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Bei starkem Filz hilft nur noch Komplettschur

Hundesalons dürfen wieder öffnen: In Pfinztal und Stutensee sind die Betreiber erleichtert

Waschen, schneiden, föhnen: Hundesalons in Pfinztal und Stutensee dürfen im Corona-Lockdown deutlich eher öffnen als Friseure für Menschen. Bei den Vierbeinern geht es allerdings auch um mehr als „nur“ die Optik.

Regelmäßig kommen bei Annette Mayer auch ihre eigenen Großpudel Anton und Anouk auf den Tisch. Wie in allen Hundesalons läuft der Kundenbetrieb bei der Rußheimerin kontaktlos. Foto: Alexander Werner

Hundefriseure dürfen auch im Corona-Lockdown offen bleiben: Diese Entscheidung des Mannheimer Verwaltungsgerichtshofs ließ in der letzten Januar-Woche viele Inhaber von Hundesalons aufatmen. Nach zwei anderen Bundesländern hatten sich damit auch in Baden-Württemberg Kläger aus der Branche durchgesetzt.

„Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das so einfach geht, und war positiv überrascht“, kommentiert Nina di Giorgio, die Betreiberin des Pfinztaler Salons Piccobello, die Entscheidung. „Ohne Verdienst bei weiterlaufenden Kosten und der Ungewissheit kam auch ich in eine schwierige Lage“, beschreibt sie die Folgen der zum 16. Dezember verordneten Schließung.

Ihren Salon öffnete sie jedoch erst wieder zum 1. Februar. Der Ausfall habe einen großen organisatorischen Aufwand nach sich gezogen, sagt sie. Zudem habe sie extra umgebaut.

Mit einer zusätzlichen Wand habe sie eine Schleuse für die Kunden geschaffen. Damit erfülle sie in besonderer Weise die Vorgaben. Diese besagen, dass bei vorheriger Terminvergabe eine kontaktlose Übergabe der Hunde innerhalb fester Zeitfenster erfolgen muss. „Ich wollte auf Nummer sicher gehen und auf alle Eventualitäten vorbereitet sein“, erklärt Nina di Giorgio.

Besitzer dürfen bei Behandlung nicht dabeibleiben

Sie bietet in Berghausen das ganze Spektrum von Waschen, Schneiden, Scheren bis zu Augen-, Ohren-, Ballen- und Krallenpflege an. Ihre Klientel sind bei sechs bis acht Hunden pro Tag langjährige Stammkunden. Nur ganz wenige Tiere kämen wegen der Pandemie derzeit nicht.

Im Vergleich dazu verzeichnet Urszula Poniatowskas Hundesalon Mamamia in Blankenloch durchaus Neukunden. „Bei der Behandlung dabei bleiben wollen vor allem Leute, die zum ersten Mal mit noch nicht eingewöhnten Hunden aus dem Ausland kommen“, berichtet sie.

Dies ist aber ausgeschlossen ist. Einige Leute kommen deshalb derzeit nicht. Dem großen Andrang aber tue dies kaum Abbruch. „Die Leute haben sich sehr gefreut, als ich wieder aufmachte“, sagt sie.

Zahlung funktioniert kontaktlos

Kontaktlos läuft auch das Bezahlen mit einem Körbchen an der Tür. Die für sie verlustreiche Schließverordnung im Dezember konnte sie nicht nachvollziehen. Das Coronavirus werde von Hunden nicht auf Menschen übertragen, wie die Inhaber der Hundesalons betonen.

Bei Simone Maag in Graben-Neudorf dient ein Kästchen vor dem Haus als Kasse. Alles funktioniere super, berichtet sie. Frohe Kunden erlebe auch sie nach der Zwangspause allemal. Nicht zuletzt bei Hunden mit starkem Haarwachstum zeitigte die Schließung ihre Folgen.

Große Nachfrage nach Terminen

Für Michaela Malnar in Spöck erwies sich die Zwangspause als weniger schlimm, weil sie einen Urlaub eingeplant hatte. „Dennoch war die Schließverordnung für mich ärgerlich“, betont sie.

Malnar arbeitet in Teilzeit und betreibt ihren Salon bei jeweils zwei Hunden an drei Tagen daheim. Wie groß der Bedarf an ihren Diensten ist, spürte sie umso mehr, seit sie nach dem Gerichtsentscheid wieder Termine macht.

Was sie wie ihre anderen Kolleginnen als sehr wichtig herausstellt, ist die gesundheitliche Bedeutung der Pflege. Diese zu Hause zu leisten, ist für Hundebesitzer eine Herausforderung, die Übung. Erfahrung, Geduld, Zeit und adäquate Utensilien braucht.

Verfilztes Fell als Gesundheitsrisiko

„Manche Leute können ihre Hunde auch aus körperlichen Gründen nicht mehr bürsten“, sagt Michaela Malnar. Aber wenn ein Hund nach ein paar Wochen ziemlich verfilzt sei, helfe nur noch eine Komplettschur.

Urszula Poniatowska weist darauf hin, dass Verfilzungen bakterielle Hautentzündungen, Ekzeme oder Mykosen (Pilzinfektionen) verursachen. In Filzen, die grundsätzlich das Wohlbefinden des Hundes mindern, würden sich gern Parasiten einnisten. Ebenso wichtig für die Gesundheit seien Kontrolle und Pflege von Pfoten, Ballen, Krallen, Augen und Ohren.

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