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Tankstellen rüsten auf

Videoüberwachung hält Tankbetrüger im Karlsruher Norden in Schach

Lassen die hohen Spritpreise immer mehr Autofahrer zu Tankbetrügern werden? Im Karlsruher Norden gibt es diesen Trend nicht. Warum das so ist.

Autos fahren an einer Tankstelle vorbei
Laut Statistik des Polizeipräsidiums Karlsruhe sind die Fallzahlen beim Tankbetrug wieder auf das Niveau vor Beginn der Pandemie angestiegen. Foto: David Heger

Durch die breite Glasfront aus ihrem Tankstellen-Ladengeschäft heraus hat Susanne Posselt das Geschehen an den Zapfsäulen eigentlich gut im Blick. Doch das reicht heute längst nicht mehr aus, sagt sie. Ihre Tankstelle gehört zu einer der großen Ketten. An diesem Morgen geht es ruhig zu zwischen den Zapfsäulen.

Doch zu Stoßzeiten könne man schnell den Überblick verlieren, weiß Posselt aus über 20 Jahren hinter dem Tankstellen-Tresen. „Da hilft nur Videoüberwachung“, sagt sie und deutet auf zwei unscheinbare Kameras, die auf die Zapfsäulen gerichtet sind. „Die Verlockung, nicht zu bezahlen, ist natürlich groß“, sagt Posselt. „Bei solchen Preisen.“

2022 war das teuerste Tankjahr aller Zeiten

An diesem Morgen weist die Anzeige den Liter E10 mit 1,69 Euro aus – ein Preis, der manche Autofahrer nach einem Rekordjahr aufatmen lassen dürfte. Denn: 2022 war das teuerste Tankjahr aller Zeiten, nach Zahlen des ADAC mussten Autofahrer im Schnitt 186 Cent für einen Liter Super zahlen, Diesel kostete im Jahresschnitt 194,6 Cent pro Liter. „Es kommt alle paar Wochen vor, dass wir einen Tankbetrug anzeigen müssen“, sagt Susanne Posselt.

Wie groß ist das Problem nach einem Rekord-Tankjahr in der Region? Bei den großen Tankstellen-Ketten hält man sich bedeckt: „Wir sehen die Gefahr, dass potenzielle Täter schlauer gemacht und erst zu Taten animiert werden könnten“, erklärt ein Pressesprecher der Jet-Tankstellen auf Nachfrage.

Bei Aral beobachtet man derweil keine Zunahme bei der Kriminalität an Tankstellen in der Hardt: „Wir können keine vermehrten betrügerischen Handlungen feststellen“, heißt es auf Anfrage. „Genaue Zahlen liegen uns leider nicht vor.“

Im Polizeipräsidium Karlsruhe kennt man das Problem. Auch wenn man den Tatbestand des Tankbetrugs in der Kriminalitätsstatistik vergeblich sucht. Denn: Wer tankt und absichtlich nicht bezahlt, begeht je nach Umständen der Tat Betrug, Unterschlagung oder Diebstahl.

Interne Daten aus dem Polizeipräsidium zeigen aber: Ein Trend zur Kriminalität an Tankstellen in der Region ist nicht zu erkennen – im gesamten Landkreis Karlsruhe kommt es Jahr für Jahr zu mehreren hundert Fällen von Tankbetrug. Nur 2021 war ein Rückgang von rund 100 Fällen zu verzeichnen.

Corona hat die Kriminalität eingeschränkt.
Stephan Arheidt, Polizeipräsidium Karlsruhe

„Corona hat die Kriminalität eingeschränkt“, erklärt Stephan Arheidt vom Polizeipräsidium Karlsruhe. Mit dem Abflachen der Pandemie zieht nun auch der Tankbetrug wieder an: „Wir sind auf dem Vor-Corona-Niveau angelangt“, so Arheidt. Auffällig: Vor 2020 konnten nur in etwa zehn Prozent der angezeigten Fälle Tatverdächtige ermittelt werden.

Täter würden oft gestohlene Kennzeichen verwenden, so die Erfahrung der Polizei. „In den letzten beiden Jahren konnten wir dagegen in rund 40 Prozent der angezeigten Fälle Tatverdächtige erfassen“, so Arheidt. Dabei könnte auch die immer bessere Videoüberwachung eine Rolle spielen. „Im Visier der Täter sind vor allem Tankstellen nahe der Autobahn, im vergangenen Jahr wurden die meisten Fälle deshalb aus den Autobahntankstellen bei Forst angezeigt.“

So sieht es auch Verkäuferin Susanne Posselt – sie spricht von einem Wettrüsten: „Die Gauner werden immer raffinierter, aber wir werden es eben auch.“

„Im Visier der Täter sind vor allem Tankstellen nahe der Autobahn, im vergangenen Jahr wurden die meisten Fälle deshalb aus den Autobahntankstellen bei Forst angezeigt“, heißt es von der Polizei noch.

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