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Liebe zum Detail

Experten geben in Stutensee Tipps für Naturgärten

Im Stutenseer Rathaus haben sich Interessierte mit den Teilnehmern des Naturgarten-Wettbewerbs „Hier brummt’s“ getroffen.

Ein Kleinbiotop im eigenen Garten: Rainer Bartsch, der beim Wettbewerb den ersten Platz belegt hat, hat zwei Teiche angelegt, die einen Eisvogel, Frösche und Ringelnattern anlocken.
Ein Kleinbiotop im eigenen Garten: Rainer Bartsch, der beim Wettbewerb den ersten Platz belegte, hat zwei Teiche angelegt, die einen Eisvogel, Frösche und Ringelnattern anlocken. Foto: Pia Frei

Im Stutenseer Rathaus haben sich Interessierte mit den Teilnehmern des Naturgarten-Wettbewerbs „Hier brummt’s“ getroffen. 23 Gartenbesitzer hatten am Wettbewerb teilgenommen. Organisiert wurde er von der Stadt Stutensee zusammen mit der Agenda-Gruppe Natur und Umwelt Stutensee und der Ortsgruppe des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Initiator des landesweiten Wettbewerbs war der Landesnaturschutzverband. Neun Teilnehmer wurden ausgewählt, einer davon war die Stadt Stutensee. Jetzt gaben die Wettbewerbsteilnehmer Tipps, wie man seinen eigenen Naturgarten gestalten kann.

„Ich bin immer noch beeindruckt, wie viel Wissen und Erfahrung es zum naturnahen Gärtnern in Stutensee gibt“, sagte Christine Hufschmidt, Sprecherin der Agenda-Gruppe. „Die Teilnehmer des Wettbewerbs waren mit Leidenschaft und Liebe zum Detail dabei. Naturnahe Gärten sind ein wertvoller Beitrag zum Artenschutz. Sie bieten Pflanzen und Tieren wertvollen Lebensraum. Wir wollen auch anderen Menschen Lust machen, ihre Gärten naturnah zu gestalten.“

Auch Schottergärten machen Arbeit

Was aus einem Schottergarten in kurzer Zeit werden kann, berichtete Günther Gotzel: „Im März haben wir begonnen, unseren Schottergarten umzuwandeln. Entlang der Hauswand haben wir auf zehn Metern Länge einen Graben ausgehoben, mit Folie ausgelegt und in einen kleinen Teich münden lassen. Gespeist wird unser Canyon von Regenwasser. Nur bei großer Hitze füllen wir mit dem Schlauch nach. Der Rand ist mit Pflanzen begrünt, die im Sommer mit wenig Wasser auskommen.“

Schottergärten, so wurde betont, seien nur scheinbar pflegeleicht. Blätter und Dreck sammelten sich zwischen den Steinen, Unkraut lasse sich nur schwer entfernen. Im Sommer heizen sich die Steine stark auf, bieten keinen Lebensraum für Tiere und Insekten.

Ein Kleinbiotop im eigenen Garten kann entstehen, wenn ein naturnaher Gartenteich angelegt wird. „Ein Teich bringt Leben in den Garten. Wir sitzen im Schatten unterm Apfelbaum und beobachten, was sich am und im Wasser abspielt“, erzählte Rainer Bartsch, der beim Wettbewerb den ersten Platz belegt hatte. „Mehrmals am Tag kommt ein Eisvogel. Wir haben Frösche und Ringelnattern im Teich.“

In seinem Garten hat er zwei Teiche angelegt. Einen dort, wo früher ein Öltank eingegraben war, den anderen an der Stelle, an der früher ein alter Mammutbaum stand.

Aber auch Gartenfreunde mit kleiner Fläche können naturnah gärtnern. Vor acht Jahren zog Familie Bertram in ihr Haus ein. Der Garten mit seinen 40 Quadratmetern bestand aus einer grünen Rasenfläche und einem Kirschbaum. „Das war uns viel zu langweilig und auch nicht insektenfreundlich genug. Wir pflanzten Stauden, bauten ein Insektenhotel und legten eine Vogeltränke an“, so Ulrike Bertram. „In Richtung der Tränke haben wir eine Nachtkamera angebracht. Da kommen selbst Igel und Marder. Und in unseren Nistkästen brüten mehrmals im Jahr Meisen.“

Ihr im Herbst Früchte tragender Feuerdorn versorgt die Amseln mit Beeren. Im naturnahen Garten bleiben welke Stauden und Gräser über den Winter stehen und bieten Unterschlupf für Insekten und Bodenlebewesen.

Bäume geben dem Garten Struktur

Für Matthias Rieke, Mitglied der Jury und Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Staffort, sind Bäume im Garten wichtig: „Große Bäume spenden Schatten, schaffen vor allem aber auch ein Mikroklima. Im Sommer ist die Luft frischer und kühler.“ Vögel und Insekten schätzen diesen speziellen Lebensraum. Dem Garten geben Bäume Struktur und Charakter.

Der Naturgarten ist in seinem ökologischen Gleichgewicht, im Nutzgarten darf der Boden unterstützt werden. Reiner Dick, der ehemalige Umweltbeauftragte der Stadt Stutensee, beschäftigt sich viel mit Terra Preta. „Im Amazonas reicherten die Indios schon vor Hunderten von Jahren Pflanzenreste und Dung mit Kohle aus ihren Herdstellen an“, erzählte er. „Pflanzenkohle hat eine große Oberfläche. Die Hohlräume sind gefüllt mit Nährstoffen, Bakterien und Kleinlebewesen. Feinwurzeln wachsen in die Pflanzenkohle hinein und halten sich dort fest. Ausgebracht wird Terra Preta am besten erbsengroß.“ Daneben sei Pflanzenkohle ein wichtiger CO2-Speicher, denn sie verwittere erst nach über 1.000 Jahren.

In Stutensee wird Terra Preta selbst hergestellt. Die privat gekaufte Anlage, mit der Terra Preta produziert wird, steht beim Lindenhof, dem landwirtschaftlichen Betrieb von Uwe Lengert.

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