuttgart oder Offenburg verwiesen, um sich dort immunisieren zu lassen.

Am Mittwoch hat Schnur versucht, für sich selbst einen Termin über die Hotline zu vereinbaren. „Es ist aussichtslos“, sagt sie. Wie aus Corona-Homepage des Stadt- und Landkreises Karlsruhe hervorgeht, sollen ab diesem Freitag wieder Termine für Erstimpfungen freigeschaltet werden.

Mangelnde Aufklärungsarbeit

Den ersten Piks gegen Corona bekam Kai Käßhöfer, Geschäftsführer der evangelischen Sozialstation Karlsruhe, am 6. Januar. „Ich habe regelmäßig geschaut, ob Termine verfügbar sind“, sagt er. Stand Donnerstagmorgen gab es aber keine weiteren Termine, berichtet er. „Die Kollegen, die jetzt noch einen Termin vereinbaren wollten, haben bis dato noch nicht die Chance dazu gehabt“.

Käßhöfer macht mangelnde Impfstoffdosen dafür verantwortlich. Die evangelische Sozialstation hat auch einen Ableger in Graben-Neudorf. Käßhöfer macht deutlich, dass es einen gewissen Prozentsatz an Kunden gebe, die zu Hause geimpft werden müssten, weil es ihnen nicht möglich sei, ins Impfzentrum zu kommen. Er hofft auf einen Corona-Impfstoff, der nicht so tiefe Temperaturen benötigt und dadurch auch durch Hausärzte verabreicht werden kann. Von Graben-Neudorf nach Rheinstetten zu fahren, damit dort die Menschen den Impfstoff bekommen, sei ein personeller wie logistischer Aufwand, den man „nicht abbilden kann“.

Wie bereits berichtet, sollen die Kreisimpfzentren in Bruchsal-Heidelsheim und in Sulzfeld erst am 22. Januar an den Start gehen. Es gebe aber auch Mitarbeiter, die der Impfung skeptisch gegenüberstehen. Der Geschäftsführer erklärt, dass dies auf mangelnde Aufklärungsarbeit seitens der Politik zurückzuführen sei. Wie auch andere betont Käßhöfer, dass Kinder oder Enkel der Kunden bei der Vereinbarung eines Impftermins unterstützen müssten. Zum Punkt, ein Handy zu bedienen oder sich im Internet zurechtzufinden, sagt er, dass die Anzahl der Kunden in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, aber noch überschaubar sei.

Lage „etwas chaotisch“

„Ich denke, dass sich die meisten impfen lassen werden, aber noch abwarten, bis sich die Lage beruhigt hat“, sagt Nicole Krümmer, Geschäftsführerin der kirchlichen Sozialstation Stutensee-Weingarten, über die Mitarbeiter dort. Die Situation sei gerade etwas chaotisch, führt sie aus. Bei den Patienten müsse jeder für sich selbst entscheiden, ob man sich immunisieren lassen möchte oder nicht. Einen Termin zu bekommen und dann zu einem Impfzentrum zu gelangen sei für Patienten, die keine Angehörigen haben, recht schwierig. Man sei aber dabei, ein Konzept zu erstellen.

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