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Mehr bargeldlose Bezahlung

Geldautomaten werden wegen Online-Handel und Pandemie deutlich weniger genutzt

In der Pandemie setzen die Kunden beim Einkauf verstärkt auf bargeldloses Bezahlen. Der Griff ins Portemonnaie ist zur Ausnahme geworden.

Rückläufige Nachfrage: Corona verstärkt den Trend zu bargeldlosem Bezahlen. Automaten werden seltener genutzt. Öfter ziehen jüngere Leute Geld für bargeldtreue ältere Angehörige. Foto: Alexander Werner

Kann man sich beim Bezahlen mit Bargeld mit dem Coronavirus infizieren? Das befürchteten in der ersten Pandemiewelle viele Menschen und zahlten vorsichtshalber mit Karte. Auch Einkaufsmärkte platzierten an ihren Kassen Aushänge mit der Bitte, bevorzugt elektronisch zu bezahlen.

Tatsächlich berichtete unlängst die Arbeitsgemeinschaft Geldautomaten von einem markanten Rückgang beim Nutzen von Geldautomaten in der Pandemie.

„Ich bin nur wegen meiner Oma hier. Sie will nur mit Bargeld einkaufen“, erklärt ein 18-Jähriger beim Ziehen von 50 Euro an einem Sparkassenautomaten. Auf die Scheine will auch der Leopoldshafener Willi Westenfelder nicht verzichten. „Ich bin seit meiner Kindheit gewohnt, bar zu bezahlen und möchte das nicht mit Kärtchen tun“, sagt der 89-Jährige.

Das Geld hole allerdings sein Sohn. „Ich brauche im Prinzip seit mindestens zwei Jahren kein Bargeld mehr. Mit Corona hat das nichts zu tun. Mit Karte ist es schlicht einfacher“, erzählt Manfred Metz aus Linkenheim. „Dennoch habe immer etwas in der Tasche, für den Fall, dass es keine Lesegeräte gibt.“

Ich bezahle wegen Corona häufiger bargeldlos und ziehe in Bankstellen weniger Geld.
Rainer Grund

Man könne den Gebrauch von Bargeld aber sehr stark reduzieren. Er beschränke ihn auf Bäckerei, Metzgerei oder andere kleine Einzelhändler.

„Ich bezahle wegen Corona häufiger bargeldlos und ziehe in Bankstellen weniger Geld“, resümiert Rainer Grund aus Linkenheim-Hochstetten. Regelmäßig aber begleiche er Beträge in der Bäckerei oder im Zeitschriftenladen weiterhin bar. Kritisch wertet er, dass die Lesegeräte in jedem Supermarkt anders funktionieren würden und man sich über Kartenzahlungen zum gläsernen Konsumenten mache. Besser sei, dass Bezahlen so kontaktlos möglich sei.

Die Entwicklungen spiegeln sich in den Erfahrungen der Banken wider. „Wir erleben, dass sich zumindest der Gebrauch unserer Geldausgabeautomaten reduziert hat. Im vergangenen Jahr verzeichneten wir einen deutlichen Rückgang“, berichtet Marketingleiter Jürgen Gareiß von der Volksbank Stutensee-Weingarten.

„Wir spüren an der Nutzung unserer SB-Geräte, dass die Pandemie den Wandel von Bargeld zu bargeldlosen Zahlungsmitteln enorm beschleunigt hat. Der Bedarf an Bargeld nimmt stetig ab und die Nachfrage nach bargeldlosen Zahlungsmitteln deutlich zu“, beschreibt Gareiß die Tendenz.

Als Gründe nennt er globale Treiber wie die Digitalisierung, den zunehmenden Online-Handel und ein wachsendes Angebot an bargeldlosen Bezahlmöglichkeiten.

„Daneben sehen wir auch die noch andauernde Corona-Pandemie als einen wichtigen Faktor.“. Einschränkungen von Dienstleistungen gebe es für Mitglieder und Kunden aber keine. „Ihnen stehen weiterhin alle Möglichkeiten der Bargeldversorgung, ob direkt an unseren Geldausgabeautomaten oder über unsere Banking- und Service-Apps zur Verfügung.

Wichtig ist für uns, dass unsere Mitglieder und Kunden die Services nutzen können, die sie möchten“, betont Gareiß. Insofern würden weiterhin sämtliche Serviceleistungen angeboten, die nachgefragt würden. „Gleichzeitig bauen wir unsere digitalen Services und Bezahlmöglichkeiten aus.“

Flächendeckend vertreten ist in der Region die Sparkasse Karlsruhe. „Eine rückläufige Entwicklung bei der Nutzung unserer Geldautomaten ist bei uns in den vergangenen Jahren nicht festzustellen. Die Transaktionen blieben auf hohem Niveau weitgehend stabil“, sagt Birgit Kronberg.

Verhaltensänderung der Kunden durch Corona

„Mit dem Lockdown durch Corona ab März 2020 hat sich das Verhalten der Kunden aber spürbar verändert“, stellt die Mitarbeiterin im Vorstandbüro fest. Die Bargeldauszahlungen an den Geldautomaten hätten deutlich abgenommen. Im Vergleich zum Vorjahr verfügten die Kunden 2020 über rund 20 Prozent weniger Bargeld.

Parallel dazu habe sich der Trend zur Kartenzahlung während dieser Zeit deutlich erhöht. „Allein bei unseren Girocard-Zahlungen verzeichnen wir einen Anstieg um rund 20 Prozent. Dabei ist auch eine deutliche Zunahme der Kartenzahlungen bei kleineren Beträgen festzustellen“, so Kronberg.

Auch der Anteil der kontaktlosen Bezahlvorgänge mit Karte habe erheblich zugenommen. Die Transaktionen durch kontaktloses Bezahlen hätten sich im Jahr 2020 mehr als verdoppelt und machten inzwischen gut 50 Prozent aller Kartenzahlungen aus.

Grundsätzlich habe die Sparkasse in der Pandemie ihr Leistungsangebot aufrechterhalten, so Kronberg. Schließungen von Filialen wegen Corona gebe es keine.

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