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Carlla

Neuer Verein will Bedürftigen in und um Stutensee helfen

Auf der einen Seite Überfluss - auf der anderen Seite Bedürftigkeit: Beides versucht der neue Verein „Carlla” zu verbinden: In Stutensee soll ein caritativer Laden entstehen, der günstig gesammelte Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Lebens verkauft.

Gruppenbild mit Herrn: Die Gründungsmitglieder des Vereins Carlla diskutieren in der Sängerklause in Friedrichstal mit dem Initiator und späteren Vorsitzenden Heiner Jurkitsch. Foto: Thilo Kampf

Noch immer ist das Vereinsleben durch die Corona-Pandemie stark beeinträchtigt und größtenteils lahmgelegt. Doch es gibt auch Positives zu berichten, nämlich von Menschen, die einen neuen Verein ins Leben rufen. Wie Heiner Jurkitsch mit Carlla e.V..

Dem 71-jährigen Rentner aus Spöck ist seit langem sauer aufgestoßen, dass es auf der einen Seite massiven Überfluss gibt, dass Lebensmittel oder gebrauchte Kleidung weggeworfen werden - und dass es auf der anderen Seite nicht wenige Menschen gibt, die den Cent zweimal umdrehen müssen, denen man unter die Arme greifen sollte.

„Ich wollte da etwas Konkretes tun. Aber ein Verein, das ist für mich absolutes Neuland.” So machte sich Jurkitsch schlau, recherchierte und telefonierte - und präsentierte den Gründungsmitgliedern in der Sängerklause des Gesangvereins Sängerbund Friedrichstal schließlich eine detaillierte Vereinssatzung.

Fast nur Frauen als Gründungsmitglieder

Zehn Gründungsmitglieder treffen sich an diesem heißen Nachmittag im mit Pokalen gesäumten Nebenzimmer der Klause. Außer Jurkitsch alles Frauen, darunter auch Gattin Karin. Die anderen Frauen hat er mittels Anzeigen für das Vorhaben gewinnen können. „Der eine oder andere ist kurz vorher abgesprungen”, sagt Jurkitsch, „aber die Mindestzahl von sieben Gründungsmitgliedern haben wir.”

Etwa Doris Kaufmann-Schäfer. „Ich bin eigentlich kein Vereinsmensch”, erzählt die Frau aus Spöck den BNN auf Nachfrage, „aber ich suche etwas, das mich erfüllt.” In einem spirituellen, überkonfessionellen Freundeskreis ist Doris Schlemmer nach eigenem Bekunden bereits seit langem aktiv, aber die Idee, in einem caritativen Laden Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Lebens günstig für Bedürftige anzubieten, habe sie überzeugt.

Ihr persönlich gehe es gut, sagt Schlemmer, „aber man muss auch mal etwas zurückgeben”. Dieses Zurückgeben ist auch Sylvia Gresch-Vogt „ein Herzensbedürfnis”, wie sie versichert. Es gebe schließlich „viele Menschen, die Hilfe brauchen”, ergänzt Silke Ullrich. Auch mancher Ältere, wie Sibylle Müller ergänzt, die oft im Altenheim Blankenloch Bewohner besucht, sich aber noch mehr im sozialen Bereich einbringen möchte.

Die Jüngste der Runde, Svantje Wagner, findet die Idee eines von einem Verein betriebenen Ladens für Stutensee ebenfalls „super”. In Blankenloch gebe es bereits einen Tafelladen, sagt Wagner, „aber das ist zu wenig für die Stadt Stutensee”. Das findet auch Monika Schenk, die nach eigenem Bekunden „bereits in einem Tafelladen in Filderstadt gearbeitet” hat und ergo weiß, wie es läuft.

Expertin: Viele weggeworfene Lebensmittel sind locker genießbar

Über vier Jahrzehnte hat Karin Jurkitsch, heute 67, beruflich Lebensmittel untersucht. „Da habe ich gesehen, was da alles an Lebensmitteln weggeworfen wird, was noch locker genießbar ist. Das muss doch nicht sein.” Diese Lebensmittel müsse man sammeln, bevor sie im Müll landeten, und dann an bedürftige Menschen für wenig Geld zu verkaufen.

Als „Tafel” oder „Tafelladen” dürfe man indes nicht firmieren, erklärt Heiner Jurkitsch. Das habe mit dem Urheberrecht zu tun - was ihm die Diakonie mit einem Brief klargemacht habe. „Das war ein Schlag in die Magengrube”, erzählt der Initiator, der es folglich auch ablehnte, dem Verband der Tafeln beizutreten. „Wir sollten unabhängig sein”.

Das beginnt bereits mit dem Vereinsnamen, der nach einiger Diskussion beschlossen wurde: „Carlla” - das steht für caritativen Lebensmittelladen. Um die für Einrichtung und Betrieb eines solchen Ladens notwendigen Mittel könne sich ein gemeinnützig anerkannter Verein leichter bei einer der 85 badischen Stiftungen kümmern, die Geld für soziale Zwecke bereitstellen, erläutert Jurkitsch.

„Wir müssen alle unsere Mittel selbst generieren”, macht er den Frauen klar, was „kein Sprint, sondern ein Marathon” werde.

Nach drei Stunden steht der Verein

Drei Stunden dauert die Gründungsversammlung, bei der die Satzung Punkt für Punkt verlesen und manches diskutiert wird. Dann heben alle die Hand - und Wahlleiterin Schlemmer kann ihres Amtes walten. Zum Vorsitzenden wird - einstimmig - Heiner Jurkitsch gewählt, als Stellvertreterin stellt sich Svantje Wagner zur Verfügung.

Für das Finanzielle ist Sylvia Gresch-Vogt als Schatzmeisterin zuständig; als Schriftführerin agiert Monika Schenk. Erste Amtshandlung des neuen Vorstands ist nun die Bestätigung der Unterschriften im Rathaus in Blankenloch am Donnerstag; dann kann der Eintrag ins Vereinsregister beim Amtsgericht Mannheim beantragt werden.

Der neue Vereinschef strahlt mit den Goldpokalen der Sänger um die Wette, die Gründerinnen ebenso - der Anfang ist gemacht, jetzt wird es konkret. Bis die ersten Lebensmittel und Kleider gesammelt und im Laden (der noch gesucht werden muss) präsentiert werden, dürfte es noch dauern. „Da werden”, sagt Heiner Jurkitsch, „noch einige Monate ins Land gehen.”

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