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Expertin gibt Tipps

Überall in Stutensee hängen Zettel: Wie erfolgreich ist die Suche nach Hund, Katze und Co?

Wenn Haustiere weglaufen oder verschwinden, geraten Besitzer häufig in Panik. Was sollen sie tun, um ihren Liebling zurückzubekommen? Eine Expertin sagt, wie man sich richtig verhält.

Hündin Sina gesucht: Büxt der Vierbeiner aus, sind Flyer wie dieser an einem Laternenmast in Stutensee-Friedrichstal aus Sicht von Experten unerlässlich.
Hündin Sina gesucht: Büxt der Vierbeiner aus, sind Flyer wie dieser an einem Laternenmast in Stutensee-Friedrichstal aus Sicht von Experten unerlässlich. Foto: David Heger

Ausgedruckte Zettel an den Straßenlaternen verkünden es: Hündin Sina, Katze Kiki und Kater Anton werden in Stutensee gerade vermisst. Es sind nur drei Tiere von vielen, deren Halter derzeit bangen.

Entläuft der geliebte Vierbeiner, steht für Herrchen und Frauchen oft die Welt auf dem Kopf: „Wir hoffen sehr, dass sie bald wieder kommt“, sagt etwa die Besitzerin von Mischlingshündin Sina.

Die Hündin ist beim Einsteigen ins Auto ausgebüxt und seitdem unterwegs. „Das letzte Mal wurde Sina bei Karlsdorf nahe der Autobahn gesehen“, sagt Tanja Axmann. Sie kennt viele Geschichten, wie die der Hündin aus Stutensee.

Seit neun Jahren hat sie sich darauf spezialisiert, entlaufene Hunde wiederzufinden, oder – wie sie es sagt – zu „sichern“. Eigentlich wohnt sie bei Jockgrim in der Pfalz, doch für ihr Ehrenamt beim Verein „Voices for Dogs“ wechselt sie regelmäßig die Rheinseite.

In ganz Baden-Württemberg ist sie auf der Suche nach entlaufenen Hunden. Auch Mischlingshündin Sina ist sie auf der Spur. Auf die entlaufenen Vierbeiner wird sie häufig über Facebook aufmerksam. Andere Hundehalter wenden sich direkt an sie und ihren Verein.

Viele Hunde in der Region kommen von allein zurück

„Besitzer, deren Haustiere entlaufen sind, sind oft in einer psychischen Ausnahmesituation“, schildert Axmann ihre Erfahrungen. „Dabei kommen gerade entlaufene Hunde in vielen Fällen von allein zurück.“

Doch allein darauf sollten sich Halter nicht verlassen. Und trotz Online-Suchbörsen und Facebook-Gruppen geht nichts über den klassischen Flyer mit Foto des vermissten Vierbeiners: „Ich rate davon ab, in den ersten 48 Stunden einen Suchaufruf auf Facebook zu veröffentlichen“, sagt die Hunde-Retterin.

Denn: „Die Tipps, die verunsicherte Halter online bekommen, sind teils völlig kontraproduktiv.“ Stattdessen gelte es, so schnell wie möglich Polizei, Jägerschaft und das Suchportal tasso.net zu informieren. Über letzteres lassen sich auch die bekannten Such-Flyer erstellen.

Katzen werden oft aus falscher Tierliebe behalten

In den vergangenen Jahren hat die Technik die Tiersuche erleichtert. Jeder Halter kann sein Tier heute mit einem Transponder chippen lassen. Nur: „Viele haben ihr Tier zwar gechippt, aber nicht bei einem Suchportal registriert“, sagt Axmann. Ein Fehler.

Denn der Mikrochip, der Tieren beim Chippen injiziert wird, enthält lediglich eine anonyme, 15-stellige Nummer, die nichts darüber aussagt, wem das Tier gehört, erklärt Sonja Slezacek, Pressesprecherin des Haustierregisters Tasso.

Nach 48 Stunden in freier Wildbahn kehrt ein Hund zum Ursprung zurück.
Tanja Axmann, Verein „Voices for Dogs“

Dort gingen rund 113.000 Vermisstenmeldungen im Jahr 2021 ein – „davon rund 31.000 Hunde und mehr als 82.000 Katzen“, sagt Slezacek. Wie erfolgreich eine Suche sei, lasse sich pauschal nur schwer beantworten.

30.000 Hunde und 63.000 Katzen konnten 2021 aufgefunden werden – manche davon nach Jahren. „Bei Katzen kann es durchaus sein, dass sie aus falsch verstandener Tierliebe einfach irgendwo einbehalten werden“, erklärt Slezacek.

Hektisches Rufen kann die Tiere verschrecken

Anders sieht die Situation bei Hunden aus: „Je länger Hunde vermisst werden, desto kritischer wird es“, heißt es von Tasso, wo man Tiere aller Art rückvermittelt.

Das bestätigt auch Tanja Axmann: Je länger ein Hund auf eigene Faust unterwegs ist, desto geringer wird die Chance, dass ihn der Besitzer selbst zu fassen bekommt.

„Nach 48 Stunden in freier Wildbahn kehrt ein Hund zum Ursprung zurück“, beschreibt Axmann ihre Erfahrungen. „Das Tier reagiert dann nicht mehr auf sein Herrchen“, sagt sie.

Die Expertin rät Haltern von hektischem Rufen und Einfangversuchen ab – der Hund würde ohnehin nur aufgeschreckt. Entweder kehre das Tier von selbst nach Hause zurück oder es bleibt oft nur das Einfangen mit einer Lebendfalle.

Bei Hündin Sina aus Stutensee ist sie guter Dinge: Axmann hat die Laufroute des Tieres anhand der Sichtungen rekonstruiert. „Es scheint, als wäre sie auf dem Nachhauseweg“, meint sie vorsichtig optimistisch.

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