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Plötzliche Attacke aus den Erdlöchern

Wespengefahr am Baggersee in Spöck: Oma und Enkelin von Tieren angegriffen

Die Attacke kam unerwartet: Am Baggersee in Spöck schwärmte plötzlich eine Schar Wespen aus einem Erdloch und griff ein zweieinhalbjähriges Mädchen und dessen Oma an. Experten vermuten, dass sich die Tiere bedroht fühlten und dann zum Angriff bliesen.

Idyllisch gelegen: Der Spöcker Baggersee lockt mit Natur pur; es gibt nicht so viel Sandstrand wie anderswo. Allerdings leben am Rande des Sees auch Erdwespen, die – wenn gereizt - auch mal Badegäste attackieren. So erging es jüngst einer Frau mit ihrer zweieinhalbjährigen Enkelin. Foto: Rake Hora

Eine schmerzhafte Erfahrung machte dieser Tage die kleine Leonie (Name geändert), die mit ihrer Oma am Spöcker Baggersee spazieren ging: Das Kind stand mit den Füßen im Wasser, spritzte die Oma voll und hatte Spaß, als plötzlich aus einem Erdloch eine Wespen-Armada auftauchte und die Beiden heftig attackierte.

„Ich habe so etwas noch nie erlebt”, schildert die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, gegenüber den BNN ihre Eindrücke. Die Beiden seien zum Auto gerannt und von dem aggressiven Wespenschwarm verfolgt worden. Die Bilanz: Elf Stiche für das Kind, davon auch einen am Kopf, drei für die Oma. „Wir sind gleich zu einem Arzt gefahren”, erzählt die Frau aus Spöck, „und eines ist sicher: An diesen Baggersee gehen wir nie wieder.”

Zunächst war niemand zuständig

Weil sie der Auffassung war, andere vor der Gefahr aus den Erdlöchern warnen zu müssen, habe sie am Tag darauf bei der Stadtverwaltung Stutensee angerufen. „Da hieß es im Ordnungsamt: Wir sind nicht zuständig, aber man werde sich kümmern.” Dann sei lange nichts passiert, sie habe erneut mehrfach Nach mehreren weiteren Anrufen habe man sie schließlich am frühen Abend zurückgerufen.

Ich habe so etwas noch nie erlebt


„Da hat man mir nur gesagt, die Wespen stehen unter Naturschutz, da könne man nichts machen. Da habe ich dann das Gespräch beendet”, schildert die resolute Dame den Fall. Letzteres bestätigt auch Lukas Lang, Sprecher der Stadt Stutensee. Die Stadtverwaltung sei aber nicht untätig geblieben, so Lang, sondern habe „umgehend reagiert und binnen eines Tages den Bereich abgesperrt”.

Des Weiteren seien an weiteren Punkten im Gebiet Hinweisschilder auf die gemäß Naturschutzgesetz streng geschützten Arten angebracht worden. Mit dieser „zügig ergriffenen Maßnahme” werde damit nicht nur die Bevölkerung auf etwaige Risiken hingewiesen, sondern auch dem Artenschutz Rechnung getragen, erklärte Lang auf BNN-Nachfrage.

Absperrung am falschen Ort?

Dass am Tag nach der Attacke am See ein rotweißes Absperrband flatterte, bestätigte die Frau. „Aber das war nicht in der Nähe des Erdlochs, sondern am falschen Ort.” Sie habe der Stadtverwaltung „meine sämtlichen Telefonnummern gegeben”, damit man sie kontaktiere. „In zwei, drei Minuten wäre ich mit dem Rad dagewesen und hätte genau den Ort des Erdlochs zeigen können. Aber da hat niemand gefragt.”

Experte: Wespen fühlten sich bedroht

Für die Aggressivität der Tiere hat Ralf Schreck eine einfache Erklärung: „Die fühlten sich mit Sicherheit bedroht”, sagt der ehrenamtliche Fachberater des Landkreises für Hornissen und Wespen. „Vielleicht ist da jemand zu nahe an das Erdloch herangetreten - und dann haben die Wächterinnen entschieden, anzugreifen.”

Die in Erdlöchern lebenden Kurzkopfwespen seien sehr klar strukturiert: Eine Königin suche sich ein verlassenes Maus- oder Fuchsquartier aus, lege dann Eier und ziehe die Larven groß, bis etwa 20, 25 Wespen geschlüpft seien. Diese „Arbeiterinnen” würden dann die in der Höhle verbleibende Königin versorgen, während sich diese um die Vermehrung des Wespenvolks kümmere.

„Die Königin steuert das gesamte Sozialverhalten”, weiß der Experte. Wenn dann unbedacht Badegäste zu nahe kämen, verteidigten die Wespen ihre Königin mit allen Mitteln - und vor allem Menschen mit heller Haut, die die Wespen mit lebhaften Bewegungen vertreiben wollten, seien gefährdet.

Er rate dazu, ganz ruhig zu bleiben, dann würden die Tiere auch nicht stechen. Falls doch, empfehle er Wilden Wegerich (in Apotheken und Reformhäusern erhältlich) zu kauen und diesen mit dem Speichel auf den Stich aufzutragen. Alternativ würde auch eine rohe Zwiebel gute Dienste leisten. Zum Arzt solle man auf jeden Fall, wenn sich nach einem Wespenstich Atembeschwerden einstellten. Das könne eine Allergie sein - „und die kann lebensgefährlich werden”.

Der Oma und ihrer Enkelin geht es übrigens wieder gut, berichten beide auf BNN-Nachfrage.

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