Skip to main content

Tierrettung

Verletzt an der Bundesstraße: Das Tier-Taxi-Team aus Stutensee ist rund um die Uhr im Einsatz

Wenn Schlangen im Vorgarten sitzen, Enten an der Bundesstraße warten oder Pferde geborgen werden müssen, ist das Tier-Taxi aus Stutensee zur Stelle. Seit rund vier Jahren hilft Markus Wagner mit seinem Team Haus- und Wildtieren und unterstützt die Polizei und das Veterinäramt bei Einsätzen.

Partner: Markus Wagner rettete mit seinem „Tier-Taxi“ eine erschöpfte Wildgans aus einem Vorgarten, dem sich auch ein Fuchs schon genähert hatte. Foto: Markus Wagner

An die Sache mit den Schafen kann sich Markus Wagner, Betreiber des Tier-Taxi in Stutensee und Karlsruhe, noch gut erinnern. Die Polizei alarmierte den 38-Jährigen und sein 14-köpfiges Tier-Rettungsteam, dass eine ganze Gruppe ausgebrochen war und durch ein Wohngebiet lief.

Mit sechs Mitarbeitern machte er sich auf den Weg. „Wir haben die Schafe zunächst zusammengetrieben“, sagt Wagner. Mit Hilfe von Baustellenbarrieren haben die Helfer die Schafe in einen Anhänger geleitet. So konnten sie zur Herde zurückgebracht werden.

Der Selbstständige braucht bei seiner Arbeit, wie er erzählt, nicht nur Tierwissen und technisches Verständnis, sondern auch jede Menge Einfühlungsvermögen.

„Wenn man sich lange mit Tieren beschäftigt, erkennt man, wie man vorgehen muss“, sagt er. Meist gehe er langsam auf das Tier zu. An dessen Verhalten sehe er, wie er weiter vorgehen muss.

Tier-Taxi ist erste Anlaufstelle für Polizei

Vor etwa vier Jahren besuchte der Familienvater mit seiner Frau die Tiermesse „Tierisch gut“ in Karlsruhe. Er lernte dort den damaligen Betreiber des Traditionsbetriebs Tier-Taxi kennen, der ihn als Fahrer beschäftigte. Kurze Zeit später übernahm er selbst das Unternehmen. „Wir helfen und transportieren alle Tiere: von Mäusen bis zum Pferd“, sagt Wagner.

Fahrten ins Tierheim bei entlaufenen Haustieren, die nicht gechippt sind, stehen an der Tagesordnung. Ende des Jahres will Wagner eine Weiterbildung für die Rettung für Großtiere wie Rinder beginnen.

Für das Veterinäramt und die Polizei sei das Tier-Taxi-Team bei verletzten, entlaufenen oder verirrten Tieren die erste Anlaufstelle, sagt er selbst. Bei Haustieren übernehmen die Besitzer die Bergungs- oder Transportkosten, bei Wildtieren das Veterinäramt oder die Gemeinde.

Tiere werden eingefangen und freigelassen

Das Telefon steht bei dem Tierretter an vielen Tagen nicht still, wie er erzählt. „Ich habe eine Schlange im Garten“, habe ein Anrufer einmal gesagt. Das Tiertaxi rückte aus, identifizierte das Tier und setze es wieder in die Wildnis. Auch eine Ente, die einfach nicht von der Bundesstraße weichen wollte, beschäftigte Wagners Team, das von der Polizei informiert worden war. „Wir haben sie mit einem Kescher eingefangen und am nächsten Gewässer freigelassen“, erzählt er.

Ein anderes Mal rettete er eine kanadische Wildgans aus einem Vorgarten vor dem Fuchs. Das Tier war erschöpft und wich nicht von der Stelle. An den Einwurf des Veterinäramtes, er habe die natürliche Rangordnung unterbrochen, erinnert sich Markus Wagner auch noch mit einem Lächeln.

Service

Telefon (0 15 20) 4 33 57 81, Internet: www.tiertaxizentrale.de

Die Nachricht über den tot aufgefundenen Goldschakal bei Bruchsal im Dezember vergangenen Jahres verbreitete sich schnell in der Region. Markus Wagner war der erste, der das Tier zu Gesicht bekam. „Was bist du?“ sei die Frage gewesen, die sich ihm aufdrängte. „So ein Tier hatte ich hier noch nie gesehen. Fuchs und Wolf konnte ich ausschließen.“ Zusammen mit seinem Team und Experten fand er dann die Lösung. Der Goldschakal ist hier selten anzutreffen und eher im Südosten Europas verbreitet.

Tierretter leisten auch Erste Hilfe

Das Tier-Taxi leistet Erste Hilfe für Wild- und Haustiere. Die Fahrzeuge sind mit Tragen, Tüchern und Sauerstoff ausgestattet. „Nur Medikamente dürfen wir nicht verabreichen, das machen die Ärzte“, sagt Wagner. Ein Tierarzt werde aber bei Einsätzen mit verletzten Tieren parallel informiert.

Markus Wagners Arbeit deckt eine große Bandbreite an Aufgaben ab. Er und sein Team sind rund um die Uhr und sieben Tage die Woche bereit. „Beim Weihnachtsessen im vorigen Jahr rief die Polizei an und ich musste aufbrechen“, erinnert er sich.

Jeder Einsatz sei anders, sagt der 38-Jährige. Bei aller Gewohnheit und bei aller Erfahrung dürfe aber eines bei der Tierrettung nicht passieren: „Es darf nie zur Routine werden.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang