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Wichtiger Job mit schlechtem Ruf

Lkw-Fahrer werden in der Region Karlsruhe dringend gesucht

Der Führerschein ist teuer, die Verhältnisse stressig: Der Beruf des LKW-Fahrers ist kein Zuckerschlecken. Zudem beschreiben die Logistikfirmen im Landkreis Karlsruhe einen Druck von billigen, aber schlecht ausgebildeten Fahrern aus Osteuropa.

LKW-Fahren ist ein harter Job - den immer weniger Leute auch machen wollen. Der Beruf hat keinen besonders guten Ruf. Zudem gibt es einen harten Konkurrenzkampf. Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa

Was ist dran an dem viel beklagten Mangel an Lkw-Fahrerinnen und -fahrern? Drohen bald Verhältnisse wie in England, wo die Kunden im Supermarkt vor teilweise leeren Regalen stehen, weil den Transportfirmen die Mitarbeiter fehlen? Die Einschätzungen der Logistiker aus der Region geben zu diesen Fragen ein durchaus differenziertes Bild.

Heike Seeland, Prokuristin bei Mahler Transporte in Stutensee, ist davon überzeugt, dass die Krise auf dem Arbeitsmarkt für Lasterfahrer sich weiter verschärfen wird. Gründe sieht Seeland vor allem in dem schlechten Image von Berufskraftfahrerinnen und -fahrern und – eng damit zusammenhängend – dem schlechten Ausbildungsstand. „Nachwuchs“, so Seeland, „ist kaum zu bekommen.“

Um dem entgegenzuwirken sei vor allem eines wichtig: Das Berufsbild des Fahrers aufzuwerten. Hier sieht die Prokuristin vor allem die einschlägigen Verbände gefordert. Werbekampagnen könnten helfen, ist Seeland überzeugt. Höhere Löhne als eine weitere Maßnahme ließen sich allerdings nur dann durchsetzen, wenn auch die Preise für Frachten in die Höhe gehen würden. Dem würden aber der Druck der Kunden, die Frachtkosten niedrig zu halten, sowie eine intensive Konkurrenzsituation entgegenstehen.

Harte Konkurrenz aus Osteuropa

Das Unternehmen TD-Daferner Transport GmbH mit Sitz in Ettlingen hatte früher 23 Fahrzeuge und belieferte damit die Automobilindustrie und übernahm Pharma- und Stückguttransporte. Jüngst musste das Unternehmen jedoch den Fuhrpark auf zehn Fahrzeuge verkleinern. Der Grund, so Geschäftsführer Thomas Daferner, sei die massive Konkurrenz durch billige osteuropäische Anbieter. Einen Mangel an Fahrerinnen und Fahrern sieht er nicht, klagt aber grundsätzlich über ungleiche Wettbewerbsbedingungen in Europa.

Die Aufträge seien da, die Frachten auch, aber es mangele tatsächlich an Fahrern, hört man von einem weiteren Unternehmen. Bestätigt wird vor allem der Mangel an deutschsprachigen Lastwagenfahrern. Aus Osteuropa stünden dagegen genügend Kräfte zur Verfügung, da sie wesentlich billiger zu bekommen seien. Außerdem, erzählt man hinter vorgehaltener Hand, nehme man es dort mit den Bestimmungen, zum Beispiel was den Erwerb des Führerscheins angeht, nicht so genau.

Ein LKW-Führerschein kostet bis zu 7.500 Euro

Trotz des klar diagnostizieren Mangels an Fachkräften – der Ansturm auf die Fahrschulen blieb bisher aus. „Die meisten Interessenten, die zu uns kommen, werden von Feuerwehren oder städtischen Einrichtungen geschickt“, sagt Heinrich Dazert, Inhaber der Fahrschule v. Baeckmann, „dass jemand einfach so kommt weil er Interesse an dem Beruf hat, ist die große Ausnahme.“

Um die Lkw-Fahrerlaubnis zu bekommen, müssen Fahrschülerinnen und -schüler für den sogenannten C-Schein mit rund 2.500 Euro rechnen. Soll der Laster zudem einen Anhänger haben, ist der CE-Schein nötig. Für den kommen dann weitere 2.000 Euro obendrauf. Zur gewerblichen Nutzung, also zum Beispiel für die Arbeit bei einer Spedition, braucht es aber zudem noch die sogenannte „beschleunigte Grundqualifikation“ für weitere 3.000 Euro. Alles in allem also eine Investition von rund 7.500 Euro, bevor überhaupt ein Cent verdient ist.

Früher nutzten deshalb viele Rekruten die Möglichkeit, den Lkw-Schein kostenfrei bei der Bundeswehr zu machen. Aber diese Möglichkeit der Übernahme des Brummi-Fahrer-Nachwuchses entfiel mit der Abschaffung der Wehrpflicht.

Auch mehr Frauen hinter das Steuer zu bekommen, sehen die Unternehmen durchweg skeptisch. Der Job sei einfach zu hart, heißt es. Lange Abwesenheiten von zu Hause und der Familie, stressige Verhältnisse auf den Autobahnen und oft auch an den Abladestationen zusammen mit einer nicht gerade üppigen Bezahlung sprächen nicht gerade für das Berufsbild. Auch TV-Serien wie Trucker Babes, sind sich die Unternehmen einig, helfen da nicht wirklich weiter.

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