Skip to main content

Experte aus Stutensee gibt Tipps: Was muss man beim Pilze-Sammeln beachten?

Pilze essen viele Leute gerne. Wenige kennen sich jedoch wirklich mit ihnen aus. In der Facebook-Gruppe „Pilz Freunde Stutensee“ können sich Fans und Experten austauschen.

Zwei Frauen und ein Mann sitzen im Wald vor einer Hütte und zeigen Pilze vor
Rast in einer Hütte im Wald zwischen Schöllbronn und Völkersbach. Nadia Bayer, Heidi Melcher und Gerhard Herz (von links nach rechts) freuen sich über ihre Funde. Foto: Kristin Laske

„Wenn dir das Leben einen Korb gibt, geh Pilze sammeln.“ So lautet das Motto von Gerhard Herz, Co-Moderator der in diesem Monat gegründeten Facebook-Gruppe „Pilz Freunde Stutensee“.

Das Herz trägt der Sohn eines Forstwirts aber nicht nur im Nachnamen, sondern auch in seiner Brust. Dort schlägt es unter anderem für Pilze, eine seiner großen Leidenschaften. Nichts war daher naheliegender für ihn, als sein Wissen mit anderen Menschen zu teilen und ihnen bei der Suche zu helfen. Die Facebook-Gruppe bietet Pilzbegeisterten aus Stutensee und Umgebung die Möglichkeit, sich auszutauschen, gegenseitig weiterzuhelfen und gemeinsame Suchaktionen zu planen.

Vergangenen Sonntag hat die vierte Tour unter Führung des 35-Jährigen stattgefunden. Die BNN haben die dreiköpfige Gruppe bei ihrer Suche zwischen Schöllbronn und Völkersbach begleitet: Was gibt es zu beachten?

Korb und festes Schuhwerk benötigt

Herz führt die mit Korb und festem Schuhwerk ausgerüsteten Teilnehmerinnen zunächst den Waldweg entlang. „Ich sage es immer wieder: Man muss den ganzen Fruchtkörper entnehmen, um alle Merkmale bestimmen zu können“, betont er zu Beginn. Als Fruchtkörper wird der sichtbare Teil bezeichnet, der Pilz (Myzel) ist unter dem Boden.

Roh sind nur ganz wenige Pilze essbar.
Gerhard Herz, Pilz-Experte

Es sei wichtig, nach der Entnahme des Fruchtkörpers das Loch zu schließen, da das Myzel sonst austrocknet. Außerdem betont Herz: „Immer 15 bis 20 Minuten kochen, egal welche. Roh sind nur ganz wenige Pilze essbar.“

Geschmacksprobe nur beim Buchenspeitäubling

Zu einem der ersten Fundstücke der Gruppe gehört ein Täubling. Das Fleisch ist brüchig, die Lamellen sind – außer beim Frauentäubling – flexibel. Um herauszufinden, ob es sich um einen Buchenspeitäubling handelt, eine ungenießbare Täublingsart, empfiehlt Herz, mit der Zunge zwischen den Lamellen zu lecken und danach auszuspucken. Ist der Geschmack mild, könne der Pilz verzehrt werden, ist er bitter oder scharf-brennend, sollte er nicht gegessen werden. Bei anderen Pilzsorten rät Herz von der Geschmacksprobe ab.

„Igitt“, ruft Heidi Melcher, nachdem sie einen Pilz geprüft hat. Damit ist klar: Dieser Täubling sollte in keinem der Körbe landen. Die Suche geht weiter. „Hexenröhrlinge sind gut für Anfänger geeignet“, meint der gelernte Koch, während er den Pilz aus dem Boden dreht. Bei einer Verletzung verfärbt sich das Fleisch dieses Pilzes stark blau. Verwechslungspartner ist der Satans-Röhrling, der sich nur mäßig blau verfärbt.

Während der Tour gibt Herz immer wieder Auskunft über die verschiedenen Pilze und ihre Merkmale, sogar die lateinischen Namen einiger Arten kann er nennen. Mit seinen umfassenden Kenntnissen stößt er auf Bewunderung bei den Teilnehmerinnen. „Die Pilzwelt ist für mich ein Buch mit Siegeln. Ohne Gerhard würde ich nicht weiterkommen“, sagt Melcher, die wie Nadia Bayer schon bei vorangegangenen Touren der Pilz Freunde Stutensee dabei war. „Er nimmt sich für uns Laien sehr viel Zeit, um alles zu erklären.“

Auch Naturverbundenheit zählt

Es geht tiefer in den Wald hinein. Einen Hang nutzt Herz, um sich einen Überblick über den Boden zu verschaffen. Seine Baumkenntnisse helfen ihm dabei, geeignete Stellen für Pilze zu finden. Die Suchenden sind fasziniert von der Natur um sie herum.

„Am Pilze sammeln begeistert mich das Neue. Es ist eine neue Welt, die sich mir erschließt. Es hilft mir dabei, den Kopf freizubekommen“, sagt Melcher. Auch Bayer stimmt ihr zu: „Beim Pilze sammeln kommt alles zusammen: das Zwischenmenschliche, Naturverbundenheit und Bewegung. Man kommt raus und unternimmt etwas mit anderen Menschen.“

Als die Gruppe schließlich auf Trompetenpfifferlinge stößt, freut sich Herz ganz besonders: „Der Erstfund dieses Jahr. Endlich habe ich auch mal wieder welche gefunden.“ Der vorzugsweise auf moosigen Stellen wachsende Pilz zeichnet sich dadurch aus, dass er feste, am Stiel herablaufende Leisten hat, keine Lamellen.

Er wird schnell übersehen. Bayer stellt jedoch fest: „Gerhard findet jeden Pilz.“ Verwechslungsgefahr bestehe mit dem falschen Pfifferling. Er sei giftig, beim Verzehr geringer Mengen passiere jedoch nichts. Zu erkennen sei er daran, dass er Lamellen hat, so Herz.

nach oben Zurück zum Seitenanfang