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Schulen bis nach Ostern zu

Corona zwingt Schüler zur Arbeit am heimischen Schreibtisch

Wegen des Coronavirus werden in ganz Baden-Württemberg die Schulen geschlossen. Was das für die Schüler und Lehrer sowie im Blick auf die nach den Osterferien anstehenden Prüfung bedeutet, erklären Schulleiter. Die Entscheidung wird als sinn voll und notwendig beurteilt.

Außer den Schulen schließen auch die Kindertagesstätten. Bis zum Ende der Osterferien ruht jetzt der Unterricht als Vorkehrung gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus. Die Schüler haben keine zusätzlichen Ferien, ihre Lehrer haben ihnen Aufgaben und Material mitgegeben. Foto: Rake Hora

Am Freitagnachmittag ist es amtlich: Die Landesregierung in Stuttgart verfügt, dass die Schulen und Kindertagesstätten im ganzen Land geschlossen werden - dem Coronavirus geschuldet. Erst nach den Osterferien soll der Unterricht fortgesetzt werden. Das zieht einige Probleme nach sich: Wie  geht das mit Prüfungsvorbereitung und Abwicklung der Abschlusstests einher? Wie bekommen Familien, wie Alleinerziehende die Kinderbetreuung in den Griff? Welche Auswirkungen kommen auf Verwaltungen, Unternehmen, Kirchen und andere zu? Die Fragen sind noch nicht beantwortet.

Erlass gilt landesweit

Die Schulen im Verbreitungsgebiet der BNN-Hardtausgabe haben sich schon mal prophylaktisch darauf eingestellt, dass es so kommen würde, wie es am Freitagnachmittag kam: Die Landesregierung verfügt wegen des Coronavirus mit Wirkung von kommendem Dienstag, dass landesweit alle Schulen, Bildungseinrichtungen und Kindertagesstätten geschlossen bleiben. Erst nach den Osterferien soll der Unterricht wieder aufgenommen werden. Wie gehen die Schulen damit um?

„Wir haben unseren Schülern Aufgaben und Materialien sowie Bücher und andere Materialien an die Hand gegeben, damit sie zuhause arbeiten können, wenn die Schule ab Dienstag zu ist“, sagt Pascal Oechsler, Konrektor an der Pestalozzi-Gemeinschaftsschule in Graben-Neudorf, der derzeit dort die Verantwortung für die neun Klassen trägt. Informationen für Eltern und Schüler im Hinblick auf die durch das Coronavirus verursachten Schulschließung seien auf der Homepage der Schule eingestellt, mit den Eltern halte er über deren Klassenvertreter ständig Kontakt.

Wieweit werden Prüfungen beeinträchtigt?

Wie sich die Coronavirus bedingte Schließung auf die anstehenden Prüfungen auswirkt, die nach den Osterferien beginnen sollen, ist noch nicht klar: „Wir hoffen, dass der Termin bleibt. Wenn nicht, erwarten wir einen ,Plan B’ aus dem Kultusministerium, sagt Oechsler. Innerhalb des Kollegiums werde ebenfalls Kontakt gehalten, damit alle immer aktuell informiert seien.

Ich habe mehr Zeit, mich intensiver um Verwaltungsaufgaben zu kümmern

Mit zusätzlichen Ferien sei aber nichts, macht der stellvertretende Schulleiter deutlich: „In dieser zwangsweise unterrichtsfreien Zeit habe ich Zeit, mich intensiver um verschiedene Verwaltungsaufgaben zu kümmern.“

Arbeit daheim ist angesagt

Schon vor der Entscheidung in Stuttgart hat die Schulleitung der Grund- und Werkrealschule in Linkenheim Eltern und Schüler darüber informiert, was auf sie zukommen könnte, wenn Schulen wegen des Coronavirus geschlossen würden, berichtet Konrektorin Sonja Schmidt. Auch dort haben die Lehrer in ihren Klassen Aufgaben verteilt und Materialien ausgegeben, mit denen Schüler arbeiten können, solange sie daheim bleiben müssen.

Elterninfos per Homepage

„Bei der Information für Schüler und ihre Eltern fahren wir mehrgleisig“, erläutert Schmidt: „Wie stellen wichtige Informationen regelmäßig und aktualisiert auf unserer Homepage ein, und wir geben Nachrichten an die Klassenelternvertreter heraus.“ Im Blick auf die Prüfungen „erhoffen wir uns klare Anweisungen aus Stuttgart“. Nur so könne man die Schüler vorbereiten. Für das Verhalten der Kollegen erwarte man die Anweisungen aus dem Schulamt, etwa ob wegen des Coronavirus häusliche Quarantäne nötig werde.

