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Aufwendige Videofilme produziert

Musikschullehrerinnen aus Spöck verlagern Lehre mit Erfolg ins Internet

Als Ersatz für den Präsenzunterricht taugt das Konzept zwar nur bedingt, dafür kann es mit anderen Stärken aufwarten: Die Spöcker Musikschullehrerinnen Ulrike und Anna Günther unterrichten mit Erfolg und Freude auch über Youtube und Skype.

Früherziehung mit der Kamera: Musikpädagogin Ulrike Günther und ihre Tochter Anne Streich (rechts) beschreiten mit ihren lebendigen Unterrichtsfilmen neue digitale Wege. Foto: Foto: Alexander Werner

Digitaler Unterricht über Skype oder Whatsapp hat sich in Pandemiezeiten zu einem neuen probaten Mittel entwickelt, um Kinder und Jugendliche daheim nicht auf dem Trockenen sitzen zu lassen. Auch Lehrkräfte von Musikschulen bedienten sich dieser Methode, um ihre Zöglingen zu erreichen.

Die Spöckerin Ulrike Günther und ihre in Friedrichstal lebende Tochter Anne Streich sind beide unter dem Dach der Musikschule Hardt freiberuflich als Lehrkräfte aktiv. Während sich die Mutter seit 20 Jahren der musikalischen Früheerziehung, der Flöte in allen Variationen und teils dem Klavier widmet, ist es bei der Tochter Gesang und Klavier.

Gute Einschaltquote via Skype

Zwei Monate pausierten sie während des ersten Lockdowns. Danach lag sie mit 130 Schülern noch leicht unter dem Niveau vor Corona. Beinträchtig wurde ihr Unterricht in Stutenseer Kindergärten und Schulen danach davon, dass dieser nicht mehr gruppenübergreifend erfolgen konnte und dort auch kein mehr Gesang möglich war. Eines war ihr in der Krise wichtig: „Es darf keinen Bruch geben. Das habe ich geschafft, obwohl keine Werbung möglich war.“

Zuerst schaffte sie im Lockdown Equipment an, um Instrumentalschüler einzeln oder in Zweier- du Dreigruppen ab Mai über Skype zu erreichen. „Das war sehr erfolgreich, rund 80 Prozent machten mit“, betont sie. Ganz innovativ aber war ihre Idee, für die Früherziehung Videofilme zu drehen. „Meine eigenen Kinder haben mich darin bestärkt und mich unterstützt“, berichtet sie. So kam eine Kamera dazu.

Tochter Anne begibt sich seither fortlaufend an Wochenenden in die Rolle der ehrenamtlichen Kamerafrau. Konzeptionell werden 72 Filme für Anfänger und Fortgeschrittenen produziert. Im ersten Schritt verteilten die Frauen auf analogem Weg Umschläge mit Unterrichts- und Arbeitsmaterial an über 100 Haushalte. Die Filme gingen im Mai über einen speziellen Zugang bei Youtube an dem Start.

Kein Ersatz für Präsenzunterricht

Die Tochter fängt bei den Drehs keineswegs nur ihre Mutter am Tisch sitzend beim Vermitteln des Stoffs ein. „Authentisch, humorvoll und spannend sollte es sein“, erzählen die beiden. So entstanden schon zahlreiche sehr lebendige Szenen, mit Tanz, Gesang, Musikeinspielungen, Handpuppen und vollem Instrumentarium.

Schauplatz einer Orgelstunde war die evangelische Kirche. „Im Prinzip nimmt die ganzen Familie daran teil“, fügen die Frauen an. Sie präsentieren einen der Filme, in der Anne Streichs kleiner Sohn fröhlich mitmischt. „Digitale Angebote können Präsenzunterricht natürlich nicht ersetzen“, hebt Ulrike Günther hervor. Aber das so gut angenommene Filmprojekt könnte auch über Corona hinaus eine Möglichkeit werden, Kinder in Krankheitszeiten und im Urlaub zu versorgen oder Kinder ohne musikalische Früherziehung in Kindergärten.

Das Projekt soll bis zum allerdings nicht absehbaren Ende von Corona fortgeführt werden. Seit Mai werden wöchentlich neue Filme bereitgestellt. 30 Filme liegen bereits vor. Im Ganzen braucht es gemäß 36 Schulwochen pro Jahr in der zweijährigen Früherziehung jeweils 36 Filme für Anfänger und Fortgeschrittene. Den beiden Frauen macht ihre Aufgabe als Filmproduzentinnen sichtlich Spaß.

Für Tochter Anne Streich war der Coronaausbruch zumindest als Künstlerin weniger einschneidend. Zuletzt hatte die beliebte Sängerin 2019 ein Konzert. Als Mutter habe sie ihre Auftritte aus familiären Gründen und wegen ihrer Lehrtätigkeit zurückgefahren und für 2020 ohnehin nicht viele geplant, berichtet sie.

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