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Vor der Kommunalwahl

In Pfinztal bleibt nur der Ortschaftsrat in Wöschbach erhalten

Ortschaftsräte und Ortsvorsteher waren lange Zeit wichtige Anlaufstellen in Stadt- und Ortsteilen. Wie hat sich das inzwischen verändert?

Ein stattlicher Amtssitz für den Rußheimer Ortsvorsteher ist das frühere Rathaus des Dorfes. Nico Reinacher möchte auch nach dem 9. Juni noch Ortsvorsteher sein.
Ein stattlicher Amtssitz für den Rußheimer Ortsvorsteher ist das frühere Rathaus des Dorfes. Nico Reinacher möchte auch nach dem 9. Juni noch Ortsvorsteher sein. Foto: Dietrich Hendel

Zu Zeiten von Kommunalreform und Gemeindefusionen vor 50 Jahren wurden in manchen selbstständigen Dörfern Ortschaftsräte gebildet, die die Tradition der Dörfer bewahren sollten. Entscheidungsfreiheiten hatten sie kaum.

Sie kümmerten sich um ortsspezifische Themen, Vereine, Feste, Jubiläen, Altersjubilare. Stutensee, Pfinztal und Dettenheim hatten von Anfang an Ortsverwaltungen und Ortschaftsräte. Die anderen Kommunen in der Hardt verzichteten darauf.

Doch wie ist es in der Zwischenzeit? Spielen Ortsvorsteher und Ortschaftsräte heute noch eine kommunalpolitische Rolle?

In Stutensee gibt es noch drei Ortschaftsräte

Der Ortschaftsrat in Blankenloch hat sich am 31. August 2004 aufgelöst. Der damalige Ortsvorsteher, Hanspeter Gaal, hatte in Abstimmung mit Ortschaftsrat und Stadtverwaltung Stutensee angeregt, das Ortsgremium abzuschaffen: „Die Hauptverwaltung war in Blankenloch, die Ortsverwaltung im selben Gebäude“, berichtet Gaal.

„Ein immenser Verwaltungsaufwand wurde abgelöst, weil Blankenlocher Ortsbelange im Rathaus der Stadt behandelt wurden“, so Gaal: „Ein großer Beitrag zum Bürokratieabbau“, fügt er hinzu.

Die drei anderen Stadtteile, Friedrichstal, Spöck und Staffort, setzen nach wie vor auf Ortsvorsteher oder Ortsvorsteherin und Ortschaftsräte. Statt eines Ortschaftsrats gibt es den Stadtteilausschuss Blankenloch/Büchig, dem die Gemeinderatsmitglieder aus den beiden Orten angehören.

Ein Ortsvorsteher braucht ein Gemeinderatsmandat, um seine Ideen umsetzen zu können.
Lutz Schönthal
Ortsvorsteher in Friedrichstal

Lutz Schönthal, Ortsvorsteher in Friedrichstal, wollte weiterführen, was seine Vorgänger – namentlich Kurt Gorenflo – für den Ort geleistet haben. „Vereinsarbeit, örtliche Veranstaltungen, Partnerschaftsverbindung zu St. Riquier und vor allem soziales Engagement“, zählt Schönthal auf.

Wichtige Themen, in denen Ortsvorsteher und Ortschaftsrat die Stadtverwaltung entlasten, auch wenn Entscheidungen im Gemeinderat fallen. „Ein Ortsvorsteher braucht ein Gemeinderatsmandat, um seine Ideen umsetzen zu können“, sagt Schönthal. Seine Arbeit sei zeitaufwendig, „ein hohes Tagespensum“, das er neben seinem Beruf als leitender Polizeibeamter ohne Unterstützung durch seine Frau Sylvia nicht ausüben könnte.

Im Juni will er sich wieder für Gemeinde- und Ortschaftsrat bewerben und weiter Ortsvorsteher sein. Wie lange es aus seiner Sicht noch Ortschaftsräte geben wird? „Solange es Menschen gibt, die diese Aufgabe wahrnehmen und den Rückhalt in der Bevölkerung haben, wird sich der Ortschaftsrat Friedrichstal nicht auflösen“, meint Schönthal.

„Funktionsstelle“ statt Ortschaftsrat in Pfinztal geplant

In Pfinztal sind die Ortschaftsräte – außer in Wöschbach – Geschichte. Bei der Kommunalwahl im Juni sind keine Bewerber für Ortschaftsräte zu benennen. Barbara Schaier, die lange in Kleinsteinbach Ortsvorsteherin war, will sich um ein Gemeinderatsmandat bewerben. Denn an der Kommunalpolitik habe sie immer noch Spaß, erzählt sie. „Die Gestaltungsmöglichkeiten im Ort haben mich gereizt, und der Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern macht mir noch immer viel Freude.“

Die Ortsgeschichte beschäftige sie. Ihr Interesse an den Menschen werde dadurch verstärkt, dass sie als gebürtige Kleinsteinbacherin so gut wie alle Einwohner kenne. Als erfahrene Kommunalpolitikerin habe sie viele Kenntnisse, die die jüngeren Mitarbeitenden in der Gemeindeverwaltung bei ihr abfragen können, nachdem sich im Rathaus ein Generationenwechsel vollzogen habe.

Auch wenn es keinen Ortschaftsrat mehr gebe, soll in Pfinztal doch eine ehrenamtliche Funktionsstelle geschaffen werden, bei der die ortsspezifischen Belange zusammenlaufen. „Diese Aufgabe kann ich mir gut vorstellen“, meint Barbara Schaier.

Dettenheimer Sonderweg: Nur Rußheim hat einen Ortschaftsrat

Dettenheim ging nach der Fusion – und heute immer noch – einen Sonderweg: Einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher gibt es nur in Rußheim. Dieser vertritt die Ortsverwaltung und hat seinen Sitz im ehemaligen Rathaus des Orts.

Da kann man etwas für die Menschen erreichen.
Nico Reinacher
Ortsvorsteher von Rußheim

Nico Reinacher, amtierender Ortsvorsteher, möchte Gemeinderatsmitglied, Ortschaftsrat und eben auch Ortsvorsteher bleiben, berichtet er. „Es gibt noch ein paar Projekte, die ich zu Ende führen möchte, zum Beispiel die Gestaltung der Plätze am Rathaus und bei der Kirche.“

Er habe Spaß daran, den Ort mitzugestalten. „Man lernt in dieser Funktion viel, die Aufgaben sind vielfältig und vielseitig: Schule, Kitas, Seniorenprogramme, Energie in Photovoltaik und Geothermie“, zählt der Ortsvorsteher auf. Eine Jugendeinrichtung fehle noch. „Da kann man etwas für die Menschen erreichen.“ Und man könne dabei die Menschen kennenlernen.

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