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Trillerpfeife statt Läuten

Warum immer mehr Schulen im Landkreis Karlsruhe auf den regelmäßigen Gong verzichten

Der Gong an der Schlossgartenschule in Berghausen schweigt. Er ist nicht etwa kaputt, sondern bewusst ausgeschaltet. Auch an anderen Schulen läutet es inzwischen weniger. Warum ist das so?

Schulglocke hat Pause: An immer mehr Schulen in der Region klingelt es nicht mehr regelmäßig. Manche Schüler vermissen den Ton. Foto: Peppersmint/Adobe Stock

Der Schulgong ertönt an zahlreichen Schulen nördlich von Karlsruhe nur noch unregelmäßig. An der Schlossgartenschule in Berghausen ist der Gong im Moment sogar ganz verstummt.

„Die Klingel ist seit Beginn der Corona-Zeit ausgeschaltet“, sagt Ulrike Jäger, Rektorin der Grund-und Werkrealschule. Die Anfänge liegen in der Pandemie.

Nach dem ersten Lockdown im Jahr 2020 führte die Schule unterschiedliche Anfangs-, End-, und Pausenzeiten ein. Damit sollte der Kontakt zwischen den Schülern verringert werden. In dieser Situation hätte man es „ständig klingeln lassen müssen“, so Jäger.

Statt Schulgong in Berghausen: Handywecker erinnert an das Ende der Stunde

Aktuell gibt es noch unterschiedliche Anfangs- und Endzeiten und zum Teil auch noch andere Pausenzeiten. Um die Pause zu beenden, benutzen die Lehrer auf dem Schulhof Trillerpfeifen. Sabine Dannebauer, Lehrerin an der Schlossgartenschule, stellt sich seit dem Abschalten des Gongs einen Handywecker. Der meldet sich jeweils fünf Minuten vor dem Ende der Stunde mit einer Melodie. Dann haben die Schüler noch Zeit, die Aufgaben zu beenden oder Hausaufgaben zu notieren.

In den nächsten Konferenzen stehen auch die unterschiedlichen Pausen auf der Agenda. „Dort wird bestimmt auch noch einmal das Klingelzeichen zur Sprache kommen“, ist sich Rektorin Jäger sicher.

Ich empfinde eine Schule ohne Klingelzeichen als viel ruhiger.
Ulrike Jäger, Rektorin der Schlossgartenschule

Sie selbst begrüßt die neue Lösung. „Ich persönlich empfinde eine Schule ohne Klingelzeichen als viel ruhiger und angenehmer.“ Denn sowohl der Unterricht als auch die Pausen ließen sich dadurch flexibler regeln.

Ähnliches schildert auch Jägers Kollege Joachim Mack von der Pestalozzi-Grundschule in Blankenloch. Dort blieb der Gong wegen Corona und der Trennung der Stufen ebenfalls ausgeschaltet. Inzwischen klingelt es aber wieder zu zwei großen Pausen. Die jeweils zweistündigen Unterrichtsblöcke werden nicht durch Klingeln unterbrochen.

Schüler der Realschule in Blankenloch vermissen das Klingeln

Auch an den weiterführenden Schulen schweigt die Klingel öfters, zum Beispiel an der Erich-Kästner-Realschule (EKRS) in Blankenloch. Die Schule und das benachbarte Thomas-Mann-Gymnasium (TMG) haben eine gemeinsame Gonganlage, erklärt Inge Steimer, Rektorin der EKRS. Die war coronabedingt aus ähnlichen Gründen wie an den Grundschulen ausgeschaltet. Inzwischen gebe es nach jeder Doppelstunde wieder ein Läuten.

Wenn es gegongt hat, lassen die Schüler ihren Stift fallen, egal ob vor ihnen ein brennender Bunsenbrenner steht.
Inge Steimer, Rektorin EKRS

Die Schüler seien sehr auf den Gong fixiert. „Wenn es gegongt hat, lassen die Schüler ihren Stift fallen, egal ob vor ihnen ein brennender Bunsenbrenner steht oder ein Satz nicht zu Ende geschrieben ist“, sagt Steimer. In Doppelstunden sei das Fehlen des Gongs daher ein „Genuss“.

Auf der anderen Seite strukturiere ein Gong auch den Vormittag. Das hätten Schüler und Lehrkräfte vermisst. So habe die SMV den Wunsch nach dem Gong an die Schulleitung herangetragen. In Zukunft soll es am Schulzentrum nach jeder Doppelstunde läuten. Da es auch Einzelstunden gibt, müsste die Lehrkräfte diese dann selbstständig beenden, sagt Steimer.

Tamara Hötzel, Abiturientin am TMG, hat sich inzwischen an das eingeschränkte Klingeln gewöhnt. „Am Anfang war es aber doch etwas seltsam“, sagt die 18-Jährige.

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