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Nachfrage ist groß

Bäckerei aus Graben-Neudorf begrüßt Rettung von Lebensmitteln

Mit der App „Too Good to Go“ werden Lebensmittel vor dem Wegwerfen bewahrt. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen von Unternehmen. 

Viele Bäckereien bieten Überraschungstüten an, die Waren zu einem vergünstigten Preis beinhalten.
Viele Bäckereien bieten Überraschungstüten an, die Waren zu einem vergünstigten Preis beinhalten. Foto: Brigitte Köhler

Das Konzept hinter „Too Good to Go“ ist ziemlich simpel. Die App stellt einen einfachen Kontakt zu Geschäften her, die überschüssige Lebensmittel loswerden möchten. Den Kunden wird zu einem vergünstigten Preis eine Überraschungstüte gerichtet, die sie selbst abholen können.

Bei einem Bäcker befinden sich darin zum Beispiel unterschiedliche Brötchen und süße Stückchen, bei einem Getränkehersteller verschiedene Saftflaschen. Oft gibt es auch bestimmte Kategorien, in denen nur vegane oder saisonale Artikel eingepackt werden.

Ursprünge in Dänemark

Im App-Store hat die Applikation derzeit 272.000 Bewertungen und 4,9 von fünf Sternen. „Als ich bei der Bäckerei eine Tüte abholte, war diese Tüte soooo voll. Wahnsinn. Ich war total perplex und das für drei Euro“, heißt es in einer Bewertung.

Fünf Gründer bauten in Dänemark das Unternehmen „Too Good to Go“ auf. Mittlerweile ist die App in 17 Ländern sowohl in Europa als auch in Amerika bekannt.

„Insgesamt ist es eine sehr gute Idee, spontan Lebensmittel zu retten“, sagt Brigitte Köhler von Köhler’s Landbäckerei aus Graben-Neudorf mit über 20 Filialen in der Region. „Wir arbeiten daher sehr gerne mit ,Too Good to Go‘ zusammen und sind sehr zufrieden mit dem Konzept.“

Die Benutzung der kostenlosen App sei sehr einfach, sagt Tobias Kühn, Mitarbeiter im Getränkemarkt Stutensee. Die App lädt man sich auf sein Smartphone und kann nun nach Angeboten in der Nähe suchen. Hat der Kunde sich eine Überraschungstüte ausgewählt, bezahlt er über die App und holt sie zur angegebenen Zeit ab. Es werde sogar angezeigt, wie viel Geld gespart und wie viel Treibhausgas vermieden wurden.

Ich habe es selbst schon ausprobiert.
Tobias Kühn
Getränkemarkt Stutensee

„Unsere Limonaden sind ja nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum immer noch trinkbar“, sagt Kühn. „Wir brauchen die Flaschen ja wieder. Sie werden sonst ausgeleert. Eine Verschwendung.“

Eine Vielzahl bekannter Unternehmen macht bei „Too Good to Go“ mit, darunter Edeka, Dunkin´ Donuts, Hussel, Denns BioMarkt, Alnatura, dean&david oder Nordsee, aber auch lokale Getränkemärkte, Metzgereien und Bäckereien.

„Ich habe es selbst schon ausprobiert und war wirklich begeistert“, sagt Kühn. Zwar müsse man auch mal mit einem leicht braunen Blumenkohl rechnen, doch so etwas sei kein Grund, Lebensmittel wegen ihres Aussehens oder ihres Mindesthaltbarkeitsdatums wegzuwerfen.

Dennoch gibt es auch Kritik an dem Unternehmen. Nora Kienetz ist Betriebsleiterin von Gregors Backstube in Linkenheim-Hochstetten. „Die App hat ein sehr gutes Image, aber zerstört die kleinen Betriebe“, sagt sie. „Mir fehlen viele Kunden, die nicht mehr bei mir einkaufen, weil sie Tüten aus großen Bäckereien bekommen.“

Man müsse die Kundschaft daher sensibilisieren, dass es zu späterer Stunde weniger Auswahlmöglichkeiten gebe. „Unsere Backstube braucht diese App nicht, da unsere Ware einen Kreislauf durchläuft“, sagt Kienetz. Liegengebliebene Spitzweck würden zu Weckmehl, die Brote gingen an die Tafel und die Körnerbrötchen an einen Schweinezüchter.

„Unser Angebot beschränkt sich momentan auf nur noch zwei Tüten am Tag“, sagt Brigitte Köhler. Die Nachfrage sei sehr groß, doch der Betrieb müsse wirtschaftlich arbeiten. „Wir jonglieren gut mit unserer Produktion, so dass wir wenig Retouren haben.“

Der Getränkemarkt Stutensee bietet freitags immer vier Pakete an. Diese bestehen aus jeweils einem Kasten. „Manchmal sind es gemischte Kästen, manchmal sind sie sortenrein“, sagt Kühn. „Die Kunden freuen sich immer.“

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