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Ausweg mit Trainingseffekt

So kommen Pendler mit dem Fahrrad gut über die Salierbrücke in Speyer – trotz Sperrung

Während der Sperrung der Salierbrücke dürfen ausschließlich bis zu drei Shuttle-Busse mit jeweils höchstens 25 Passagieren und außerdem Rettungsfahrzeuge im Notfalleinsatz über die Brücke fahren. Allerdings: Fußgänger und Radfahrer, wenn sie schieben, können die Salierbrücke ebenfalls nutzen. Ein Ausweg mit Trainingseffekt.

Wenn man den Dom sieht, kann man sich wieder auf sein Fahrrad schwingen. Ein Stück des Wegs über die Salierbrücke muss man seinen Drahtesesl schieben, weil es zu eng ist für Gegenverkehr. BNN-Mitarbeiter Christian Berger hat den am Stau vorbei ausprobiert. Foto: Berger

Von Christian Berger

Die Sanierungsarbeiten an der 1956 fertig gestellten Brücke dauern wegen Schadstofffunden und verschiedener Abweichungen der Bausubstanz von den Bauplänen statt bis Ende März 2021 bis voraussichtlich ins Frühjahr 2022. Diese Mitteilung des Regierungspräsidiums Karlsruhe hat Ende November zahlreiche Pendler eiskalt erwischt. Die Umwege, die Fahrten über die A61-Rheinbrücke häufig bedeuten, etwa wenn Speyer-Zentrum oder -Süd die Ziele sind, und die damit verbundenen Zeitverluste, zumal wenn es Stockungen oder Staus gibt, kosten Nerven – und Geld.

Viele Pendler vermeiden dieses Dilemma, indem sie aufs Fahrrad steigen und mit diesem die Salierbrücke überqueren. Wer zum Beispiel im Raum Hockenheim wohnt, für den sind es mit dem Rad bis Speyer-Zentrum nur zehn bis zwölf Kilometer. Zum Vergleich: Mit dem Auto muss man über die A61 und die B9 rund 30 Kilometer zurücklegen, um von A wie Hockenheim bis B wie Speyer zu kommen.

Kein Durchkommen auf der Brücke: Nur Rettungsfahrzeuge und ein besonders leichter Shuttle-Bus für den Öffentlichen Nahverkehr können die Speyerer Salierbrücke während der Sanierungszeit befahren. Die dauert noch bis ins Frühjahr. Foto: Berger

Auf die Organisation kommt es an

Wenn nicht Regen und Wind sowie – besonders an heißen Sommertagen – die brennende Sonne wären, der Ausweg aus dem Stau-Dilemma käme einem reinen Vergnügen nahe. Dennoch kann die Fahrt auf zwei Rädern in den meisten Fällen richtig Spaß bringen. Zumindest dann, wenn auch die nötige Organisation stimmt – von der Kleidung bis zur Terminplanung.

30 bis 40 Minuten braucht es für die Radfahrt über zehn bis zwölf Kilometer schon, je nach Energieeinsatz und Wetterbedingungen. Da ist Funktionsbekleidung empfehlenswert. Im Winter zählt dazu atmungsaktive Unterwäsche, etwa aus Merinowolle, an kälteren Tagen eine wärmende Zwischenschicht und in jedem Fall eine windabweisende Jacke und Hose sowie eine Wollmütze. Falls es regnet, halten einen Regenjacke und -hose sowie wasserdichte Schuhe trocken.

Wer auf der Fahrt ins Schwitzen kommt, der zieht sich an seinem Arbeitsplatz um. Eine Duschgelegenheit wäre dort das Sahnehäubchen. Die Zeit fürs Umziehen und gegebenenfalls Duschen plant man besser immer mit ein.

Auf 600 Metern muss geschoben werden

Wichtig sind auch wasserdichte Fahrradtaschen, die Bürounterlagen, Essen, Trinken und Kleidungsstücke aufnehmen. Ein Trekkingrad mit Federgabel ist trotz gut ausgebauter Feldwege vorteilhaft, denn es kann abschnittsweise schon mal holprig sein. Ein Rennrad mit Klickpedalen ist ungünstig, weil man über die Salierbrücke nicht fahren darf, sondern gehen muss. Das ist mit Klickschuhen wirklich kein Vergnügen.

Rund 600 Meter sind es, die der Drahtesel geschoben gehört, weil der eine (eigentlich) kombinierte Rad- und Fußweg, der während der Sanierung offen ist, zu schmal ist für zwei Radler im Gegenverkehr. Kurz vor der Brückenmitte kommt der Kaiserdom in Sicht. Wenige Dutzend Schritte darauf kann man sich schon wieder aufs Rad schwingen und die letzten paar Hundert Meter bis zum Ziel in Angriff nehmen, während sich vier Kilometer weiter nördlich die Autofahrer über die A61-Brücke quälen. Angenehmer Zusatzeffekt: Durchs Strampeln trainiert man Immunsystem und Muskeln.

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