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Luftqualität gemessen

Reicht regelmäßiges Lüften im Klassenraum gegen die Infektionsgefahr? - Karlsruher Aerosol-Experte klärt auf

Reicht das regelmäßige Lüften in den Klassenräumen aus, um die Infektionsgefahr durch Aerosole zu vermeiden? Das wollte eine Karlsruher Firma genau wissen und startete ein Mess-Projekt in verschiedenen Klassenräumen des Thomas-Mann-Gymnasiums Stutensee.

Ein Fenster in einem Klassenzimmer einer Grundschule ist zum Lüften geöffnet. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Reichen die Lüftungsempfehlungen des Kultusministeriums im praktischen Schulbetrieb aus, um das Infektionsrisiko zu senken? Mit dieser Frage beschäftigte sich jüngst die Aerosoltechnik-Firma Palas GmbH aus Karlsruhe, die an sechs Tagen im November die Luftqualität in verschiedenen Klassenräumen des Thomas-Mann-Gymnasiums Stutensee gemessen hat.

Das Projekt hatten die Aerosol-Experten gemeinsam mit der Schule und der Stadt Stutensee auf die Beine gestellt. Während des laufenden Schulbetriebs wurden an mehreren aufeinander folgenden Tagen sowohl CO2- als auch Aerosol-Konzentration in verschiedenen Klassenräumen gemessen.

Anhand dieser Messungen wurde die Luftqualität bestimmt und hinsichtlich des Infektionsrisikos bewertet. Gelüftet wurde hierbei nach den Vorgaben von Bund und Ländern, also alle 20 Minuten für jeweils drei bis zehn Minuten, teilweise ergänzt durch den Einsatz eines Raumluftfilters.

Konsequentes Lüften in den Pausen zeigt überraschendes Mess-Ergebnis

Wie ein Unternehmenssprecher gegenüber den BNN erklärt, hätten die Messungen gezeigt, dass schon wenige Minuten mit weit geöffneten Fenstern ausreichen würden, um die Luftqualität zu verbessern. Danach steige sie nur noch langsam. Das lasse vermuten, so die Experten aus Karlsruhe, dass häufiges Lüften in kürzeren Abständen bessere Ergebnisse bringt.

„Was uns besonders überrascht hat, ist, dass sich das Infektionsrisiko um bis zu 50 Prozent senken lässt, wenn jede Schulstunde auf Frischluftniveau beginnt, sprich: durch konsequentes Lüften in den Pausen, in leerstehenden Räumen, auf dem Flur. Das Ganze nach Schulschluss beziehungsweise vor Schulbeginn,“ zog Schulleiterin Sylvia Anzt ein erstes Fazit der Aktion. Ihr Stellvertreter Christian Beck hatte den Kontakt zu Palas-Geschäftsführer Maximilian Weiß hergestellt, der übrigens früher Absolvent des Thomas-Mann-Gymnasiums (TMG) war.

Hochzufriedene Schulleiterin: Sylvia Anzt findet, dass das in ihrer Schule realisierte Lüftungskonzept einen wirkungsvollen Schutz bietet. Foto: Thilo Kampf

Es sei eine Win-Win-Situation gewesen, so Anzt weiter, denn die Firma habe einen Modellversuch machen wollen (neben dem TMG waren noch eine Schule in Forst und die Beruflichen Schulen Bruchsal involviert). Und die Schulleitung wollte wissen, ob das Lüftungskonzept ausreicht oder ob man über zusätzliche Luftfilter nachdenken müsse.

Raumluftreiniger stört durch große Lautstärke

Ergebnisse der Messungen: Ein virusbeladenes Aerosol kann sich mehrere Stunden in der Luft halten. Dadurch wird es mit in die nächste Schulstunde genommen und ist für die nächste Lehrkraft oder die Folgeklasse möglicherweise noch vorhanden und ansteckend. Das TMG habe die Lüftungsempfehlungen mit häufigeren Lüftungsintervallen bereits umgesetzt, berichtet Anzt. Die Versuche mit dem Raumluftreiniger hätten nur bei Turbobetrieb etwas gebracht - doch sei dieser mit einer deutlichen Geräuschbelastung verbunden. „Das ist schon belastend für Lehrkräfte und Schüler“, findet die Schulleiterin.

Neben vielen Erkenntnissen, die aus den Messungen gewonnen wurden, zeigen die Ergebnisse laut Aussage von Palas-Geschäftsführer Weiß eines ganz klar: Der Effekt des Lüftungskonzeptes ist stark von den räumlichen Gegebenheiten – wie beispielsweise der Anzahl und der Größe der Fenster oder des Raumes - abhängig. „Es ist also schwer, allgemeingültige Empfehlungen auszusprechen.“

Messung soll Grundlage für weitere Entscheidungen sein

Die erste Auswertung des Messprogramms zeige die dringende Notwendigkeit weiterer, umfangreicherer Messungen an Schulen zur Beurteilung der Gesamtsituation. „Mit unseren Messgeräten können wir die Partikel und CO2-Konzentration in der Luft messen und die unsichtbare Gefahr wie das Corona-Virus sichtbar machen“, so Weiß. „Wir brauchen aber dringend klare, eindeutige und verständliche Bewertungsmaßstäbe. Die Verunsicherung bei allen Beteiligten ist groß.“

Oberbürgermeisterin Petra Becker betonte, dass Stutensee „das Angebot der Messungen und wissenschaftlichen Begleitung der Ergebnisse sehr gerne angenommen“ habe, da man sich damit eine Grundlage für weitere Entscheidungen erhoffe. Weitere Erkenntnisse zu diesem Thema erwarte man im Rathaus von einer ähnlichen Messreihe, die der Landkreis in seinen Schulen durchführe und die Kreiskommunen an den Ergebnissen teilhaben lassen wird.

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