Sinnvolle und notwendige Entscheidung

„Aus Sicht des Schulträgers ist diese Entscheidung sinnvoll und notwendig“, sagt Bürgermeister Bernd Stober in Eggenstein-Leopoldshafen. „Wir sind uns bewusst, dass damit die Eltern die schwierige Aufgabe haben, für die Betreuung ihrer Kinder in den nächsten fünf Wochen selbst sorgen zu müssen.“ Die Gemeindeverwaltung werde ebenfalls betroffen sein, da ja Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Eltern von Kindergarten- oder Schulkindern sind. Bereits im Vorfeld habe die Gemeinde alle öffentlichen Einrichtungen bis auf Weiteres geschlossen. Vorrangiges Ziel sei es, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und damit besonders gefährdete Personenkreise zu schützen, so Stober.

Erfindergeist gefordert

„Wir müssen erfinderisch sein“, lautet die Parole von Silvia Anzt, Schulleiterin des Thomas-Mann-Gymnasiums in Stutensee, das derzeit 780 Schüler hat. Bereits im Vorfeld habe man sich in der Blankenlocher Einrichtung Strukturen überlegt, wie man Unterrichtsmaterialien digital verbreiten könne, und man habe die Schüler angewiesen, ihre Lernmittel mit nach Hause zu nehmen. Für jede Klasse gebe es einen ersten Ansprechpartner, den jeweiligen Klassensprecher, und die Lehrkräfte seien ab Dienstag über Dienstmail zu erreichen, um den Unterricht fortzuführen.

Für das fachpraktische Abitur gebe es möglicherweise eine Sonderregelung, erklärt Anzt. Und auch die Abiturprüfungen litten nicht unter der aktuellen Situation, weil der relevante Lehrstoff im Prinzip bereits vermittelt sei.

Man muss alles tun, um die Verbreitung des Coronavirus zu bremsen

Der CDU-Landtagskandidat im Wahlkreis Bretten (zu dem auch die Hardt-Kommunen außer Pfinztal gehören), Ansgar Mayr, begrüßt die Entscheidung, Kitas und Schulen in Baden-Württemberg vorübergehend flächendeckend zu schließen. „Das ist die absolut richtige Entscheidung der Landesregierung, denn es muss jetzt alles getan werden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.“ Die neue Situation werde viele Eltern kurzfristig vor eine Herausforderung stellen, sagt Mayr.

Flexibilität und Homeoffice

Er sehe auch die Arbeitgeber in dieser extremen Situation in der Verantwortung. Sie müssten mit den Arbeitnehmern zu kreativen und individuellen Lösungen kommen, beispielsweise durch Abbau von Überstunden, flexiblere Arbeitszeiten oder durch die Möglichkeit, Homeoffice zu machen.

Wie wir über die Auswirkungen des Coronavirus berichten

Auf bnn.de berichten wir zurzeit verstärkt über die wichtigsten Entwicklungen rund um Corona in der Region rund um Karlsruhe, Bretten, Pforzheim, Rastatt und Bühl. Jeden Tag schränken Kliniken die Besuchszeiten ein, Schulen schließen, Firmen schicken Mitarbeiter nach Hause. Es ist selbst für unsere Redaktion zeitweise schwierig, den Überblick zu behalten. Deshalb filtern wir für unsere Leser aus der Flut an Informationen, welche der vielen Corona-Meldungen wichtig sind – unter anderem in dieser Übersicht .

Alle Informationen prüfen wir, um keine Falschinformationen zu verbreiten. Viele Menschen, auch in unserer Redaktion, machen sich ohnehin Sorgen. Wir möchten sie informieren und nicht verunsichern.

Zwei unserer Kollegen befassen sich ausschließlich mit dem Thema Corona – als unsere internen Experten. Viele weitere BNN-Redakteure recherchieren täglich zu den Auswirkungen von Covid-19 in den Städten und Gemeinden der Region. Unsere Autoren sprechen mit Entscheidern in den Landratsämtern, Krankenhäusern und in Firmen. Gleichzeitig telefonieren sie (Betroffene treffen wir derzeit nicht persönlich) mit Menschen, die Cafés schließen, Veranstaltungen absagen oder zu Hause bleiben müssen.

So möchten wir dazu beitragen, dass Menschen in der Region sich auf dem aktuellsten Stand halten können, um die richtigen Entscheidungen für ihren Alltag und ihre Gesundheit zu treffen.

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