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Kräftiger Mann oder Halter von Zuchtbullen?

Leser aus Stutensee möchte wissen: Woher kommt der Familienname „Farr“?

Auch wenn Namen mehr sind als Schall und Rauch, lässt sich ihre Herkunft selten eindeutig bestimmen. Hat Herr Müller seinen Namen wegen seiner Tätigkeit? Und wurde Herr Rot nach seinem Ahnen benannt, weil der feuerrotes Haar hatte? Oft lässt sich nur darüber spekulieren.

Blättert im Familienbuch. Kreisarchivar Konstantin Huber vom Landratsamt weiß viel zusagen über den Ursprung von Familiennamen. Foto: Roland Wacker

Nachdem er den Bericht über den Namen Elsässer gelesen hatte, wandte sich nun auch der in Stutensee lebende Leser Dieter Farr an diese Redaktion, um mehr über die Herkunft seines eigenen Familiennamens herauszufinden.

Einiges hat der 80-Jährige bereits recherchiert. „Mein Vater stammte aus Kleinsteinbach, woher mein Großvater kam, weiß ich nicht“, berichtet der ehemalige Heizungstechniker, der als Bauleiter bei den Stadtwerken in Karlsruhe beschäftigt war.

Seit seiner Pensionierung interessiert er sich für das Gebiet der Genealogie. Auch in Remchingen und Keltern gibt es Namensvettern, hat Farr herausgefunden.

Kleinsteinbach gehörte einst zur Gesamtpfarrei Remchingen und Kreisarchivar Konstantin Huber findet im ältesten Familienverzeichnis von Remchingen, das 1696 entstand, zwei Einträge: Den 1656 in Nöttingen geborenen Johann Georg Farr, Sohn des Anwalts Georg Farr, und einen Martin Farr in Remchingen, von dem bekannt ist, dass er 1678 heiratete und mehrere Kinder hatte. „Höchstwahrscheinlich waren die Farrs verwandt“, meint Huber.

Geistliche haben Daten erhoben

Den Namen habe es wahrscheinlich aber schon davor gegeben. Jedoch sind Kirchenbücher, die das belegen könnten, im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 bis 1697) verloren gegangen. Dies habe einige Geistliche dazu motiviert, bei ortsansässigen Familien Daten zu erheben und diese in Familienverzeichnissen aufzulisten, erläutert Huber. „Aber wo hat mein Name seinen Ursprung?“, will Farr wissen.

„Familiennamen in dieser Zeit entstanden eigentlich als Beinamen oder Spitznamen“, erklärt Kreisarchivar Huber. Und sie leiteten sich oft von Funktionen ab. Der Name Farr, vermutet er, geht auf die Tätigkeit des sogenannten Farrenhalters zurück. Farren sei die Bezeichnung für ein Zuchttier, einen Bullen.

Bauern brachten Kühe zum „Farrenhalter“

„Teilweise hatten Pfarrer die Aufgabe, einen Stier für die Zucht zu halten.“ Die Bauern brachten ihr Vieh zum Decken und zahlten dem Farrenhalter einen Obolus dafür. Bis zum 20. Jahrhundert habe es Farrenhalter gegeben.

Dass sein Name darauf zurückgehen soll, will Dieter Farr aber nicht so recht glauben. „Da Farr vornehmlich in englisch sprechenden Ländern wie Großbritannien, USA und Kanada weit verbreitet ist, gehe ich davon aus, dass der Name aus Schottland kommt und dort einen geographischen Ursprung hat“, sagt er. „Farr“ heiße eine Gemeinde in der Grafschaft Sutherland im Norden Schottlands.

Dort stehe auch der Farr-Stein, aus dem neunten Jahrhundert auf dem Pfarrfriedhof, hat er herausgefunden. Es gibt dort auch die Bucht „ Farr-Bay“. Lexika ordnen den Namen dem historischen Erbe der Angelsachsen in Großbritannien zu.

In späteren Jahrhunderten mit der Kolonialisierung der neuen Welt verbreitete sich der Name auch in den USA, in Kanada, Australien und Neuseeland. Dass es zur Zeit der Angelsachsen Wanderbewegungen gab, die den Namen in unsere Gefilde brachten, hält Kreisarchivar Huber jedoch für unwahrscheinlich.

Woher ein Name kommt, lässt sich nie mit 100-prozentiger Sicherheit sagen.
Konstantin Huber, Kreisarchivar

Am Begriff Farr zeigt sich jedenfalls, dass die beiden als westgermanisch bezeichneten Sprachen Englisch und Deutsch miteinander verwandt sind: So hieß in Großbritannien in früheren Jahrhunderten der Bulle ebenfalls „Farre“. Und auch dort wurde der Familienname aus der Funktion seines Trägers abgeleitet – oder auch, um einen kräftigen, bulligen Mann näher zu kennzeichnen.

„Woher ein Name kommt, lässt sich nie mit 100-prozentiger Sicherheit sagen“, gibt Huber zu bedenken. Mal benennt er die Herkunft seines Trägers, sein Äußeres oder eine hervorstechende Charaktereigenschaft. „Es gab ja keinen amtlichen Akt der Namensverleihung“, begründet Huber, dass es meist bei Mutmaßungen bleibt.

Auch nach „Gorenflo“ sucht Farr

Dietrich Farr hat auch über die Ahnen mütterlicherseits recherchiert. „Sie hießen Gorenflo.“ Der Name findet sich in vielen Orten im Landkreis Karlsruhe. Und hat, so mutmaßt Farr, seinen Ursprung in Frankreich.

Hugenotten hätten ihn mit hierher gebracht. „Die Leute stammten aus dem Ort Gorenflos in der Picardie.“ Durchaus möglich, dass hierzulande heute mehr Gorenflos leben als in dem nordfranzösischen Kaff mit nur rund 250 Einwohnern.

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